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Weiterbildung: Nationale Bildungsplattform offen für alle

Mann vor einem Laptop mit animierten Bildungssymbolen
Lob für die Idee, Kritik an der Umsetzung: Das BMBF hat einen Förderaufruf für die Entwicklung von Prototypen für eine Nationale Bildungsplattform gestartet. Foto: © Song_about_summer-stock.adobe.com

Eine Meta-Plattform für Weiterbildungsangebote, mit der Bürgerinnen und Bürger einfachen Zugang zum lebenslangen Lernen bekommen: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möchte eine “Nationale Bildungsplattform” auflegen. Dafür fördert das Ministerium aktuell die Entwicklung mehrerer Prototypen, die die technischen und gestalterischen Möglichkeiten der Plattform zeigen sollen. Insgesamt stehen bis zu 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Grundsätzlich – so ist sich die Branche der Weiterbildungsanbieter in weiten Teilen einig – eine gute und längst überfällige Initiative. Allerdings gibt es auch Kritik an der bisherigen Kommunikation des Ministeriums zur Plattform. Der Hauptvorwurf: Die Realität der Weiterbildung in Deutschland werde nicht berücksichtigt – sowohl in der Förderbekanntmachung als auch in der begleitenden Pressemitteilung werde unzureichend auf das Verhältnis der neuen Plattform zur beruflichen Weiterbildung eingegangen. Zu den Kritikern zählen insbesondere Anbieter von bestehenden Weiterbildungsplattformen für Unternehmen, die verschiedene Lernangebote bündeln und individuelle Weiterbildungspläne für Mitarbeitende erstellen.

Fragen zur Plattform offen

“Der überwiegende Teil der Weiterbildung nach dem Schul- oder Studienabschluss passiert nicht als Privatperson, sondern im Unternehmen”, lässt sich etwa Stefan Peukert, Gründer und Geschäftsführer der Lernplattform Masterplan.com, in einer Mitteilung seines Unternehmens zitieren. Aus der Kommunikation des BMBF zur Förderrichtlinie geht für Peukert nicht klar hervor, wie das Verhältnis der Nationalen Bildungsplattform zu bestehenden beruflichen Weiterbildungsangeboten aussehen soll. Offen blieben Fragen, “ob auch Unternehmen dort auf Angebote zugreifen können, beziehungsweise, ob und wie das persönliche Lernprofil auf der nationalen Bildungsplattform berufliche Fortbildung berücksichtigen wird.”

Carsten R. Löwe vom Bundesverband betriebliche Weiterbildung, in dem sich Unternehmen zusammengeschlossen haben, die berufliche Weiterbildung anbieten, äußert in einem Medienbericht sogar Zweifel daran, dass “es für solch eine Plattform tatsächlich einen Markt in der beruflichen Weiterbildung gebe” und er wirft die Frage auf, “ob der Betrieb solch einer Plattform die Aufgabe des Staates sei oder des Marktes”.

Wenn die nationale Lernplattform den Anspruch hat, die Menschen lebenslang umfassend zu begleiten, wird es spannend sein zu sehen, wie das mit der betrieblichen Weiterbildung korrespondiert. – Stefan Peukert, Geschäftsführer der Weiterbildungsplattform masterplan.com

Befürchten die bisherigen Anbieter also, dass das Projekt Konkurrenz sein könnte? Laut Peukert etwa verfolgt seine Lernplattform “ein ähnliches Ziel wie die Bildungsplattform”. Das BMBF widerspricht in einer Stellungnahme gegenüber der Personalwirtschaft: Die Nationale Bildungsplattform sei keine Konkurrenz, da sie selber “keine Lehr-/Lernplattform wie diese bestehenden Weiterbildungsplattformen” ist und auch nicht in diese eingreife. Sie solle nur Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten in und zwischen den Bildungsbereichen geben und auch bestehenden Angeboten einen Vorteil bieten: “Anbieter, also auch bestehende Weiterbildungsplattformen, erhalten dadurch Zugang zu vielen Bildungsinteressierten, Sichtbarkeit und profitieren möglicherweise von einer Reduzierung von Aufwänden”, heißt es auch dem Hause von Ministerin Anja Karliczek.

