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Digitalisierung setzt Personalberater unter Zugzwang

Die Nominierungen zum “Headhunter of the Year” sind soeben veröffentlicht worden, die Spannung bis zur Preisverleihung am 14. Juni steigt. Wir sprachen mit Klaus Mantel, Geschäftsführer von Experteer und Ausrichter der Veranstaltung, über die Entwicklung der Personalberaterbranche.

Portrait Klaus Mantel, Experteer
Klaus Mantel, Experteer. Bild: Experteer

Personalwirtschaft: Im Juni zeichnen Sie zum dritten Mal Headhunter für besondere Leistungen aus. Wie überzeugend sind die Bewerbungen in diesem Jahr?
Klaus Mantel: Die Einreichungen sind von der Quantität und der Qualität her gesehen auch in diesem Jahr wieder sehr überzeugend. Insbesondere in der wiederbelebten Kategorie “Innovation” sind viele interessante Ansätze dabei, welche den Einzug der Digitalisierung bei den Personalberatungen untermauern. Auch in der Kategorie “Executive Search” ist das Niveau der Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen. Bezüglich der Marktstruktur der Personalberatungsbranche haben wir Einreichungen von Unternehmen aller Größenklassen und Spezialisierungen bekommen. Künftig wünschen wir uns aber eine höhere Beteiligungsrate von Beratungen aus dem Top-Segment beziehungsweise von Marken, die sich in der Spitze der Marktpyramide befinden.

Wie innovativ ist die Branche?
Obwohl wir sehr viele gute Einreichungen in der Kategorie Innovation bekommen haben, bleibt der Eindruck, dass die Branche größtenteils eher traditionell geprägt ist. Die vehementeste Veränderung sehen wir im Bereich der Digitalisierung. Themen wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Bots oder die Digitalisierung von Prozessen oder von Teilen der Wertschöpfungskette einer Personalberatung scheinen die Branche umzutreiben. Einige Unternehmen beschäftigen sich schon ziemlich intensiv mit der Digitalisierung. Sie lernen über Hubs, entwickeln neue digitale Strategien oder experimentieren mit Software-Innovationen in Projekten. Aber letztendlich mündet es für alle Unternehmen in den gleichen Fragestellungen: Wo steht die Personalberaterbranche in zehn Jahren, wie muss ich künftig mein Business ausgestalten, wo kommt langfristig das Wachstum her?

Muss die Branche überhaupt innovativer werden? Die Geschäfte der Personalberater laufen doch sehr gut. Der Arbeitsmarkt boomt.

Dies ist eine Frage der Perspektive und des Zeithorizonts. Momentan verzeichnet die gesamte Branche ein jährliches Umsatzwachstum. Dieser positive Umstand verleitet dazu, kurzfristig und taktisch so weiter zu machen wie bisher. Aber auch die Personalberater werden vor allem durch die Digitalisierung in ein Dilemma kommen: Innovationen rechtzeitig zu erkennen, Veränderungen anzustoßen und neue Wachstumsfelder zu beschreiten, ohne dabei das bisherige Geschäft zu gefährden. Damit kommt man automatisch zu Themen wie Ressourcenverteilung, Investitionsbereitschaft sowie Mut und Risiko-Offenheit. Solange sich alle Marktteilnehmer gleich verhalten und sich die Marktstrukturen nicht sonderlich verändern, funktioniert der alte Plan. Die Frage ist, ob und wann der Innovator kommt, der das bisherige Geschäft schlagartig auf den Kopf stellt. Andernfalls passieren die Veränderungen in einem längerfristigen oder gar schleichenden Prozess.

In der Leaders Lounge, die Sie im Vorfeld der Verleihung veranstalten, werfen Sie den Blick in die Zukunft. Was erwartet dort die Zuschauer?
Wir werden unseren Gästen spannende Vorträge mit exzellenten Rednern sowie Diskussionen mit Zündstoff bieten. Unter dem Motto “Game Changer oder Game Over” vollziehen wir für die Personalberatung eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln: Wie verändern sich Kandidaten und wie erreiche ich die Fach- und Führungskräfte der jüngeren Generation? Wie verändern sich Organisationen und Prozesse in Unternehmen, und wie kann ich mich als Personalberater in diese Veränderungen einbringen? Was passiert gerade technologisch und welche Auswirkungen haben diese Veränderungen auf das Headhunter-Geschäft? Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein offenes Diskussionsformat. Dabei werden wir die Thesen der Keynote-Speaker im Dialog mit unseren Gästen diskutieren.

Trotz aller Digitalisierung und Zukunftsfragen: Das Geschäft der Personalberater ist ein People-Business. Was zeichnet einen guten Headhunter aus?
Viele Fähigkeiten und Eigenschaften, ich mische hier den Cocktail aus den wichtigsten Zutaten. Für die eigene Persönlichkeit: Empathie, Sympathie, soziale und emotionale Kompetenz, Intelligenz, Unternehmergeist, Kommunikationsvermögen, Zuhören können, Struktur-, Analyse- und Diagnosefähigkeit, Nachhaltigkeit, Verbindlichkeit, Vertrauen, Motivation, Kundenorientierung, Diskretion, Zuverlässigkeit, Disziplin, Lernbereitschaft, Stil, Überzeugungskraft, ein gewisses Verkaufsgen verbunden mit guter Menschenkenntnis. Für die Mandanten und Kandidaten: Markt-, Branchen- und Funktionskenntnis, Team- und Kulturverständnis, Prozesskultur, Informations- und Kommunikationspräzision, Sorgfalt, Integrität, Lösungsorientierung, Wertschätzung und Respekt.

Über den Award:
Nähere Informationen zum Headhunter of the Year, zu
den Nominierten und zur Veranstaltung finden Sie unter
www.headhunter-of-the-year.com. Anmeldungen zur Leaders Lounge sind noch
möglich. Die Zeitschrift Personalwirtschaft begleitet diesen Award als
Medienpartner.