Jedes fünfte Unternehmen hilft Angestellten bei der Wohnungssuche

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Die Preise auf dem Wohnungsmarkt sorgen aktuell für Schwierigkeiten – auch im Recruiting, denn für den Job umzuziehen, wird zur Herausforderung. Insbesondere junge Menschen wie Azubis könnten das Jobangebot womöglich ablehnen, da sie sich ein Zimmer oder eine Wohnung am Arbeitsort nicht leisten können. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass Mitarbeiterwohnungen hier Abhilfe schaffen können. So haben sich die Unterstützungsangebote von Arbeitgebern seit 2023 verdoppelt. Dennoch ist es nur fast jedes zehnte Unternehmen. Die meisten helfen indirekt, zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Jedes fünfte Unternehmen wird auf diese Art und Weise tätig.

Für die Studie wurden Personalverantwortliche aus insgesamt 826 Unternehmen von Mitte Juli bis Ende August 2025 befragt. Die Unternehmen wurden zufällig aus allen Branchen ausgewählt – den öffentlichen Dienst ausgeschlossen.

Wohnungssuche der Beschäftigten: zunehmende Unterstützung

Die IW-Forscher sehen in Mitarbeiterwohnungen eine gewinnbringende Lösung für Unternehmen und ihre Recruiting-Strategie. Der zunehmende Wohnungsmangel und die steigenden Mietpreise sind nicht nur für ausländische Fachkräfte abschreckend, wenn es darum geht, einzuwandern, sondern auch für Berufseinsteiger.

Die Bedeutung solcher Angebote spiegelt sich in den Zahlen wider: Seit 2023 hat sich der Anteil der Unternehmen, die Beschäftigte direkt beim Wohnen unterstützen, von gut fünf auf rund zehn Prozent erhöht. Solche direkten Maßnahmen umfassen die Vermietung unternehmenseigener Bestände, aber auch durch Partner, wie Wohnungen oder Wohnheime. Indirekte Maßnahmen zur Unterstützung der Mitarbeitenden sind beispielsweise interne Wohnungsbörsen, finanzielle Unterstützung oder das Beauftragen von Maklern. Hier stieg die Zahl von knapp 12 auf 21 Prozent.

Deutsche Tradition: die Werkswohnung

In Deutschland haben die klassischen Werkswohnungen eine lange Tradition. Bereits im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts haben Industriekonzerne in Deutschland ganze Siedlungen für ihre Beschäftigten gebaut. So gab es bereits um 1900 etwa 143.000 Werkswohnungen im Deutschen Reich. Bis 1914 wurden es doppelt so viele. Einige sind heute noch erhalten. So auch die Wohnungen in der denkmalgeschützten Anlage des Eisenbahnsiedlungsvereins in Frankfurt-Nied, wie die F.A.Z. berichtete. Eine bekanntere dürfe die Siemensstadt in Berlin sein.

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen?

Wie auch die IW-Studie zeigt, muss die betriebliche Wohnraumunterstützung nicht automatisch den Bau einer eigenen Wohnanlage bedeuten. Es gibt auch andere Wege. Eine Option ist beispielsweise mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften zu kooperieren, um WGs oder Wohnungen bereitzustellen. Aber auch private Vermieterinnen und Vermieter können mit Unternehmen zusammenarbeiten und für diese Kontingente reservieren.

Es muss aber auch nicht immer Wohnraum selbst bereitgestellt werden. Weitere finanzielle Unterstützungen wie Umzugskostenpauschalen oder temporäre Mietzuschüsse können Beschäftigten bereits helfen. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden Rabatte über Corporate-Benefits-Plattformen an. Dort können auch Rabatte für Möbel und Einrichtungsgegenstände oder günstigere Konditionen bei Umzugsfirmen angeboten werden.

Recruiting: Nicht jede Zielgruppe ist überzeugt

Interessanterweise zeigen die Zahlen, dass die verschiedenen Zielgruppen im Recruiting nicht gleich auf solche Angebote reagieren. Die Forschenden haben sich hier auf dual Studierende, Auszubildende und Fachkräfte fokussiert. Es wäre zu erwarten, dass insbesondere jene Zielgruppen mit niedrigeren Einkommen von solchen Angeboten überzeugt wären. Die Ergebnisse zeichnen hier jedoch ein anderes Bild. So gaben bei der Befragung nur 30 Prozent der Unternehmen an, dass die Rekrutierung von dual Studierenden durch solche Angebote leichter würde. Bei den Auszubildenden waren es 43 Prozent. Was die Bindung der Beschäftigtengruppen angeht, schneiden die dual Studierenden besser ab, denn fast jedes zweite Unternehmen bestätigt, dass diese durch betriebliches Wohnraumengagement erleichtert wird.

Fachkräfte hingegen scheinen besser auf solche Mitarbeiterangebote anzusprechen. Hier gaben 58 Prozent der Unternehmen an, dass die Rekrutierung durch betriebliches Wohnraumengagement leichter würde. Woran das liegt, wird in der Studie nicht geklärt.

Bürokratische Hürden bleiben groß: Nur 4 Prozent planen neue Angebote

Obwohl die Forschenden des IW nun seit einigen Jahren in Folge vermelden, dass Mitarbeiterangebote bezüglich des Wohnraums immer wichtiger würden, agieren deutsche Unternehmen weiterhin verhalten. Die Gründe hierfür sind divers. So hätten viele Unternehmen das nötige Gelände zum Bau von Mitarbeiterwohnungen sogar schon bereitstehen. Das Problem: In reinen Gewerbegebieten ist der Wohnungsbau nicht erlaubt. Hinzu kommen Schwierigkeiten, Kooperationspartner zu finden. Aber auch der hohe finanzielle und organisatorische Aufwand stellt ein Hemmnis dar.

Eine Hauptproblematik bildet jedoch die rechtliche Einordnung. Das sorgt für ungünstige Rahmenbedingungen bei der Anmietung von Objekten, denn es müssen Aspekte wie klassische Wohnraumvermietung, Untervermietung und betriebliche Sozialleistungen beachtet werden. Das geht voraussichtlich mit hohem personellen und finanziellen Aufwand einher. „Vertragsgestaltung, Laufzeiten, Nebenkostenregelungen oder Fragen der Wiedervermietung erfordern in der Regel individuelle Lösungen und verursachen administrativen Aufwand“, schreiben die Autoren der Studie.

Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.