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Lücke im MINT-Bereich: Fachkräftemangel wird wieder schlimmer

Die naturwissenschaftlichen Berufe sind eine von vier MINT-Kategorien.
Die naturwissenschaftlichen Berufe sind eine von vier MINT-Kategorien. (Foto: freebird7977 – stock.adobe.com)

Der Fachkräfteengpass in den MINT-Berufen nähert sich laut
einer Bedarfsanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wieder dem
Vorkrisenniveau an. Zu diesen Berufen zählen Fachkräfte in den Bereichen
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unterteilt in 36
Berufskategorien.

Durch den konjunkturellen Einbruch in den ersten Monaten der
Pandemie hatte sich die Nachfrage nach Personen mit einer MINT-Ausbildung zunächst
deutlich verringert, wodurch es auch weniger unbesetzte Stellen gab. Die Arbeitskräftelücke
verkleinerte sich daher, allerdings nur bis zum September 2020. Zu diesem
Zeitpunkt betrug sie nur noch 45,9 Prozent des langjährigen durchschnittlichen
Septemberwertes, lag also nur nach bei gut der Hälfte.

Wie die neue IW-Bedarfsanalyse nun zeigt, bestand im April
2021 eine Arbeitskräftelücke in Höhe von 145.100 Personen, fast 40.000 mehr als
im September 2020 und knapp 68 Prozent des langjährigen April-Durchschnittswertes.
Bei den akademischen MINT-Berufen befindet sich der ungedeckte Bedarf an
Arbeitskräften mit 91 Prozent beinahe vollständig auf Vorkrisenniveau. Der
größte Engpass zeigt sich in den Energie- und Elektroberufen mit 48.200, in den
Bauberufen mit 31.000 und den IT-Berufen mit 29.000 fehlenden Arbeitskräften.

Zukünftige
strukturelle Hürden verschärfen den MINT-Engpass

Zusätzlich zur absehbaren konjunkturellen Erholung kommen
strukturelle Effekte auf den MINT-Arbeitsmarkt zu. Zum einen wird der
demographische Wandel das Personalangebot bremsen. Bis 2030 werden jährlich
330.000 Facharbeiter und Fachakademiker altersbedingt ausscheiden. Die Zahl der
Berufseinsteiger wird diesen Ersatzbedarf nach aktueller Einschätzung nicht
decken.

Ein verringerter Nachwuchs an MINT-Berufseinsteigern wird
laut IW-Analyse zum Beispiel dadurch bestehen, dass von Seiten der Hochschulen vermehrt
Studienabbrüche zu befürchten sind. Gründe dafür sind Unsicherheiten durch
abgesagte Praktika und Probleme bei der Studienfinanzierung. Im Jahr 2020 nahm
auch die Anzahl an Bildungsausländern ab, die für ein Studium nach Deutschland
kommen. In den MINT-Fächern sei dieser Anteil aller Studierenden hoch, sodass
die Gesamtzahl der Studierenden im ersten Hochschulsemester stark
zurückgegangen ist.

Zum anderen deuten die Digitalisierung und neuen Klimaziele daraufhin,
dass die Unternehmen in erheblichem Umfang zusätzliches Fachpersonal benötigen.
Eine von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Kurzstudie
ermittelte, dass bis 2030 circa 450.000 Fachkräfte dafür benötigt werden, den
hochgerechneten Investitionsbedarf für eine klimaneutrale Neuaufstellung der
großen Wirtschaftssektoren umzusetzen.

Das IW empfiehlt die Digitalisierung der
Bildungseinrichtungen voranzubringen, die MINT-Bildung an Schulen zu stärken
sowie mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen.

Der MINT-Frühjahrsreport
2021
ist auf der Website des IW Köln einsehbar.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.