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Für Viele ein Fremdwort: Was heißt eigentlich LGBTQIA+?

Diversity
Laut einer Studie haben Arbeitgeber Nachholfbedarf, wenn es um die Toleranz gegenüber qeeren Mitarbeitern und deren Inklusion geht. Foto: © syahrir-stock.adobe.com

Das Akronym LGBTQIA+ wird verwendet, um Menschen in all ihren sexuellen
Identitäten und Orientierungen zu bezeichnen: Lesbian (Lesbisch), Gay
(Schwul), Bisexual (Bisexuell), Trans (Transgender), Queer/Questioning
(Queer), Inter (Intergeschlechtlichkeit) und Asexual (Asexuell). Das
“+”-Symbol zeigt an, dass es noch weitere Möglichkeiten gibt. Alternativ
wird das Wort “queer” verwendet, das oft als der umfassendste und
inklusivste Begriff gilt. Doch etwa zwei Drittel (64 Prozent) der
Deutschen können keinen einzigen Buchstaben des Akronyms definieren.
Mehr als jeder Zweite weiß nicht, was “queer” bedeutet. Das zeigt eine aktuelle Studie zum aktuell laufenden “Pride Month”, laut der sich zudem insgesamt 96 Prozent der Deutschen unsicher fühlen in Gesprächen über das Thema.

Das liegt vermutlich auch daran, dass sie nicht sehr viele Berührungspunkte mit Menschen aus dem LGBTQIA+-Umfeld haben: Ein Drittel kennt keine einzige Person aus dieser Gruppe. Für die Untersuchung im Auftrag von Linkedin wurden vom 2. bis 4. Juni dieses Jahres 2070 Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren repräsentativ befragt.

Gen Z fordert Engagement vom Arbeitgeber

Die Analyse nach Altersgruppen zeigt jedoch, dass jüngere Menschen besser informiert sind. Von der Generation 55plus, den Babyboomern, sagen 82 Prozent, dass sie sich mit Queer-Fragen gar nicht auskennen,. Dagegen geben von der Generation Z, den 18- bis 24-Jährigen, drei Viertel an, zumindest teilweise zu wissen, was sich hinter den LGBTQIA+-Buchstaben verbirgt. 61 Prozent sagen, dass der Begriff “queer” bereits zur Alltagssprache gehört. Nur jeder Zehnte ist mit dem Einsatz seines Arbeitgebers für die LGBTQIA+-Community zufrieden und wünscht sich einen offeneren Umgang.

Menschen können bei der Arbeit ihr Bestes geben, wenn sie authentisch sind und sich nicht gezwungen fühlen, Teile ihrer Identität zu verbergen,

sagt Josh Graff, Managing Director EMEA & LATAM bei Linkedin. Allerdings seien die Atmosphäre und Unternehmenskultur entscheidend dafür, wie akzeptiert sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz fühlen.

Vorgesetzte und Kollegen als Unterstützer queerer Mitarbeiter

In Studien geben Mitglieder der LGBTQIA+-Community immer wieder an, am Arbeitsplatz bereits Diskriminierung erfahren zu haben und etwa bei Beförderung oder Gehaltsverhandlungen benachteiligt worden zu sein. Um ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen und damit allen zu ermöglichen, sich frei zu entfalten, könnten Führungskräfte und Kollegen wichtige Verbündete sein, so Graff. Ein solcher “Ally” sei aufgeschlossen gegenüber anderen Geschlechtsidentitäten helfe, gegen Sexismen aller Art vorzugehen und sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung zu positionieren.

Belgier im Europavergleich am aufgeschlossensten

Eine Studie von Reboot hat untersucht, welche europäischen Länder die besten Arbeitsplatzperspektiven für queere Fachkräfte bieten. Basierend auf Zahlen von FRA und Eurostat analysiert sie Faktoren, die zur Inklusion im Job beitragen, und enthält einen punktebasierten Index. Danach belegt Belgien den Spitzenplatz mit einer der höchsten Beschäftigungsquoten für LGBT+-Fachkräfte (54 Prozent) und 8,7 von möglichen zehn Punkten. Luxemburg steht mit 8,3 Punkten auf Platz zwei, Dänemark mit 8,1 Punkten auf dem dritten Rang. Deutschland befindet sich auf Platz 14 von 26 Ländern und erreicht 4,7 Punkte. Auf den letzten Plätzen landen Zypern und Litauen mit 1,7 Punkten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.