Personalwirtschaft: Herr Dr. Rusinek, Sie warnen Unternehmen davor, die Automatisierung zulasten von Einstiegsjobs zu forcieren. Warum?
Dr. Hans Rusinek: Kurzfristig scheint die Automatisierung ein hohes Einsparpotenzial zu haben, doch langfristig ist es eine Gefahr. Wenn ich an Einstiegspositionen spare und niemanden oder nur noch wenige junge Menschen einstelle, tappe ich in eine Falle: Denn damit wird die untere Sprosse der Karriereleiter zerbrochen. Unternehmen zerstören so die eigene Nachwuchspipeline. Arbeitgeber verlieren deutlich mehr, als sie gewinnen, zum Beispiel den nötigen frischen Wind, den Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit ins Unternehmen bringen.
Warum ist das so?
Weil alle Unternehmen Prozesse mit AI automatisieren. Der Kostenvorteil durch Effizienz nivelliert sich sehr schnell. Geldautomaten haben auch Bankkosten gesenkt, aber keiner Bank dauerhaft Vorsprünge gebracht. Zudem ist es häufig so, dass die Zeit, die durch automatisierte Prozesse eingespart wird, in der Regel mit neuen Prozessen aufgefüllt wird. Wenn ich E-Mails automatisiere, werden einfach nur mehr E-Mails geschrieben. Das heißt, auch die gewonnenen Kapazitäten verpuffen häufig.
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