Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu, doch von Besinnlichkeit ist in vielen Unternehmen keine Spur. Die Wirtschaft ächzt unter schwachen Auftragslagen, Entlassungswellen ziehen sich durchs Land und sämtliche Branchen. Und die politische Instabilität nach dem Bruch der Ampelkoalition verstärkt die Unsicherheit. Während die Entlassenen mit einer ungewissen Zukunft kämpfen, stehen auch die Verbleibenden unter Druck. Sie sind es, die das „Krisenschiff“ jetzt steuern sollen. Doch was passiert, wenn diese Crew langsam ihre Motivation verliert?
Wir spielen diese Frage einmal anhand eines Gedankenexperiments durch.
Chris sitzt spätabends auf dem Sofa und schaut auf seinen Laptop. Die Stellenanzeige eines Wettbewerbers ist noch geöffnet. „Vielleicht nur zur Sicherheit“, murmelt er vor sich hin, während er nervös seine Gedanken sortiert. Seine Kollegin Alex ringt währenddessen mit ganz ähnlichen Sorgen. Sie hatte am Nachmittag eine Unterhaltung mit anderen Mitarbeitenden mitgehört. Diese spekulierten darüber, wie lange die Firma die aktuelle Situation noch übersteht.
Angst und Anspannung breiten sich aus
2024 haben viele ihre berufliche Sicherheit verloren, doch auch für die Verbleibenden stellt sich die Frage: Bleiben oder gehen? Wer im Team bleibt, kämpft oft mit Sorgen um den eigenen Job. Und sucht womöglich schon nach Alternativen. Nicht, weil er oder sie will, sondern weil die Unsicherheit die Situation wie eine Flucht erscheinen lässt. Arbeitgeber stehen vor der Herausforderung, ihre Belegschaft nicht nur bei Laune zu halten. Vielmehr stehen sie vor der Aufgabe, sie in diesen turbulenten Zeiten zu binden.
Die Entlassungen der letzten Monate haben Spuren hinterlassen. Auch die Verbleibenden spüren die Folgen. Die Stimmung in den Büros bleibt angespannt. „Wer ist als Nächstes dran?“, fragt ein Kollege an der Kaffeemaschine. Alex und Chris schweigen, doch der Gedanke lässt sie nicht los. Alex nickt nur flüchtig und versucht, die Gerüchte auszublenden. Chris traut sich nicht, das Thema anzusprechen, obwohl es ihn innerlich zerfrisst.
Produktivität und Loyalität geraten ins Wanken
Diese Unsicherheit breitet sich aus. Wie ein Schatten legt sie sich auf die Belegschaft. Angst um den Job, Sorgen um die finanzielle Zukunft und das Gefühl von Hilflosigkeit nehmen zu. Gespräche in den Pausen drehen sich fast nur noch um Entlassungen und mögliche Szenarien.
Das alles lähmt. Die Produktivität sinkt, die Stimmung kippt. Mitarbeitende wie Chris und Alex fühlen sich ausgebrannt und alleingelassen. Alex denkt während eines Meetings, dass die Geschäftsleitung mehr tun sollte, um das Team zu beruhigen. Doch es bleibt bei Durchhalteparolen.
In unsicheren Zeiten wachsen nicht nur die Zweifel, sondern auch das Gefühl der Isolation. Viele Mitarbeitende fragen sich, ob es woanders besser wäre. Arbeitgeber riskieren nicht nur Leistungseinbrüche, sondern auch, dass wertvolle Fachkräfte wie Chris und Alex einen Wechsel in Betracht ziehen.
Die Risiken für Unternehmen steigen
Für viele der besten Köpfe in einem Unternehmen beginnt mit solchen Gedanken die Abkehr. Der Wechselwille entsteht nicht, weil die Arbeit keinen Spaß macht. Sondern, weil Unsicherheit wie ein Gift durch die Abteilungen strömt. Plötzlich erscheint das beim Wettbewerb grüner, selbst wenn er objektiv betrachtet keine besseren Bedingungen bietet.
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Gerüchte und mangelnde Kommunikation verschärfen die Lage. Wer bleibt, beobachtet die Lage aufmerksam – und analysiert jeden Zug der Geschäftsführung. „Warum reden sie nicht offen? Haben die überhaupt einen Plan?“, fragt sich Alex. Während sie gleichzeitig darüber nachdenkt, ob sie sich wirklich bei einem anderen Unternehmen bewerben soll.
Die Gefahr: Wenn die leistungsstärksten und loyalsten Mitarbeitenden gehen, bleiben Lücken, die nicht so schnell zu füllen sind. Unternehmen riskieren, ihre stabilisierenden Kräfte zu verlieren – und mit ihnen das Vertrauen, das andere Mitarbeitende noch halten könnte.
