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„Viele Recruiter in KMU wissen, dass sie etwas verändern müssen“

Dr. Jens Stief mit verschränkten Armen
Jens Stief, Geschäftsführer, Xing E-Recruiting. Foto: © Xing

Mit einer Mittelstandskampagne nimmt XING E-Recruiting Personaler in KMU außerhalb der Ballungszentren in den Blick. Geschäftsführer Dr. Jens Stief über die Learnings der Offensive, wachsende Recruiting-Nöte jenseits der urbanen Zentren und praktische Tipps für das Employer Branding.

Die Xing-Gruppe zeigt zunehmend Vor-Ort-Präsenz mit Veranstaltungen zu New Work und Recruiting – von der jährlich stattfindenden New Work Experience über regionale New Work Sessions bis hin zu lokalen Meetups. Deutlich wird: Je stärker Linkedin als amerikanischer Player auf den deutschen Markt drängt, desto mehr bewegt sich Xing aktiv auf die Mitglieder zu, nutzt den Vorteil der Nähe und erweitert den Netzwerkgedanken von der digitalen Welt hin zur persönlichen Begegnung. Zuletzt war der Geschäftsbereich Xing E-Recruiting im Rahmen einer Mittelstandskampagne mit Veranstaltungen in Osnabrück und Erfurt präsent – ein klarer Schritt auf die Unternehmen jenseits der urbanen Zentren zu. Wir sprachen mit Dr. Jens Stief, Geschäftsführer Xing E-Recruiting, über Hintergründe und Learnings der Mittelstandskampagne.

Personalwirtschaft: Herr Stief, Sie haben in den letzten Monaten sehr aktiv um kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) jenseits der Ballungsräume geworben, zuletzt zwei Mittelstandsveranstaltungen in Osnabrück und Erfurt absolviert. Jetzt ist Sommerpause. Wie lautet Ihr Zwischenfazit? 

Jens Stief: Die Kampagne ist für uns ein Erfolg. Wir sind auf interessierte Personalverantwortliche von KMU gestoßen, die an der Entwicklung ihrer digitalen Arbeitgeberkommunikation und ihres Recruitings arbeiten wollen. Denn diese Unternehmen, abseits der Ballungsräume, haben immer größere Probleme, dringend benötigte Fachkräfte zu finden. Sie merken, dass die alten Methoden von Passive Recruiting bis Post-and-Pray nicht mehr funktionieren. Hinzu kommt: Wir sind selbst ein mittelständisches Unternehmen und entsprechend nah dran an den Kunden. Andere KMU bei ihrer Transformation zu unterstützen, hat deshalb eine besondere Bedeutung für uns.

Gerade im Recruiting und Employer Branding, so hört man von Beratern, unterscheidet sich der digitale Reifegrad von Unternehmen massiv. Können Sie diesen Eindruck aus Ihrer Kampagne heraus bestätigen?

Ja, beides ist in der Tat unterschiedlich stark ausgeprägt, und es lässt sich auch eine Tendenz beim Einsatz digitaler Tools erkennen. Man kann schon sagen, dass die Hemmschwellen hin zum Digitalen bei Konzernen geringer sind als bei KMU. Das gilt für den Einsatz von Social Media, die digitale Steuerung, die Nachverfolgung und Erfolgsmessung der Kommunikation mit Kandidatinnen und Kandidaten. Zugleich verfügen Konzerne natürlich über deutlich größere Ressourcen für solche Maßnahmen.

Entscheidend ist aber das Mindset, und das hängt nicht ab von der Unternehmensgröße:

Hat das Unternehmen die grundsätzliche Bereitschaft, digitale Tools einzusetzen? Diese Bereitschaft entwickeln immer mehr Unternehmen – weil sie es müssen. Die Not ist inzwischen sehr groß.

Was unterscheidet denn die Personalverantwortlichen, die Sie im Rahmen der Mittelstandskampagne treffen, von denen in Konzernen und urbanen Zentren?

Immer häufiger ihre Herangehensweise an das Thema Employer Branding. Hier sehen wir mancherorts erste Verzahnungen zwischen dem Regional- und Standortmarketing, was sehr sinnvoll ist, weil es eine Interessensüberschneidung gibt. Davon können alle profitieren. Ein gutes Beispiel ist die Region Ostwestfalen-Lippe, wo wir zuletzt gemeinsam mit regionalen Akteuren unsere New Work Sessions veranstaltet haben. Solche Initiativen wollen wir ausbauen. Und: Personalerinnen und Personaler in KMU und jenseits der Ballungszentren bewegen sich noch weniger selbstverständlich im Social Media-Umfeld als Personalerinnen und Personaler in Konzernen. Das spiegelt sich auch darin wider, dass nicht jeder ein Xing-Profil hat.

…was dann ja eine gewisse Schwierigkeit bei der Vermittlung des eigenen Produkts bedeuten dürfte.

Im Gegenteil, es herrscht eine große Lernbereitschaft. Viele Recruiter wissen, dass sie etwas verändern müssen. Wichtig ist, dass wir sie dabei als Partner begleiten und unterstützen – bei der Entwicklung des richtigen Mindsets wie auch beim wirksamen Einsatz der Tools. Ein wichtiger Faktor ist immer das Management: Die Bereitschaft zum Einsatz digitaler Recruiting-Lösungen ist wesentlich höher, wenn die Unternehmensleitung sie aktiv unterstützt und die Nutzung bewusst vorlebt.

Wenn Sie Personaler im KMU, aufgrund ihrer Erfahrung mit der Mittelstandkampagne, drei Tipps für ihr Recruiting geben müssten – welche wären das?

Erstens: Kümmern Sie sich um Ihr Employer Branding, seien Sie authentisch und werben Sie für Ihre Stärken als Arbeitgeber.

Zweitens: Schaffen Sie intern Ressourcen, um Bewerberinnen und Bewerber aktiv ansprechen und über längere Zeit Beziehungen aufbauen zu können.

Drittens ist es wichtig, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gern arbeiten und möglichst nicht über Jobwechsel nachdenken. New Work ist mittlerweile auch in den KMU angekommen.

Xing E-Recruiting
Xing E-Recruiting unterstützt Personalabteilungen bei der Suche und dem Gewinnen geeigneter Kandidaten: vom Employer Branding über die Stellenanzeige über die aktive Ansprache bis hin zu Screening, Pooling und Weiterempfehlung. Die 2012 gegründete Xing-Tochter mit Sitz in Hamburg sorgte allein im Jahr 2017 für 77 Millionen Euro von 188 Millionen Euro Gesamtumsatz innerhalb der Xing-Gruppe.

Ist Chefredakteur der Personalwirtschaft. Er ist unter anderem spezialisiert auf die Themen Organisationsentwicklung, Unternehmenskultur, Innovations- und Veränderungsmanagement.