KI-Arbeitgeberbild: Kununu wiegt so viel wie 40 Karriereseiten

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33,2 Prozent aller belegten Aussagen, die ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity über die 40 DAX-Konzerne als Arbeitgeber treffen, stützen sich auf das Bewertungsportal Kununu. Die eigenen Internetseiten aller 40 Unternehmen kommen zusammen auf 33 Prozent. Dazu zählen Hauptdomain, Karriere- und Jobseiten sowie Berichtsseiten. 

Das geht aus einer aktuellen Analyse des Monitoring-Tools „Georg“ hervor. Vom 5. bis 11. September hat Georg die vier KI-Modelle mit typischen Bewerberfragen zu allen Dax-Unternehmen konfrontiert. Genutzt wurde jeweils das Standardmodell des Anbieters mit eingeschalteter Websuche. Georg wertete insgesamt 15.197 belegte Aussagen aus und ordnete jede der Quelle zu, auf die sich das Modell beruft. 

Zwei von drei Belegen kommen von außen 

Über alle Unternehmen und Modelle hinweg stammen rund 67 Prozent der belegten Aussagen aus externen Quellen. Kununu wird bei jedem der 40 Konzerne zitiert. Mit großem Abstand folgen die Jobbörse Indeed mit 9,1 Prozent und das Bewertungsportal Glassdoor mit 4,7 Prozent. Der Rest verteilt sich auf weitere Jobbörsen, Karriereportale, Wirtschaftsmedien und Foren wie Reddit. Von den externen Aussagen gehen 57 Prozent auf Kununu und Glassdoor zurück. Was Beschäftigte und Ehemalige dort schreiben, ist damit die wichtigste Grundlage für das Arbeitgeberbild in der KI. 

Wie stark die Karriereseiten eines Konzerns selbst berücksichtigt wird, unterscheidet sich dabei erheblich. Heidelberg Materials erreicht mit 52 Prozent den höchsten Eigenanteil, gefolgt von Beiersdorf mit 48 und Daimler Truck mit 47 Prozent. Bei SAP stammen nur 15 Prozent der Belege von eigenen Seiten, bei Qiagen und E.on jeweils 18 Prozent. 

Mehr eigene Inhalte helfen kaum 

Naheliegend wäre, dass ein Unternehmen umso besser dasteht, je mehr er selbst in die KI-Antworten einbringt. Die von Georg ermittelten Daten stützen das allerdings nicht. Die zehn bestplatzierten Unternehmen kommen im Schnitt auf 32 Prozent eigene Belege, die zehn letztplatzierten auf 33 Prozent. Heidelberg Materials hat den höchsten Eigenanteil im Dax und landet mit 60 von 100 Punkten im unteren Viertel. E.on kommt mit 18 Prozent Eigenanteil auf 74 Punkte und schafft es unter die besten zehn. 

Welches Modell ein Bewerbender öffnet, verändert bereits die Quellenlage. ChatGPT stützt sich am stärksten auf die Unternehmen selbst, 53 Prozent seiner Aussagen stammen von deren Seiten. Greift ChatGPT auf externe Quellen zurück, kommen diese zu 96 Prozent von Kununu und Glassdoor. Gemini belegt 56 Prozent aller Aussagen mit Kununu. Perplexity zeigt mit 39 Prozent eigenen Seiten das ausgewogenste Verhältnis. Claude nutzt die breiteste Mischung aus Indeed, Glassdoor, Stepstone, Jobvoting und Wikipedia. Kununu fehlt bei Claude ganz, nach Angaben von Georg aus technischen Gründen aufseiten des Portals. 

Im Schnitt liegen die Werte, die Georg aus den Antworten der vier Modelle ermittelt, für ein und dasselbe Unternehmen 16 Punkte auseinander. Die größte Diskrepanz gibt es bei SAP: Aus den Antworten von Gemini und Perplexity ergeben sich für den Softwarekonzern 83 Punkte, aus denen von Claude nur 43. Damit steht SAP bei Gemini auf Rang vier und bei Claude auf Rang 39. Volkswagen landet bei Perplexity auf Rang sechs, bei Claude auf Rang 35. Am dichtesten beieinander liegen die Werte bei Rheinmetall, wo nur zwei Punkte zwischen bestem und schlechtestem Wert liegen. 

