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Frauen in der IT: Mit Sichtbarkeit gegen Stereotype ankämpfen

Wie kann mit den bestehenden Stereotypen über Fachkräfte in der IT gebrochen werden? (Foto: Gorodenkoff_Adobe Stock)
Wie kann mit den bestehenden Stereotypen über Fachkräfte in der IT gebrochen werden? (Foto: Gorodenkoff_Adobe Stock)

“Über Jahrzehnte hat sich in unseren Köpfen festgesetzt, dass IT-Fachkräfte Männer sind”, sagt Danica Delfs, Recruiterin bei einem Softwareunternehmen. Dass dieses Bild nicht ganz falsch ist, zeigen auch die Zahlen: Laut der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit lediglich 17 Prozent der IT-Mitarbeitenden in Deutschland weiblich. Änderung ist nicht in Sicht, denn nur rund 25 Prozent der Informatik-Studierenden waren 2019 Frauen, so ein Report des Digitalverbandes Bitkom.

So wirken die Stereotypen und Vorurteile selbstverstärkend: Weil es wenige Frauen in IT-Berufen gibt, gelten sie als männlich geprägt und weniger attraktiv für Frauen – weshalb sie wiederum männlich geprägt bleiben. Denn selbst wenn sich Frauen in die IT-Branche begeben, dann arbeiten sie laut der Recruiterin Delfs meist in frauentypischen Berufen. “Sie übernehmen administrative Aufgaben – beispielsweise im Vertrieb oder der Buchhaltung”, sagt Delfs.

Was also tun? Eine mögliche Lösung ist es laut Delfs, dass die wenigen ITlerinnen sichtbarer werden. Das sieht auch Ann-Kathrin Sobeck, die für die Personalentwicklung und das Recruiting bei Offis – Institut für Informatik verantwortlich ist, so. Dabei müssten sie aber keineswegs alleine ins Rampenlicht gehen und vorleben, dass Frauen eine Bereicherung für die IT sind. “Frauennetzwerke sind immer ein gutes Mittel, um sich gegenseitig dabei zu helfen, sichtbarer zu werden – und natürlich auch, um Kontakte zu pflegen”, sagt Sobeck. Solche Netzwerke gibt es in Deutschland etwa unter den Namen “#ShetransformsIT” und “#Lit – Ladies in Tech”. Die beiden Netzwerke setzen sich für eine Frauenförderung in der IT ein und wollen IT-Expertinnen mehr auf den Podien dieser Welt platzieren.

Früh ansetzen

“#ShetransformsIT” hat auch Ideen parat, um bestehende Stereotype aufzubrechen. Es sei wichtig, bereits bei der Frühförderung anzufangen und Frauen von klein auf mit neuen Technologien und den Systemen dahinter vertraut zu machen. Bestehend aus mehr als 50 Vertreterinnen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist die Initiative davon überzeugt: Der Informatikunterricht soll an allen Schulen verpflichtend werden. Allerdings gelte es hier zu beachten, dass bestehende Stereotype nicht reproduziert werden. So sollten Schulbücher gendersensibel gestaltet sein – etwa nicht nur von Männern als Entwickler gesprochen werden und die entsprechenden Fotos von männlichen Fachkräften zu sehen sein. “Wir wollen Technikstereotype in der Werbung und in den Schulbüchern nicht länger dulden”, sagt Ira Diethelm, Präsidiumsmitglied der Gesellschaft für Informatik und Mitglied der Initiative.

Nach der Schule müsse der Weg in die IT für Frauen weiter offen gehalten werden. Dies könne beispielsweise durch interdisziplinäre Studiengänge geschehen, in denen sich Frauen langsam an IT-Themen herantasten können und gleichzeitig andere Inhalte lernen. Mentoring-Programme können zudem laut Vertreterinnen von #ShetransformsIT wichtig für die Förderung von Frauen in der Branche sein. Und wenn sich eine Frau ursprünglich nicht für eine Ausbildung in der IT entschieden habe, so solle ihr der Eintritt in die Branche auch später noch möglich sein: Quereinstiege müssten gefördert werden – und zwar mit Informationsangeboten und, wenn nötig, einer finanziellen Unterstützung, um die Weiterbildung zur IT-Fachkraft an jeder Stelle im Lebenslauf zu ermöglichen.

Doch nicht nur an den IT-Fachkräften hängen Stereotype, sondern auch am Beruf selbst. Die Arbeit eines Entwicklers oder einer Entwicklerin wird von verschiedensten Seiten oftmals als Spielerei im Isolierten betrachtet, in der sich Nerds ihre eigene Welt kreieren. Das entspricht laut Sobeck nicht der Wahrheit. “ITler arbeiten sehr kooperativ im Team”, sagt die Personalentwicklerin, “und sie leisten einen maßgeblichen gesellschaftlichen Beitrag.” Diese Botschaft müsse vermittelt werden: “Mehr Frauen in der IT wird es meiner Meinung nach geben, wenn es uns gelingt, die Relevanz der IT für gesellschaftliche Themen zu zeigen”, so Sobeck. Recruiterinnen und Recruiter müssten erzählen, wie viel IT bewirkt und wie kreativ die Arbeit ist, damit die Branche attraktiver für Frauen werde.

Was Männer aus der Recruiting-Szene zum Thema zu sagen haben, lesen Sie hier.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.