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Mitarbeiter lernbereit, doch vielen fehlt die Orientierung

Scrabble-Steine mit Bildsymbolen, in der Mitte ein Stein mit Beschriftung
Wie steht es mit der digitalen Fitness der Mitarbeiter? Weiterbildung ist angesagt, doch wie wirkt sich der Wandel auf das eigene Jobprofil aus?
Foto: © magele-picture/StockAdobe

“Digital-fit im Job?” lautet der Titel einer Studie zur Lern- und Veränderungsbereitschaft der Deutschen, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft > EY im Frühjahr dieses Jahres durchgeführt hat. An der Befragung nahmen 1000 Angestellte und Führungskräfte aus den Branchen Maschinenbau, Transport und Logistik, Automobilhersteller und -zulieferer sowie Banken und Versicherungen teil.

Zwei Drittel der Berufstätigen möchten mehr Geld für ihre Weiterentwicklung

Der Aussage “Wer sich nicht lebenslang weiterbildet, wird abgehängt”, stimmten 94 Prozent der Studienteilnehmer zu. Allerdings finden zwei Drittel der Befragten, dass sie für ihre Bereitschaft zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung eine Gehaltserhöhung bekommen sollten. Von den 25- bis 29-Jährigen äußerten sogar gut drei Viertel (77 Prozent) diesen Wunsch. Nelson Taapken, Partner bei EY und Experte für den digitalen Wandel im Personalbereich, hält Weiterbildung für ein absolutes Muss und ist der Meinung, sie könne nicht jedes Mal zu einer Gehaltserhöhung führen. Die Arbeitgeber könnten ihre Mitarbeiter jedoch auf ihrem Weg in die digitale Zukunft unterstützen, indem sie ihnen zum Beispiel mehr Orientierung bieten.

Die Mehrheit hat kaum Vorstellungen von den Folgen des Wandels auf ihren Arbeitsplatz

Orientierung im Zuge der Transformation fehlt den meisten Berufstätigen offenbar: Weniger als jeder dritte Studienteilnehmer (rund 30 Prozent) weiß genau, wie sich sein Jobprofil aufgrund der Digitalisierung in den kommenden Jahren entwickeln wird. Fast die Hälfte (46 Prozent) gibt an, nur vage Vorstellungen davon zu haben, und jeder Vierte (26 Prozent) weiß überhaupt nicht, was auf ihn und seinen Arbeitsplatz zukommen wird. Hier zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede in der Einschätzung von Führungskräften und Mitarbeitern: Von den Führungskräften sagt knapp jeder zweite, er habe ein genaues Bild von seinen künftigen Aufgaben, während es von den Fachkräften lediglich ein Fünftel angibt.

Drei Viertel der Mitarbeiter wären zu Veränderungen bereit

Für den Fall, dass sie ihren Arbeitsplatz als gefährdet betrachten oder anderswo bessere Chancen für sich sehen würden, sind fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) bereit, ihr Einsatzgebiet und auch die Branche wechseln. Eine solche Veränderung wäre nach Einschätzung von 41 Prozent der Studienteilnehmer aber ein großer Kraftakt, den sie zum Teil nur mit Unterstützung ihres Unternehmens bewältigen könnten. Die Arbeitgeber sollten diese Unterstützung leisten, um selbst zukunftsfähig zu bleiben, so Taapken. Und sie sollten mit ihren Fachkräften über mögliche Entwicklungspfade sprechen. Dazu sei ein konsequentes Weiterbildungsmanagement notwendig.

Wissensaustauch unter Kollegen und Learning on the Job am beliebtesten

Was die derzeit beliebteste Formen der Weiterbildung betrifft, so stehen der regelmäßige Wissensaustausch unter Kollegen sowie Learning on the Job an erster Stelle; jeweils 40 Prozent der Fach- und Führungskräfte geben dies an. Auf Platz drei stehen mit 34 Prozent kurze Online-Lernsequenzen, die sich zeit- und ortsunabhängig absolvieren lassen. Erst danach folgen klassische Workshops mit 29 Prozent sowie Frontalunterricht und Fachausbildungen mit anerkanntem Abschluss (je Prozent). Laut Studie zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Vorlieben hin zum E-Learning. Diese ermögliche es den Firmen, eine große Anzahl von Mitarbeitern aktuell und vergleichsweise günstig zu schulen, meint Dr. Katharina Luh, Partnerin bei EY und verantwortlich für das Beratungsfeld Learning & Change. Von den Studienteilnehmern sagen 60 Prozent, dass ihnen das Lernen via Internet oder die Wissensvermittlung per Avatar zumindest ein wenig Spaß macht. Von dieser Gruppe geben circa drei Viertel (73 Prozent) an, die zeitliche und räumliche Unabhängigkeit des Online-Lernens zu schätzen.

Digital Natives haben mehr Erfahrung mit mobilem Lernen als ältere Kollegen

Bislang haben sich allerdings erst 37 Prozent der Befragten schon auf Fachforen zu E-Learning informiert und ausgetauscht, 34 Prozent haben online Sprachen gelernt und 21 Prozent haben Kurse auf Lernplattformen absolviert, die ein breiteres Spektrum auch zu digitalen Themen aufweisen. 18 Prozent haben schon ihr Smartphone zur Weiterbildung genutzt, wobei beim mobilen Lernen eine deutliche Diskrepanz je nach Altersgruppe besteht: Von den Mitarbeitern zwischen 25 und 29 Jahren haben sich bereits 38 Prozent auf diese Weise weitergebildet gegenüber nur sieben Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen. 27 Prozent haben bislang keine der genannten Lernformen genutzt. Hier gebe es, so Luh, noch viel Luft nach oben. Unternehmen könnten es sich auch aufgrund der demografischen Entwicklung nicht leisten, nur auf das Know-how der Digital Natives zu setzen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.