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Der Umgang mit Fake-Mandaten von Personalberatern

Smartphone mit Schrift Unknown Call
Nicht immer haben anrufende Personalberater tatsächlich eine Position anzubieten. Manche wollen lediglich Daten und Firmeninfos abgreifen. Bild: terovesalainen/Fotolia.de

Heutzutage ist keine Branche vor Betrugsmaschen gefeit. Wir beobachten in jüngster Zeit immer häufiger, dass hoch qualifizierte Kandidaten – insbesondere im C-Level und HR-Bereich – von kleineren oder Start-up Personalberatungen angesprochen werden, die sich über eine vermeintlich passende neue “Herausforderung” bei einem angeblichen Mandanten austauschen wollen, um letztendlich den Kontakt für eigene Zwecke auszunutzen. Hier spricht man dann von Fake-Mandaten.

Der Hintergrund: Von einem Headhunter angerufen zu werden, weckt bei vielen Fach- und Führungskräften zunächst ein positives Gefühl für das eigene Ego. Der Angerufene erhält den Eindruck, dass seine Qualifikation und Expertise attraktiv ist. Zudem scheint das persönliche Profil die Aufmerksamkeit externer Personalberater auf sich zu ziehen. Oder jemand aus dem eigenen Umfeld hat eine Empfehlung weitergegeben.

Diese positive Stimmung beflügelt den Angerufenen und er ist bereit, den eigenen Lebenslauf und die Motivation eines Wechsels zu besprechen. In dieser Kennenlernphase wird relativ schnell eine vertrauensvolle Basis zum Personalberater geschaffen, vorausgesetzt, man ist sich halbwegs sympathisch.
Letztendlich ist man im guten Glauben, dass diese Beziehung die eigene Karriere weiterbringt. Dies ist der normale und gängige Weg, den professionelle Personalberatungen mit potenziellen Kandidaten einschlagen, um die weiteren Schritte für die zu besetzende Stelle zu besprechen und dem Kandidaten als vertrauensvoller Sparringspartner zur Seite zu stehen.

Falsche Mandate locken die Kandidaten

Dieses Vertrauen wird leider gelegentlich von schwarzen Schafen in der Personalberatungsbranche missbraucht, um es für eigene Zwecke auszunutzen. Die Masche hat meist einen akquisitorischen Hintergrund: Hat der Kandidat erst einmal angebissen und ist zu einem persönlichen Interview mit dem angeblichen Mandanten – also der zukünftigen Firma – bereit, ist die Position leider bereits anderweitig besetzt oder der Auftraggeber hat sie intern vergeben.

Nach der ersten Kontaktaufnahme ist der nächste Schritt, dass sich der Personalberater nach der personellen Situation im aktuellen Unternehmen des Kandidaten erkundigt. Der vermeintlich passende Kandidat hat womöglich selbst in seinem eigenen Arbeitsumfeld mit personellen Engpässen zu kämpfen, oftmals ist Überlastung ja ein wichtiger Grund für die Wechselmotivation.

Über diesen Bypass ist es für den Headhunter ein Leichtes, über etwaige neue Mandate im Unternehmen des Kandidaten informiert zu werden. Dieser Weg ist einfacher, als durch aufwendige Akquisegespräche mit Arbeitgebern zu neuen Aufträgen zu kommen. Es bleibt der höchst schale Beigeschmack unprofessioneller Arbeitsweise, der sich im Zweifelsfall auf die gesamte Branche auswirkt.

Leider gibt es gegen diese Methodik keine Handhabe. Einige langjährige Kunden haben uns angesprochen und mitgeteilt, dass sie von Mitbewerbern über solch einen ‚menschlich enttäuschenden‘ Weg kontaktiert wurden. Letztendlich wurden diese scheinbar ernst gemeinten Gespräche als verkäuferische Optimierungsstrategie missbraucht. Dies schadet nicht nur dem Ruf des jeweiligen Personalberaters, sondern unserer gesamten Branche.

Man kann inständig hoffen, dass diese vermeintlichen Kollegen sich klarwerden, dass sie eventuell ihre eigene Existenz gefährden, weil früher oder später fast jeder Fake auffliegen wird.

Was tun, wenn ein Headhunter mit falschen Absichten anruft?

Angesprochene Kandidaten sollten prüfen, ob es sich bei einer Kontaktaufnahme durch einen Personalberater um ein konkretes Mandat handelt, bevor sie zu weiteren Gesprächen einwilligen. Wird eine glaubwürdige Legitimation der vermeintlich zu besetzenden Position nicht dargelegt, sollte der Betroffene nur mit Vorsicht einem weiteren Austausch zustimmen.

Auch eine kurze Recherche über das anrufende Beratungsunternehmen sowie ein Blick auf dessen Website können helfen, böse Überraschungen zu vermeiden. Die Lebensdauer einer Personalberatung ist zudem ein wichtiges Kriterium, um Newcomer von gut vernetzten Häusern zu unterscheiden.

Im Normalfall ist die Ansprache von einem Headhunter für die betroffene Person eine positive Bestätigung der persönlichen Vita und meistens auch eine aktive Hilfestellung für weitere Karriereschritte. Wenn es beim ersten Mandat nicht passt, sollte sich der Kandidat in der Datenbank des Beraters speichern lassen, um für weitere Vakanzen zur Verfügung zu stehen. Wie gesagt: sofern es sich um ernstgemeinte Vermittlungsaktivität handelt und man ein gutes Gefühl hat.

Von: Martin Krill, Geschäftsführer der Hager
Unternehmensberatung. Er besetzt gehobene Vertriebs- und
Management-Positionen in der Technologiebranche sowie in weiteren
ausgewählten Branchen.

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