Update vom 20. Februar 2026: Mehrere Unternehmen in Hessen haben die Initiative „Charta der Demokratie“ gestartet. Damit wollen sie demokratische Teilhabe stärken, heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Kerngedanke ist es, Mitarbeitende zu unterstützen, die ehrenamtlich kommunalpolitische Mandate übernehmen, indem die Arbeitgeber Raum für das Ehrenamt schaffen und gleichzeitig im Unternehmen den Austausch über demokratische Werte fördern.
Wie genau das geschieht – das legt jedes Unternehmen selbst fest. Bei der Initiatorin der „Charta der Demokratie“, der Bank KfW, gibt es für besagte Beschäftigte einen Sonderurlaub und ein begleitendes Coaching – etwa zum Aufbau von Resilienz. Auch arbeite man mit der Hertie-Stiftung zusammen, die Programme zur Kompetenzbildung und zur Nachwuchsförderung im politischen Ehrenamt anbietet.
Die „Charta der Demokratie“ haben neben der KfW bisher die Deutsche Börse Group, die Fraport, die HEAG Holding, die Helaba, die Kion Group, PwC Deutschland und SAMSON unterzeichnet. Die Schirmherrschaft hat die Hessische Staatskanzlei. „Damit sich auch weiterhin Menschen in der Kommunalpolitik einbringen können, schaffen wir bei Fraport die passenden Rahmenbedingungen und unterstützen das Engagement unserer Mitarbeitenden“, schreibt Fraport-Personalvorständin Julia Kranenberg auf Linkedin.
„Eine liberale, von Vielfalt und Toleranz geprägte Demokratie ist das Fundament unseres Wohlstands“, sagt Dr. Stefan Brügmann, Leiter Personal & Recht, Helaba. „Gerade auf kommunaler Ebene lebt Politik vom ehrenamtlichen Engagement – auch dem unserer Mitarbeitenden.“
Update vom 27. November 2025: Nachdem der Verband „Die Familienunternehmer“ die sogenannte Brandmauer zur AfD für obsolet erklärt hatte, verlassen erste Mitglieder die Organisation. Die Arbeitgeber Rossmann und Vorwerk kündigten unter anderem ihren Austritt an, weitere Unternehmen erwägen den Schritt. Damit wollen sie ein Zeichen gegen die rechtsextreme Partei setzen.
Ursprünglicher Artikel:
„Die AfD schadet unserer Volkswirtschaft, unserer Gesellschaft, unserer Zukunft.“ Diese klaren Worte sagte Christian Kullmann, Chef des deutschen Chemiekonzerns Evonik, im November der Süddeutschen Zeitung. Dass sich ein CEO so deutlich politisch positioniert, ist ungewöhnlich. Doch aktuelle Rahmenbedingungen scheinen dies immer mehr zu erfordern. Ressentiments gegen Menschen mit Migrationshintergrund schrecken zum einen dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland davon ab, nach Deutschland zu kommen. Zum anderen ist Vielfalt in der hiesigen Wirtschaft ein Innovationstreiber und essenziell für den globalen Erfolg deutscher Unternehmen.
Gleichzeitig hält die Überzeugung, man solle als Unternehmen politisch neutral bleiben und im eigenen Betrieb nicht für politische Spannungen in der Belegschaft sorgen, offenbar viele Firmenlenkerinnen und -lenker von einer klaren Positionierung ab. Das zeigte auch eine Umfrage des Handelsblatts unter allen Dax40-Konzernen. Unternehmen hätten kein Mandat, Empfehlungen für oder gegen einzelne Parteien auszusprechen, hieß es darin etwa vonseiten Eons.
Haltung zeigen ist kein Soft-Thema mehr
Zwei Ansätze, beide sind nachvollziehbar. Doch seit dem Bekanntwerden der Deportations-Pläne einiger AfD-Mitglieder und anderer Rechtsextremistinnen und -extremisten Mitte Januar scheint sich etwas verändert zu haben. Es fällt auf, dass sich immer mehr Unternehmensvertreterinnen und -vertreter öffentlich politisch positionieren – auch zum Beispiel auf Linkedin, allerdings oft mit dem Hinweis, dass Politik auf einem Business-Network nichts zu suchen habe. Es geht allerdings aus Sicht vieler nicht mehr nur darum, sich gegen eine bestimmte Partei auszusprechen, sondern für Grundsätze der demokratischen Verfassung, die von Rechtsextremistinnen und -extremisten angegriffen werden. Die Stimmen in der Wirtschaft sind seitdem politischer geworden.
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