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Glossar Agile Lernformate

Was war noch gleich…? In der informellen, aber auch formellen Weiterbildung entstehen neue, an agilen Arbeitsweisen angelehnte Lernformate. Nicht mehr durch Frontalunterricht oder Online-Lernprogramme wird heute neues Wissen vermittelt, sondern durch kollegiale, oft kleine Lerneinheiten.

Brown Bag Meeting

Brown Bag Meeting – auch unter Brown Bag Lunch oder Lunch and Learn bekannt– bezeichnet ein agiles Lernformat, das mittels eines kollegialen Austauschs den Wissenstransfer im Team beziehungsweise im Unternehmen sowie die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter fördern soll. Konkret handelt es sich um eine Kurzveranstaltung von maximal einer Stunde über die Mittagszeit, bei der ein Mitarbeiter des Unternehmens über seine Arbeit berichtet beziehungsweise einen Lehrvortrag zu einem Thema hält. Im Anschluss daran diskutieren die zehn bis maximal 30 Teilnehmer über das Thema. Die Veranstaltung heißt Brown Bag Meeting, da die teilnehmenden Mitarbeiter ihr Mittagessen mitbringen können. In den USA wird dieses in der Regel in braunen Papiertüten verpackt.

FedEx Day

Beim FedEx Day oder auch ShipIt Day handelt es sich um ein agiles Lern- und Eventformat, bei dem die Mitarbeiter innerhalb von 24 Stunden an einem bestimmten Thema arbeiten, ohne durch ihre reguläre Arbeit gestört zu werden. Dabei geht es immer um ein Projekt, das entweder der Organisation oder auch den Kunden einen Vorteil bringt. Nach 24 Stunden werden die Ergebnisse vorgestellt.

Hackathon

Ein Hackathon (Wortschöpung aus „Hack“ und „Marathon“) ist ein agiles Lernformat, das seinen Ursprung in der IT-Branche hat: Teilnehmer aus verschiedenen Gebieten der Software- oder Hardwareindustrie finden sich beim Hackathon – auch Hackfest, Hack-Day oder Codefest genannt – zusammen, um ihre Projekte gemeinsam weiterzuentwickeln. Inzwischen sind Hackathons auch in anderen Bereichen als der IT vorzufinden: Unternehmen nutzen den Grundgedanken, um fachübergreifende Teams zusammenzubringen, die kreative Lösungsansätze und neue Ideen entwickeln. Die Veranstaltung dauert dabei zwischen 24 und 48 Stunden und steht ganz im Zeichen eines bestimmten Themas oder einer Fragestellung.

Lean Coffee

Ein Lean Coffee ist eine Methode für den offenen kollegialen Wissensaustausch in kleineren Gruppen. Es läuft strukturiert ab, ähnlich wie bei der Großgruppentechnik „World Café“, an der sich die Entwickler des Lean Coffees, Jim Benson und Jeremy Lightsmith, orientiert haben, gibt es jedoch keine Agenda vorab. Stattdessen sammeln die Teilnehmer die zu besprechenden Themen zu Beginn der Veranstaltung und priorisieren diese. Anschließend wird mit dem für alle Teilnehmer wichtigsten Thema begonnen und dieses für eine festgelegte Zeit diskutiert. Nach Ablauf der Zeit entscheiden die Teilnehmer per einfachem Handzeichen, ob sie dieses Thema weiter diskutieren oder mit dem nächsten starten wollen.
Ein Lean Coffee findet in der Regel in einem festgelegten zeitlichen Rahmen von maximal zwei Stunden statt. Die Veranstaltung wird öffentlich bekanntgegeben, zum Beispiel durch Aushang am Schwarzen Brett. Teilnehmen darf jeder, der interessiert ist. Allerdings sollte die Gruppe nicht zu groß werden.
Von der Methode › Open Space unterscheidet sich das Lean Coffee dadurch, dass es nur eine Diskussion mit allen Teilnehmern gibt, die Diskussion zu einem Thema von vornherein zeitlich begrenzt ist und am Ende des Treffens nicht notwendigerweise ein Aktionsplan steht.

Micro Learning oder Learning Nuggets

Micro Learning bedeutet Lernen in kurzen Einheiten. Insbesondere zum Wiederauffrischen von schon mal Gelerntem bieten sich solche „Wissenshäppchen“ von drei bis 15 Minuten an. Sie werden häufig in den Arbeitsprozess integriert und können vom Lernenden selbstgesteuert abgerufen werden. Oftmals handelt es sich um kurze Podcasts oder Erklär-Videos. Auch zur Vor- und Nachbereitung formaler Kurse ist Micro Learning gut geeignet. Hierzu werden unter anderem kleine Informationseinheiten und Testfragen eingesetzt.

Rotation Days

Rotation Days werden zur Wissensverteilung in Unternehmen eingesetzt und sollen das Netzwerk im eigenen Unternehmen stärken. Hierzu nehmen jeweils fünf Teams aus unterschiedlicher Fachrichtung mit drei bis fünf Mitgliedern an einem Tag pro Monat ein Mitglied eines anderen Teams auf. An diesem Tag arbeitet der jeweilige Gast voll in dem für ihn fachfremden Team mit. Am Ende des Tages werden die Erfahrungen und Lerneffekte während des Tages dokumentiert. Rotation Days sollen der Silobildung im Unternehmen vorbeugen und finden insbesondere in agilen Unternehmen als Lernformat ihre Anwendung.

Ted Talks und Ted-Konferenzen

Die Ted Talks und Ted-Konferenzen zählen zu den agilen Lernformaten. Das Prinzip: Auf Ted-Konferenzen kommen weltweit Denker, Macher und Künstler zusammen, um neue Ideen und Denkansätze sowie ihre Visionen vor einem ausgesuchten Publikum vorzustellen. Die maximal 18-minütigen Talks während der Konferenz sind immer von persönlicher und somit emotionaler Art. Sie sind eine Mischung aus Zahlen, Daten, Fakten zu einem bestimmten Thema und persönlichem Erleben des Vortragenden mit dem Ziel, Inspiration zu wecken. Zur Unterstreichung der Kernaussage können wenige, aber gute visuelle Materialien verwendet werden. Unter www.ted.com werden die Talks als Webvideo öffentlich zugänglich gemacht. Hinter der Plattform steckt eine Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Ideen zu verbreiten.

Working out Loud (WOL)

WOL ist eines der bekanntesten agilen Lernformate und bezeichnet einen lernorientierten Austausch in einem Netzwerk von drei bis fünf Personen. Diese treffen sich in sogenannten Circles zwölf Wochen lang regelmäßig – persönlich oder virtuell – für eine Stunde pro Woche, um gemeinsam an individuellen Zielen der einzelnen Circle-Mitglieder zu arbeiten. Folgende drei Fragen sind dabei für jede teilnehmende Person maßgebend:
• Was will ich erreichen?
• Wer kann mir dabei helfen?
• Was kann ich anderen Personen meinerseits anbieten, um eine tiefere Beziehung
aufzubauen?

Kernidee von WOL ist, das eigene Wissen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen, damit alle davon profitieren können. Strukturiert werden die Treffen durch die „Circle-Guides“. Sie wurden vom Gründer der WOL-Bewegung, John Stepper, erstellt und sind frei verfügbar.


Die Definitionen wurden zusammengestellt von Petra Walther. Der Beitrag dazu stammt aus dem Special Weiterbildung 12/2018, den Sie › hier lesen können.