Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Hierarchiestufe entscheidet über Eignungs-Check

Bewerbern für höhere Positionen wird es im Bewerbungsverfahren leichter gemacht als Fachkräften.
Bild: © Trueffelpix/Fotolia.de
Bewerbern für höhere Positionen wird es im Bewerbungsverfahren leichter gemacht als Fachkräften.
Bild: © Trueffelpix/Fotolia.de

Außerdem hat die Personalabteilung bei ihnen oft weniger mitzureden, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Je nach Hierarchiestufe und Position nehmen Unternehmen Bewerber unterschiedlich stark unter die Lupe. Fach- und unteren Führungspositionen wird deutlich stärker auf den Zahn gefühlt als potenziellen Chefs. Lässt hier das > Peter-Prinzip grüßen?

Im obersten Management reicht der gute Eindruck

So muss ein Spezialist in 92 Prozent aller Firmen unterschiedliche psychologische und diagnostische Tests absolvieren. Die häufigste Methode, um Kandidaten für einen Job als Fachkraft vor einer möglichen Einstellung zu testen, ist ein Interview und eine fachliche Handlungssimulation. Etwa zwei von drei Unternehmen setzen diese Kombination oder ein Interview ein, wenn Positionen auf unteren Hierarchieebenen besetzt werden sollen. Auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene sind Handlungssimulationen deutlich seltener. Die häufigste Methode im obersten Management ist ein persönliches Gespräch mit den Kandidaten – hier genügt der gute Eindruck. Das zeigt eine aktuelle Studie von > Kienbaum zum Umgang mit eignungsdiagnostischen Methoden in Einstellungstests. An der weltweiten Untersuchung nahmen mehr als hundert Personalverantwortliche teil.

Wenn sich Unternehmen bewusst gegen aufwendige Eignungsdiagnostik entscheiden, weil sie die Kandidaten intensiver in persönlichen Gesprächen und in einer ungezwungenen Umgebung kennenlernen wollen, sei das völlig in Ordnung, sagt Hans Ochmann, Geschäftsführer bei Kienbaum, weist jedoch auf ein Risiko hin:

Problematisch wird es, wenn die psychologische Seite der Eignung einer Führungskraft völlig ausgeblendet wird, weil es bequemer ist,

so Ochmann.

Fachkräfte auch bei firmeninternen Beförderungen mehr geprüft

Nicht nur beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter zeigt sich das ungleiche Vorgehen gegenüber den verschiedenen Bewerbergruppen, sondern auch bei firmeninternen Beförderungen. Dafür führen 61 Prozent der Unternehmen psychologische Testmethoden durch, 55 Prozent wenden die Eignungsdiagnostik im Rahmen ihres Talentmanagements an. Doch während die Eignungsdiagnostik auf höchster Führungsebene lediglich in etwa jeder zweiten Firma eingesetzt wird, nutzen auf Ebene der Fachkräfte 92 Prozent der Unternehmen solche Verfahren. Die Entscheider machten es sich selbst nicht gern schwerer als sie müssen, sagt Studienleiter Dennis Kampschulte. Im angelsächsischen Raum sei allerdings erkennbar, dass die Führungs- und Managementqualität durch regelmäßige Audits auf Top-Level zunimmt. Es sei letztlich eine Entscheidung für mehr Qualität.

HR ist beim Chef-Test weniger eingebunden

An diagnostischen Verfahren sind unterschiedliche Fachleute beteiligt, doch je höher der getestete Mitarbeiter in der Hierarchie angesiedelt ist, desto eher werden externe Berater eingeschaltet. Auf Fachkräfteebene ist in zwei von drei Unternehmen die Personalabteilung maßgeblich an Entwicklung und Durchführung der Diagnostikverfahren beteiligt und nur etwa jede vierte Firma bindet externe Berater ein. Auf Entscheider-Ebene hingegen greifen 59 Prozent der Firmen auf externe Spezialisten zur Entwicklung und 55 Prozent zur Durchführung von Tests zurück.