Geopolitische Entwicklungen, die Transformation ganzer Industriezweige und die KI-Revolution sorgen seit einiger Zeit für raue See auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Der Wetterwechsel ist vergleichsweise frisch: Noch vor wenigen Jahren hatten sowohl Absolventen als auch erfahrene Kräfte in sehr vielen Branchen praktisch freie Wahl, wo und wie sie arbeiten wollen. Gut ausgebildete Menschen konnten vielerorts die Konditionen ihrer Arbeitsverträge fröhlich diktieren. Inzwischen hat sich der Wind gedreht, aus dem Arbeitnehmermarkt ist vielfach ein Arbeitgebermarkt geworden.
Gerade für den Berufseinstieg ist die Zahl der Ausschreibungen drastisch zurückgegangen. Kaum eine Nachwuchskraft wird heute noch im Vorstellungsgespräch nach einer Vier-Tage-Woche oder dem ersten möglichen Zeitpunkt für ein Sabbatical fragen. Die Situation wirkt sich auf die HR-Community aus: Wo weniger Mitarbeitende gesucht und eingestellt werden, braucht es auch weniger Employer-Branding-Spezialisten und weniger Recruiterinnen und Recruiter. Gerade die Arbeit im Recruiting ist jedoch häufig die Einstiegstätigkeit in der HR-Welt.
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Anders ist die Situation im Handwerk – dort werden Fachkräfte noch immer gesucht. Zahlreiche Ausbildungsplätze und Stellen bleiben über längere Zeit unbesetzt. Das mag auch daran liegen, dass gerade kleinere Unternehmen nur selten systematisches Recruiting betreiben. Eine Ausnahme stellen wir hier vor: Die Builtech-Group, ein Zusammenschluss von mehr als 50 Handwerksbetrieben, hat das Recruiting zentralisiert und professionalisiert.
Angesichts der volatilen Bedingungen der Gegenwart ist eine „Wettervorhersage“ für die künftige Beschäftigungssituation schwierig. Allerdings sind bestimmte Parameter so sicher wie die Existenz des Klimawandels: die Lücke, die das Abmustern der Boomer-Generation in den Arbeitsmarkt reißt und die Notwendigkeit, auch im KI-Zeitalter gut ausgebildete, kritische und kreative Nachwuchskräfte zu gewinnen. Und: Die Gewissheit, dass HR nach wie vor wichtig ist, um die Mannschaften, die jetzt in den Unternehmen an Bord sind, so gut wie möglich durch die rauen Bedingungen der heutigen Arbeitswelt zu steuern.
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Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Forschung & Lehre sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.