Internes Employer Branding als Schlüssel
Um Mitarbeitende wie Chris und Alex zu halten, müssen Unternehmen mehr tun, als nach außen zu glänzen. Internes Employer Branding wird in Krisenzeiten zum Rettungsanker. Es geht darum, Vertrauen und Zusammenhalt im Team aufzubauen – mit echten Maßnahmen, die die Belegschaft spürt.
Führungskräfte sind der erste Ansatzpunkt. Sie prägen das Bild, das Mitarbeitende vom Unternehmen haben. Chris erzählt Alex in der Mittagspause von einem Gespräch mit seinem Vorgesetzten, der die schwierige Lage offen angesprochen hat. „Zumindest weiß ich jetzt, was los ist“, sagt er. Sein Vorgesetzter hatte klar zugegeben, dass die Zukunft ungewiss ist. Aber auch betont, wie wichtig Chris und sein Team für den Weg nach vorne sind. „Er hat mich nicht angelogen“, fügt Chris hinzu. „Das ist mir lieber, als dieses ewige ‚alles wird gut‘.“
Alex nickt, doch in ihrem eigenen Team bleibt es bei Floskeln. Sie fühlt sich weiterhin alleingelassen und sucht nach Orientierung.
Maßnahmen sichtbar machen
Neben klarer Kommunikation muss das Unternehmen interne Maßnahmen sichtbar machen. Das reicht von Weiterbildungen bis zu gezielten Wertschätzungsprogrammen. Doch: Es reicht nicht, diese Angebote bereitzustellen – sie müssen aktiv gelebt und glaubwürdig vermittelt werden. Alex denkt an ein neues Programm zur Mitarbeiterbindung, von dem sie bislang nur über Gerüchte gehört hat. „Das verpufft doch, wenn niemand Bescheid weiß“, sagt sie zu Chris.
Dabei ist auch Diversität ein wichtiger Faktor: Unsicherheiten treffen Mitarbeitende unterschiedlich stark. Sei es aufgrund ihres Alters (finde ich später noch einen neuen Job?) oder anderer persönlicher Umstände.
Neben klarer Kommunikation und sichtbaren Maßnahmen sollten Unternehmen auch den Erfolg ihrer internen Employer-Branding-Strategien regelmäßig messen. Kennzahlen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Fluktuationsrate oder interne Weiterempfehlungen können wertvolle Einblicke geben und helfen, die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.
Internes Employer Branding stärkt die Bindung der Mitarbeitenden. Es zeigt, dass das Unternehmen nicht nur an kurzfristigen Zielen arbeitet, sondern die Menschen dahinter ernst nimmt. Unternehmen, die hier investieren, gewinnen langfristig Loyalität – auch von Skeptiker:innen wie Alex.
Blick nach vorn: Wer handelt, gewinnt
Unternehmen stehen vor der Wahl: das Steuer in die Hand nehmen oder riskieren, dass die besten Köpfe über Bord springen. Krisen zeigen, welche Werte ein Unternehmen wirklich lebt – und ob es der eigenen Kultur gerecht wird. Die Belegschaft spürt, ob Führungskräfte ehrlich kommunizieren, Entscheidungen mit Rückgrat treffen und den Menschen im Fokus behalten. Wer in schwierigen Zeiten seine Werte verrät, verliert nicht nur Vertrauen, sondern auch die Motivation und Bindung der Mitarbeitenden.
„Weißt du, was mich wirklich fertig macht?“, fragt Alex, als sie sich mit Chris am Ende des Arbeitstags unterhält. „Das Gefühl, dass hier keiner weiß, wo es hingeht. Und dass es ihnen egal ist, wie wir uns fühlen.“ Chris nickt langsam. „Ich glaube, sie wollen einfach, dass wir durchhalten. Aber wie lange geht das noch?“ Beide wissen, dass viele im Team genauso denken. Niemand spricht es offen aus, doch eins sehen alle: Die Stimmung verschlechtert sich rapide.
Ein Unternehmen, das jetzt Mut beweist, kann genau das verhindern. Es geht nicht darum, die Wellen zu glätten, sondern gemeinsam mit der Belegschaft einen Kurs zu setzen. Mitarbeitende wie Alex und Chris brauchen Unterstützung. Sie benötigen klare Perspektiven, echte Wertschätzung und eine Kommunikation, die Vertrauen aufbaut.
Die Krise ist eine Bewährungsprobe – für Unternehmen und Führungskräfte. Und auch wenn die See rau ist: Der Kapitän, der seine Crew führt, statt das Schiff zu verlassen, zeigt Stärke. Nur so bleibt das Team an Bord, und nur so steuert das Unternehmen sicher in den nächsten Hafen. Und dort scheint erfahrungsgemäß auch irgendwann wieder die Sonne.
