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Deutscher Maschinenbau: Beim Employer Branding viel Luft nach oben

Der Maschinenbau gilt neben der Automobilindustrie als wichtigster Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Branche ist mittelständisch geprägt und klagt derzeit über einen Fachkräftemangel. Eine Studie hat jetzt untersucht, wie gut der Maschinenbau in Sachen Employer Branding aufgestellt ist.

Job im Maschinenbau
Der deutsche Maschinenbau unternimmt zu wenig, um sich als attraktiver Arbeitgeber hervorzuheben. Foto: © auremar-stock.adobe.com

Im vergangenen Sommer ließ der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) verlauten, dass Personalengpässe schon kurzfristig zur Innovationsbremse werden könnten. Die Unternehmen müssen sich also vermehrt um die begehrten Mitarbeitenden bemühen. Allerdings hapert es an der richtigen Ansprache von Nachwuchs- und Fachkräften, wie ein aktueller Report zeigt.

Die wichtigsten sieben Unternehmen im Fokus

Die Karriereorientierungs- und Recruiting-Plattform Jobteaser und die Digitalagentur Virtual Identity haben nun das Employer Branding mittelständischer Unternehmen im deutschen Maschinenbau unter die Lupe genommen. Dafür haben sie die HR-Aktivitäten der Arbeitgeber beim beruflichen Netzwerk Linkedin und anderen sozialen Netzwerken sowie im Hochschulumfeld analysiert.

Untersucht wurden die sieben Betriebe in mehrheitlich deutschem Unternehmensbesitz, die weniger als eine Milliarde Euro Jahresumsatz erwirtschaften: Arburg, Brückner Group, Gebrüder Heller Maschinenfabrik, Neuenhauser Unternehmensgruppe, Reifenhäuser Maschinenfabrik, Steuler Holding und die Weidmüller Gruppe.

Niedriger Reifegrad bei Nutzung des Karrierenetzwerks Linkedin

Im ersten Schritt wurde der Reifegrad des Employer Brandings der Mittelständler auf Linkedin analysiert. Grundlage dafür war ein vierstufiges Modell, wobei die Stufen mehr als hundert objektive Kriterien berücksichtigen. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die Arbeit im Betrieb gestaltet, welche Werte das Unternehmen vertritt und welche Jobs zur Verfügung stehen. Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass der Reifegrad der Handhabung von Linkedin bei den sieben Unternehmen vergleichsweise niedrig ist – von nur einem Prozent bis maximal 41 Prozent – und Employer Branding “ein Fremdwort” bleibt.

Defizite gibt es demnach in allen Bereichen: Die Unternehmen befüllen ihre Profile nicht vollständig, inszenieren ihre Arbeitgebermarke bis auf wenige Ausnahmen kaum und nur eines der Unternehmen setzt gezielt Werbe- und Marketingmaßnahmen ein. Zum Beispiel nutzen die Betriebe kaum die Möglichkeit, Portraits von Mitarbeitenden verschiedener Entscheidungsebenen und Tätigkeitsbereiche zu präsentieren oder aufzuzeigen, was die Betriebe zur Bindung der Mitarbeitenden unternehmen. Auch HR-Themen wie Homeoffice und Work Life Balance werden selten behandelt.

Wenig Employer Branding für den Nachwuchs an Hochschulen

Was die Ansprache des potenziellen Nachwuchses an den Hochschulen betrifft, lassen die Unternehmen ebenfalls viel Potenzial ungenutzt, sagt Svenja Rausch, Head of Communication & Marketing DACH bei Jobteaser. Der Report zeigt, dass kaum einer der untersuchten Arbeitgeber entsprechende Aktivitäten über die eigenen Kanäle wirklich sichtbar macht. Auch kommunizieren die Unternehmen dort Veranstaltungen wie beispielsweise Karrieremessen, an denen sie teilnehmen, nur in den seltensten Fällen. Dabei seien die meisten Betriebe, die ihren Sitz abseits der Großstädte haben, auf die Kooperation mit regionalen Hochschulen angewiesen, mahnt die Studie. Immerhin hänge die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen von der erfolgreichen Rekrutierung junger Talente ab.

Möglichkeiten von Social Media generell wenig ausgeschöpft

Die Analyse der Aktivitäten des Maschinenbau-Mittelstands in sozialen Medien kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Arbeitgeber ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Aus Sicht des Nachwuchses, der mit Instagram, Tiktok oder YouTube eigene populäre Social Media Kanäle nutzt, seien diese Unternehmen mehr oder weniger nicht existent, heißt es. Gen-Z-Expertin Svenja Rausch gibt zu bedenken, dass bei allen sieben Arbeitgebern nicht nur Verbesserungsbedarf hinsichtlich ihrer generellen Präsenz in den sozialen Medien besteht, sondern auch bei der allgemeinen Darstellung, der Bildsprache und der gewählten Tonalität, mit der die junge Generation angesprochen wird.

Nach Ansicht von Amir Tavakolian, Managing Director bei Virtual Identity, stehen die Ergebnisse stellvertretend für die Gesamtheit der mittelständischen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau. Er und Rausch sehen akuten Handlungsbedarf, um zu verhindern, dass das Nachwuchsproblem tatsächlich zur Innovationsbremse wird.

Der Report “Employer Branding im deutschen Maschinenbau” steht > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.