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„Bewerber und Bewerberinnen waren bei uns anfangs etwas kritischer“

Anna Tichonova arbeitet seit April 2020 bei Vivid Money, also bereits zwei Monate vor Launch der Banking App. (Foto: Vivid Money)
Anna Tichonova arbeitet seit April 2020 bei Vivid Money, also bereits zwei Monate vor Launch der Banking App. (Foto: Vivid Money)

Personalwirtschaft: Frau Tichonova, Vivid Money hatte zwei Mitarbeitende, als es im Sommer vergangenen Jahres an den Start ging. Heute arbeiten etwa 130 Menschen in Deutschland für das Unternehmen, europaweit sind es mehr als 350. Wie haben Sie es geschafft, so viele Mitarbeitende einzustellen?

Anna Tichonova: Wir haben uns von Beginn an mit einem standortunabhängigen Profil aufgestellt, also Remote Work angeboten und international nach neuen Mitarbeitenden gesucht. Das bedeutet, dass wir für unser Recruiting einen deutlich größeren Talentpool hatten. Am Anfang hat aber die persönliche Ansprache von Talenten durch Active Sourcing über Kanäle wie LinkedIn und Indeed den größten Erfolg gebracht. Mittlerweile können wir uns zudem auf Empfehlungen von unseren Mitarbeitenden verlassen – das ist besonders positiv.

Wann hat Vivid Money angefangen, HR zu professionalisieren?

Wir haben bereits sehr früh angefangen, Prozesse und Strukturen aufzubauen. Besonders im Fokus standen dabei Prozesse des Recruitings und des Onboardings. Das ist vor allem bei starkem Wachstum wichtig, um Spätfolgen und Komplikationen durch fehlende Abläufe und Standards zu vermeiden. So konnten wir die sogenannten Wachstumsschmerzen bei Scale-ups so gut es geht vermeiden.

Wie groß ist Ihr HR-Team derzeit?

In meinem Team arbeiten sieben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und wir betreuen sowohl Deutschland als auch die Niederlande. Wir haben einen HR-Manager, einen Werkstudenten, zwei Talent Acquisition Manager, einen Junior Recruiter, einen Talent and Development Lead und ein Team Assistent.

Wie gewährleisten Sie ein gelungenes Onboarding bei so vielen neuen Mitarbeitenden?

Wir haben zum Beispiel eine Pre-Onboarding-Phase definiert. Diese beginnt, sobald der Kandidat oder die Kandidatin das Angebot annimmt und legt den Grundstein für einen erfolgreichen ersten Tag. Die Onboarding-Phase beginnt dann mit dem ersten Tag im Unternehmen und endet nach circa drei Monaten im Job. In dieser Zeit absolvieren unsere Mitarbeitenden verschiedene Schulungen, treffen Stakeholder im Unternehmen und werden von ihrem Personalverantwortlichen, einem Mitglied des HR-Teams, einem Onboarding-Buddy und unserem “Vivid Friend”-Helpbot durch den Onboardingprozess geführt. All dies findet sowohl online als auch offline statt, je nachdem von wo aus die Mitarbeitenden zu uns kommen.

Inwiefern ist Personalentwicklung bereits etabliert wo es doch anfangs verstärkt um Personalgewinnung geht?

Dies ist seit Beginn einer unserer Schwerpunkte. Bereits unser sechster Mitarbeiter war deswegen unser “Training Lead”. Der Hauptgrund dafür war die Notwendigkeit, Onboarding und Trainings für unsere Customer Care Teams zu entwickeln, etablieren und zu unterstützen. Wir haben mittlerweile eine Reihe von Onboarding-Modulen entwickelt. Dazu gehören beispielsweise Module aus dem Bereich Einstellungsschulungen für Personalleiter und Schulungen zur kulturellen Kompetenz. Außerdem verfügen unsere Mitarbeitenden über ein Fortbildungsbudget, welches sie eigenständig für Kurse, Seminare und Konferenzen ausgeben können.

Wie lässt sich die Unternehmenskultur trotz starkem Wachstum der Belegschaft beibehalten?

Indem die Kultur aktiv gelebt wird. Während des Einstellungsverfahrens prüfen wir in allen Phasen des Prozesses, ob der Bewerber oder die Bewerberin unsere Werte teilt, und gehen keine Kompromisse ein. Wenn wir der Überzeugung sind, dass unsere Werte nicht geteilt werden, sagen wir freundlich aber bestimmt ab. Darüber hinaus haben wir kurze Kommunikationswege. Unsere Werte und Ziele werden also direkt von unseren Gründern an die Mitarbeitenden weitergegeben, was enorm hilfreich ist.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.