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Ausbildung: Den Blickwinkel ändern

Foto: goodluz/Adobe Stock
Foto: goodluz/Adobe Stock

Nicht allen Ausbildungsbetrieben ist bewusst, dass die Diskussion um wegfallende Berufe Azubis abschreckt. “Gibt es meinen Ausbildungsberuf in zehn Jahren überhaupt noch?”, fragen sich die Schulabgänger und einige entscheiden sich dann lieber für ein Studium. Gegen diesen Trend hilft Aufklärung: “Zeigen Sie den jungen Menschen Perspektiven und insbesondere auch Weiterbildungsmöglichkeiten auf”, raten die Experten den Ausbildern. Denn die Mehrzahl der Berufe fällt nicht weg, sondern erfindet sich neu – auch unter Beteiligung von Betrieben und Kammern.

Welche Ausbildungskampagnen überzeugen?

Der Instrumentenkoffer des Ausbildungsmarketings ist prall gefüllt. An kreativen Ideen mangelt es vor allem großen Ausbildungsbetrieben nicht. Aber nach wie vor geraten viele kleine und mittlere Unternehmen mit einer Top-Ausbildung ins Hintertreffen. Sie sind gerade mal in ihrer Region bekannt und werben zu wenig für ihr Unternehmen oder den speziellen Ausbildungsberuf. Nur in der örtlichen Schule Propaganda zu machen, führt nicht zu unterschriebenen Ausbildungsverträgen – gerade wenn das Arbeitsfeld und die Karrierechancen nach der Ausbildung nicht bekannt sind.

Hingegen muss ein gutes Employer Branding sowohl die Jugendlichen, als auch die Eltern mitnehmen, die als Zielgruppe häufig vernachlässigt werden. Eine weitere Erfahrung: Ausbildungsmessen sind bei kleinen und mittelständischen Betrieben, die ansonsten kaum Werbung für sich machen, ein beliebtes Instrument des Personalmarketing. Doch diese Messen gibt es wie Sand am Meer und sie funktionieren nur sehr bedingt. Erfolgsversprechender ist es, wenn Betriebe direkt in die Schulen gehen. Bewährt haben sich beispielsweise Praktikumsangebote, auch bezahlte Schülerpraktika. Dabei können Jugendliche in die betriebliche Realität hineinschnuppern und Ausbilder gewinnen einen ersten Eindruck der Persönlichkeit.

Social Media – den passenden Kanal wählen

Am liebsten ist die Gen Z in Facebook und Co. unter sich, wie viele Studien zeigen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, sie in Social-Media-Netzwerken anzusprechen und mit Advertisings auf offene Stellen hinzuweisen. Doch wer Jugendliche in Sachen Ausbildungsentscheidung wirklich erreichen will, der setzt heute auf YouTube, berichten die Recruiting-Spezialisten. Daneben funktioniert auch der Weg über Instagram. Die Vorteile der beiden bildbetonten Kommunikationsplattformen: Junge Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit nicht gerne mit dem Thema Ausbildung, aber dort können sie “nebenbei” abgeholt werden. Beispielsweise über Native-Advertising-Elemente – einer Mischform aus Werbung und redaktionellen Inhalten – bei Influencern im Social Web, die ein hohes Vertrauen bei ihren Followern genießen.

Modernes Bewerbermanagement ist ein Muss

Die administrativen Vorgänge rund um die Ausbildung sind noch lange nicht in allen Betrieben automatisiert, es fehlt an Bewerbermanagementsystemen und softwaregestützter Ausbildungsplanung. Beides ist nicht nur aus arbeitsökonomischer Sicht sinnvoll, sondern zahlt auch auf das Employer Branding ein. Die Auszubildenden erwarten auf jeden Fall einen digitalen Bewerbungsprozess, der einfach und schnell funktioniert – ob nun mit One-Click-Bewerbungen oder über Bewerberformulare. Auch ein guter Online-Ausbildungsmanager erspart Unternehmen jede Menge Zeit, beispielsweise bei der automatischen Generierung von Versetzungsplänen.

Auswahlprozesse werden unterschätzt

Betriebe, die sehr viele Azubis einstellen, versuchen Auswahlprozesse durch den Einsatz von KI zu optimieren. Dieses Vorgehen können sich aber nur Großunternehmen leisten, die noch eine Masse an Bewerbungen erhalten. Je weniger Bewerber es gibt, desto wichtiger ist es aber, die Eignung des jungen Menschen verlässlich beurteilen zu können. Testverfahren können helfen, denn der Einsatz wissenschaftlich fundierter Diagnostik hilft das Risiko einer Fehleinstellung zu minimieren. Zudem eröffnet er Chancen für Bewerber und Unternehmen: Durch die objektive Erfassung des Potenzials können Bewerber positiv auffallen, die vormals aufgrund strikter Formalkriterien keine Chance gehabt hätten.

Digitale Ausbildung – mehr als ein Tablet

Der Schlüssel zur digitalen Ausbildung sind die Inhalte und nicht nur die Bereitstellung eines Tablets. Kleinen Betrieben fehlen die Ressourcen, um die Inhalte selber zu erstellen. Jedoch könnten sie auf dem Markt Apps einkaufen, zum Beispiel für die Prüfungsvorbereitung in kaufmännischen Berufen. Auch eine eigens für den Ausbildungsbereich aufgesetzte App ist sinnvoll. Azubis wollen informiert sein: Wo arbeite ich heute und morgen? Welche Aufgaben habe ich und wer ist mein Ansprechpartner? Ebenso vereinfacht eine App das Führen des Berichtshefts. Die Berichte lassen sich per Sprachsteuerung erfassen und digital direkt an den Ausbilder versenden. Viele IHKs verlangen heute ebenfalls keine ausgedruckte Berichtsvariante mehr, sondern die elektronische, die inklusive der elektronischen Unterschrift direkt an den Prüfungsausschuss gesendet werden kann.

Bis alle berufsspezifischen Inhalte digital zur Verfügung stehen, dürfte es noch einige Zeit dauern. Unternehmen, die jetzt schon zu den First Movern zählen, dürfte es wesentlich leichter fallen, Azubis zu rekrutieren, die nach einer attraktiven, zukunftssicheren Ausbildung Ausschau halten.

Round Table Ausbildung: Den Blickwinkel ändern

Wer aus der Perspektive von Auszubildenden blickt, stellt fest, dass nicht nur die Digitalisierung eine wichtige Rolle für Nachwuchskräfte spielt. Hier die wichtigsten Zitate aus unserem Round-Table-Gespräch mit Experten.


Dieser Round Table erschien in der Personalwirtschaft Ausgabe 07/2019. Das gesamte Heft können Sie › hier in unserem Shop bestellen.

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.