Berufliche Weiterbildung großer Markt

Tatsächlich ist der berufliche Kontext aktuell einer der Haupttreiber für Weiterbildung – und ein riesiger Markt für diejenigen, die ihn bisher bespielen. Nach Zahlen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln waren 2019 87,9 Prozent der Unternehmen in Deutschland in der Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden aktiv. Das ist ein neuer Höchststand, 2010 etwa bildeten noch 83,2 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeitenden weiter. Die Zahlen beruhen auf der Befragung von je weit über 1000 Unternehmen aus den Zweigen Industrie, unternehmensnahe Dienstleister und gesellschaftsnahe Dienstleister. Einen Höchststand gab es auch beim Zeitaufwand für die Weiterbildung: Mit 18,3 Stunden lag er 2019 eine Stunde über dem Wert von 2016. Auch die Ergebnisse des Forsa-“Branchenmonitor Digitale Bildung in Deutschland” des Bundesverbandes der Fernstudienanbieter liefert beeindruckende Zahlen: Um die 90 Prozent der 401 dort befragten Unternehmen bieten selbst Weiterbildung an, nutzen externe Weiterbildungsangebote oder unterstützen Weiterbildungs-Eigeninitiative ihrer Mitarbeitenden.

Auch die Investitionen, die Unternehmen in Weiterbildung tätigen, sind dementsprechend gestiegen: Laut Zahlen des IW von 2016 bis 2019 um 23 Prozent. 2019 lagen die Gesamtinvestitionen in Weiterbildung bei 41,3 Milliarden Euro. Über 90 Prozent der Unternehmen nutzten 2019 für die Weiterbildung auch digitale Angebote, ergab eine repräsentative IW-Köln-Umfrage unter 937 Unternehmen. Hier weist der “Branchenmonitor Digitale Bildung” allerdings etwas geringere Zahlen aus.

Nationale Bildungsplattform bietet auch Platz für Unternehmen

Das BMBF hat auf Nachfrage nun klargestellt: Die Nationale Bildungsplattform soll auch das große Feld der beruflichen Bildung berücksichtigen. Sie sei “Content-agnostisch” und soll “Bildungsangebote aller Bildungsbereiche und unterschiedlicher Anbieter zugänglich machen” und etwa “Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Portale für die Weiterbildung” bieten. Berufliche Bildungsangebote seien “von Anfang an in die Grundkonzeption mit einbezogen”, heißt es aus dem Ministerium.

Die Nationale Bildungsplattform soll als Meta-Plattform […] Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten sowohl innerhalb als auch über die Grenzen der Bildungsbereiche hinweg bieten. – Stellungnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Einfließen sollen auch Erkenntnisse aus dem schon laufenden Innovationswettbewerb “INVITE”, in dem sich auch Weiterbildungsanbieter und Betreiber von bestehenden Weiterbildungsplattformen Fördermittel sichern konnten, um bestehende Plattformen zu vernetzen oder sie etwa durch die Entwicklung von Individualisierungsmöglichkeiten und KI qualitativ zu verbessern. Außerdem verweist das BMBF darauf, dass sich für die Zielphasen 1 und 2 des Nationale-Bildungsplattform-Wettbewerbs auch Unternehmen bewerben können, um ihre innovativen Angebote frühzeitig anbinden zu können. In diesen Phasen geht es um die Entwicklung von modernen digitalen Weiterbildungsangeboten und den Aufbau von Methodenwissen und digitalen Kompetenzen bei Lehrenden. In Zielphase 3 sollen diese Komponenten dann zu testbaren Plattform-Prototypen verbaut werden.