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Trend: Ex-Leiharbeiter wechseln häufiger zu Drittunternehmen

Zwei Aktenordner mit Aufschrift
Laut einer Studie bekommen Leiharbeiter nach ihrem Einsatz häufiger eine Stelle bei einem anderen Betrieb als in ihrer vorigen Firma.
Foto: © Peter Atkins/Fotolia.de

Laut einer Studie finden zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer nach ihrem Einsatz einen Job außerhalb der Zeitarbeit. Dabei zeigt sich neuerdings die Tendenz, dass mehr ehemalige Leiharbeiter von einem Drittunternehmen eingestellt werden als von der bisherigen Einsatzfirma.

Zeitarbeit ist in Deutschland immer stärker verbreitet. Ende des letzten Jahres waren über eine Million Menschen in Deutschland als Zeitarbeitnehmer beschäftigt. Laut offizieller Statistik der Bundesagentur für Arbeit kamen zuletzt mehr als zwei Drittel der eingestellten Zeitarbeitskräfte direkt aus der Arbeitslosigkeit.

Knapp zwei von drei Leiharbeitern finden danach eine Anstellung

Nach dem Einsatz als Leiharbeiter war dieses Jahr rund ein Viertel (25,9 Prozent) arbeitslos. Knapp zwei Drittel (62 Prozent) fanden eine Anstellung außerhalb der Zeitarbeit. Davon wurden 28,9 Prozent von ihrem letzten Einsatzunternehmen übernommen – der sogenannte Klebeeffekt, über den in den letzten Jahren viel gesprochen wurde. 33,1 Prozent fanden eine Anstellung bei einem anderen Arbeitgeber. Damit zeigt sich seit 2016 eine schrittweise neue Entwicklung: 2016 wurden noch 34 Prozent der Leiharbeiter von ihrem Einsatzbetrieb angestellt, 2017 waren es 29,7 Prozent. In einem Drittunternehmen fanden 2016 erst 29,2 Prozent Arbeit und in 2017 war dies schon bei 31,8 Prozent der Fall. Der Wechsel zu einem anderen Unternehmen ist also inzwischen häufiger als die Folgebeschäftigung beim letzten temporären Arbeitgeber. Das sind Ergebnisse der Arbeitsmarktstudie 2018 im Auftrag von > Orizon. Dafür wurden 2041 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Arbeitnehmer und Arbeitsuchende befragt.

Je länger der Einsatz im Unternehmen, umso höher die Chancen auf Übernahme

Ob ein Leiharbeiter vom Einsatzunternehmen oder von einem anderen Arbeitgeber eingestellt wird, hängt von der Dauer des temporären Arbeitsverhältnisses ab – auch das ist laut Studie ein neuer Trend: Bei Einsatzzeiten bis zu sechs Monaten wechseln die Zeitarbeitnehmer häufiger in ein anderes Unternehmen. Dauert die Arbeitnehmerüberlassung ein halbes Jahr und länger, steigt der Anteil derjenigen, die vom Einsatzunternehmen übernommen werden.

Und was machen jene Zeitarbeitnehmer, die nach Auslaufen des Vertrags nicht übernommen oder arbeitslos werden? Von den in diesem Jahr Befragten machen 6,1 Prozent eine Weiterbildung, 4,6 Prozent wechseln zu einem anderen Zeitarbeitsunternehmen und 1,5 Prozent schließen einen Werkvertrag ab.

Fast jeder Zweite findet nach zwei Wochen einen temporären Job

Die Analyse zeigt außerdem, dass es hierzulande relativ schnell geht, einen Zeitarbeitsjob zu bekommen, zumal die Zahl befristeter Stellen ansteigt. Von den Befragten dieses Jahres haben 46 Prozent bereits nach zwei Wochen Suche eine temporäre Stelle gefunden; weitere 30 Prozent erhielten nach weniger als sechs Wochen eine solche Arbeit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.