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Eigene Video-Bewerbungs-Lösung: Indeed will One-Stop-Shop werden

In den USA wurden über die Indeed-Plattform schon rund 200.000 Bewerbungsgespräche geführt. (Screenshot: Indeed)
In den USA wurden über die Indeed-Plattform schon rund 200.000 Bewerbungsgespräche geführt. (Screenshot: Indeed)

Indeed baut sein Angebot aus: Ab Juli führt die Jobplattform eine eigene Video-Lösung für Bewerbungsgespräche ein und möchte auf diesem Wege zur One-Stop-Shop-Lösung für rekrutierende Unternehmen werden. Denn auch schon die Anbahnung des Erstgesprächs soll auf der Plattform passieren. Dazu wird es die Möglichkeit geben, anhand von Screeningfragen die Bewerberinnen und Bewerber auszusortieren, die nicht die Voraussetzungen erfüllen. “Das ist etwas, das Recruitern oft Zeit raubt, aber wenig Wertschätzung bringt”, sagt Tim Verhoeven, Recruitment Evangelist bei Indeed. Und das in vielen Fällen, etwa bei der Arbeitserlaubnis, nötigen Zeugnissen oder Führerscheinen, auch einfach zu automatisieren ist. Ebenfalls automatisiert ist die Terminabsprache für das Bewerbungsgespräch. “Die Unternehmen geben mögliche Interviewslots vor, und wir matchen das dann mit den Terminwünschen der Bewerber, die die Screeningfragen erfolgreich beantwortet haben.” So sollen Recruiterinnen und Recruiter mehr Zeit für wichtigere Dinge bekommen, sagt Verhoeven – etwa Eignungsdiagnostik und die Verbesserung der Candidate Experience.

In den USA ist die “Indeed Recruiting Platform” genannte Software-as-a-Service-Lösung schon länger in Betrieb, rund 200.000 virtuelle Bewerbungsgespräche fanden dort nach Unternehmensangaben schon statt. Die Anforderungen von Kunden in Deutschland seien aber sicherlich noch einmal ganz andere, so Verhoeven. So dürfte es in Deutschland in mancher Personalabteilung für Unbehagen sorgen, dass auf der Plattform auf ein Anschreiben bei der Bewerbung verzichtet wird. Das sei aber eine bewusste Entscheidung, sagt Verhoeven. “Schließlich haben zahlreiche Studien gezeigt, dass ein Anschreiben kaum prognostische Relevanz habe.”

Assessment-Screenings sollen integriert werden

Tim Verhoeven, Recruitment Evangelist bei Indeed (Foto: Indeed)
Tim Verhoeven, Recruitment Evangelist bei Indeed (Foto: Indeed)

Weitere Unterschiede liegen etwa in der höheren Mobilnutzung und dem allgemein höheren Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten sowie der völlig anderen Relevanz von Datenschutz hierzulande. “Darauf sind wir aber eingestellt”, wischt Verhoeven Bedenken in dieser Hinsicht beiseite. Schließlich erhebe man auch bislang schon und völlig DSGVO-konform und mit Einwilligung der Nutzer unterschiedliche Bewerberdaten etwa durch die Möglichkeit, den eigenen Lebenslauf hochzuladen und an interessante Unternehmen zu schicken. “Die Themen Datenschutz und zwischenmenschlicher Austausch haben für uns die höchste Priorität. Schließlich entscheidet das Vertrauen der Nutzer über den Erfolg. In unserer Videolösung bieten wir aktuell daher bewusst weder eine Aufnahmefunktion für Echtzeitgespräche noch die zeitversetzte Aufnahme und Speicherung von  Bewerbungsvideos”, sagt er – ganz im Gegensatz zu einigen heute stattdessen für Gespräche genutzten Lösungen wie Zoom, wo eine Aufnahmefunktion von Haus aus eingebaut ist.

Ein Feature aus den USA dürfte aber mittelfristig auch in Deutschland in die Indeed Recruiting Platform integriert werden: Assessment-Screenings, in denen praktische Sachen abgefragt werden. Denn dadurch, dass vorerst ein Screening nur anhand von eindeutigen Fragen nach bestimmten Voraussetzungen möglich ist, könnte die Automatisierung hier schnell an ihre Grenzen kommen. Je intelligenter aber das Screening wird, desto mehr Zeit und Ressourcen können gespart werden – auf beiden Seiten des Recruitment-Prozesses.

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.