Wechselnde Spitzenreiter 

Auch die Spitzenreiter im Ranking wechseln. ChatGPT sieht Siemens Energy, Munich Re und die Hannover Rück gleichauf vorn, Gemini die Hannover Rück, Claude Scout24 und Perplexity MTU Aero Engines. Nur sieben Unternehmen schaffen es in allen vier Modellen unter die ersten zehn: die Hannover Rück, Munich Re, MTU Aero Engines, Beiersdorf, Scout24, Siemens und Siemens Energy. 

„Für Arbeitgeber ist es wichtig zu wissen: Es gibt nicht ein KI-Arbeitgeberbild mit dem sie zukünftig umgehen müssen“, sagt Sascha Theisen, einer der Georg-Initiatoren. „Je nachdem, welches Tool Bewerbende für ihre Jobsuche nutzen, begegnet ihnen praktisch jedes Mal ein anderer Arbeitgeber.“ 

Rückversicherer vorn, Zalando hinten 

Im Durchschnitt der vier Modelle führt die Hannover Rück mit 82 von 100 Punkten, knapp vor Munich Re mit 81. Es folgen MTU Aero Engines und Beiersdorf mit je 80 Punkten sowie Scout24 mit 79. Siemens, Siemens Energy und Siemens Healthineers erreichen jeweils 78 Punkte. E.on und die Deutsche Telekom komplettieren mit je 74 Punkten die Top 10. SAP, Mercedes-Benz, Volkswagen, BASF und Bayer landen im Mittelfeld, die Deutsche Bank nur auf Platz 31. Am unteren Ende stehen Zalando mit 48 Punkten, Qiagen mit 52 und Brenntag mit 54. 

„Zwischen Platz eins und Platz 40 liegen auf der Georg-Indexskala 34 Punkte“, sagt Sascha Kubak, Mitinitiator von Georg. Der Durchschnitt liegt bei 68,6 Punkten. Nach der Einstufung von Georg erscheinen 21 Konzerne als sehr gute, 14 als gute und fünf als solide Arbeitgeber. Die höchste Stufe „exzellent“ erreicht keiner. In die Stufen „ausbaufähig“ oder „kritisch“ fällt ebenfalls keiner.  

Führung fällt im KI-Urteil ab 

Über alle Konzerne hinweg punkten die DAX-Unternehmen laut Georg-Analyse bei Karriere und Entwicklung mit 80 Punkten, bei Vergütung und Benefits sowie bei Vielfalt und Gleichberechtigung mit je 78. Schwächer fallen Arbeitsbedingungen mit 62 und Jobsicherheit mit 61 Punkten aus. Führung und Management kommt auf 44 Punkte, 17 Punkte hinter dem nächstschwächeren Faktor. Als einziger der neun Faktoren liegt er unter der Mitte der Skala. Die häufigste Einordnung lautet hier „eher negativ“, sie taucht 68-mal auf. Bei Vergütung überwiegt „eher positiv“ mit 87 Nennungen. 

Was Arbeitgeber tun können 

Georg leitet aus der Analyse vier Empfehlungen ab. Erstens sollten Arbeitgeber ihr KI-Arbeitgeberbild regelmäßig prüfen. Eine einzelne Abfrage zeige den Stand eines Tages. Ob sich das Bild verbessere und ob Maßnahmen wirken, zeige erst eine Zeitreihe. Zweitens lohne es sich, alle relevanten Modelle zu beobachten, denn welches Modell Bewerbende öffnen, könne kein Arbeitgeber steuern. Drittens müssten die Arbeitgeber vor allem auch externe Quellen auf den Schirm, allen voran die Bewertungsportale. Viertens sollten Unternehmen belegbar über Führung sprechen. Wer hier nachprüfbare Aussagen macht, hat nach Einschätzung von Georg die größte Chance, sich von anderen Arbeitgebern abzuheben. 

Info

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft. Foto: FBM

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.