Update vom 13. Februar 2026: im Herbst 2025 hatte Burda angekündigt, Kununu zu verkaufen. Bisher ist dies aber noch nicht geschehen. Doch Neues von der Arbeitgeberbewertungsplattform gibt es trotzdem. Kununu will nun anscheinend in den Stellenvermittlungsmarkt expandieren. Das zumindest sagte die Chefin, Nina Zimmermann, kürzlich in einem Interview. Genauere Angaben zu den Plänen machte sie nicht.
Die Plattform wurde seit Dezember 2025 – nach allem, was bekannt ist – aus der New Work SE, die unter anderem Marken wie Xing hält, ausgegliedert und steht derzeit offenbar vor einer ungewissen Zukunft. Gleichzeitig, so Zimmermann im Gespräch mit der F.A.Z. sei und bleibe man „relevant, weil wir Transparenz in den Markt bringen. Wir nehmen die Arbeitgeberseite ernst, aber wir werden immer eher eine Tendenz zu unseren Nutzern haben“. Damit deutet sie an, dass Kununu wohl nicht an einem neuen Monetarisierungsmodell arbeitet, das sich an Arbeitgeber richtet.
Denn laut Zimmermann berühren die eigenen Monetarisierungsmodelle „nicht den Inhalt. Unternehmen können keine Bewertungen oder Rankings bei uns kaufen oder durch Geld das Löschen von Beiträgen erwirken“. Auf die Frage, wie man bei Kununu mit etablierten Jobbörsen mithalten wolle, verwies Zimmermann unter anderem auf eigene Daten. Wettbewerber könnten „nicht die gleichen Informationen über Arbeitgeber liefern wie wir“.
Zudem, so die CEO, könne man Unternehmen sagen, wie marktfähig ihre Gehälter seien und „wie sie gegenüber anderen Branchen oder Standorten dastehen“. Gleiches gelte für die Mitarbeiterzufriedenheit“ und die Frage „wo man deshalb eventuell Talente weglotsen kann.“ Die Möglichkeiten seien „riesig“.
Update vom 2. Februar 2026: Die New Work SE ist anscheinend mit dem geplanten Verkauf von Kununu noch nicht weitergekommen – das berichtet das Handelsblatt.
Update vom 14. November 2025: Die Gerüchte um einen Verkauf von Kununu nehmen Gestalt an. Unserer Redaktion liegt ein Schreiben vor, in dem die New Work SE – Teil der Hubert Burda Media – die Nutzer und Nutzerinnen von Kununu darüber informiert, dass die Arbeitgeberbewertungsplattform ab dem 1. Dezember 2025 losgelöst als eigenständiges Unternehmen agieren wird. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Inwiefern beziehungsweise wie lange die Kununu GmbH dann noch zu Burda gehören wird, ist unklar. Losgelöst von der New Work SE und somit von XING ergibt sich künftig jedenfalls die Gelegenheit, näher an LinkedIn heranzurücken, denn „die fehlende Verbindung von Kununu mit LinkedIn“ stört beispielsweise HR-Expertin Veronika Birkheim schon länger.
Ursprüngliche Meldung vom 16. Oktober 2025:
Der Burda-Konzern steht offenbar davor, die erst jüngst erworbene Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu wieder zu veräußern. Das geht aus Medienberichten hervor.
Wie zuerst das Handelsblatt meldete, will Burda den im Zuge der New Work (vormals XING)-Übernahme akquirierten Glassdoor-Wettbewerber verkaufen. Dies habe man von drei Insidern aus Finanzkreisen erfahren. Ein Closing – also ein Abschluss der (gesellschaftsrechtlichen) Transaktion – soll demnach im ersten Quartal 2026 erfolgen.
Auch das Manager-Magazin berichtete: Im „Verborgenen“ werde ein Käufer für das Bewertungsportal gesucht. Es seien bereits mehrere Interessenten angesprochen worden, habe man von einer mit der Materie vertrauten Person erfahren. Was die Höhe der im Raum stehenden Summen für den Deal angeht, spricht das Handelsblatt von 500 Millionen Euro.
Wer ist Kununu?
Die Plattform Kununu (Swahili für „unbeschriebenes Blatt“) wurde 2007 von Mark und Martin Poreda gegründet und erlaubt es Beschäftigten, Arbeitgeber und die in Unternehmen vorzufindenden Arbeitsbedingungen zu bewerten und auch Informationen zum dortigen Gehalt zu teilen. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt das Unternehmen etwa 230 Mitarbeitende die am Hauptsitz in Wien sowie in Porto, Berlin und Hamburg arbeiten.
Das Geschäftsmodell der Plattform, die seit 2013 zu New Work gehört, basiert vor allem auf dem Verkauf kostenpflichtige Profile an Unternehmen, mit denen diese ihre Sichtbarkeit erhöhen und sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren können. Ein entsprechendes Employer-Branding-Profil kostet derzeit in der Basisversion monatlich 408 Euro und mit Zusatzfunktionen 499 Euro. Je nach Unternehmensgröße gibt es weitere Modelle.
Burda hatte New Work über seine Tochter Burda Digital SE nach Abschluss eines sogenannten Squeeze-out-Verfahrens – also einer Bar-Abfindung von Minderheitsaktionären – erst im Juni 2025 vollständig übernommen. Papiere der zuvor börsennotierten Unternehmensgruppe um Xing und Kununu waren dabei bereits seit August 2024 nicht mehr im regulierten Markt handelbar gewesen.
Reaktionen und Einschätzungen
Während Burda, New Work oder Kununu selbst sich bislang nicht öffentlich zu etwaigen Verkaufsambitionen äußern wollen, sorgt die Meldung in HR-Kreisen gleichwohl für Resonanz. So sagte Wolfgang Brickwedde, Leiter des Institute for Competitive Recruiting (ICR), auf Anfrage unserer Redaktion, dass Burda Kununu „offenbar so kurz nach der Übernahme wieder verkaufen will“, sei für ihn „strategisch ein großer Fehler“.
Zur Begründung verweist er dabei vor allem auf die zunehmende Digitalisierung und technische Entwicklungen im Bereich Mitarbeitergewinnung: „Die Jobsuche“, so Brickwedde, verlagere sich „rasant in Richtung ChatGPT & Co.“. Kununu werde so „zu einem der wichtigsten Datenlieferanten für KI-gestützte Arbeitgeberempfehlungen“.
Auch andere Fachleute gehen davon aus, dass die KI-Entwicklung klassische Job-Börsen unter Druck setzt und letztlich in Frage stellt. Demgegenüber würden Bewertungen im Netz weiterhin eine Rolle spielen. Und diese lieferten Plattformen wie Kununu oder – vor allem im anglo-amerikanischen Raum – Glassdoor.
Sollte es zu einem Verkauf kommen, gebe Burda damit aus Sicht von Brickwedde „ein Asset aus der Hand, das in der kommenden Ära der generativen Jobsuche zum zentralen europäischen Reputationsanker für Arbeitgeber hätte werden können. Ein Käufer, der das erkennt, macht wahrscheinlich ein Schnäppchen“.
Wer sich Kununu einmal genauer anschaut, erkennt, dass hier in der Tat ein recht großer Datenschatz vorliegt. Kununu hat eigenen Angaben nach mittlerweile mehr als 14 Millionen Insights (Arbeitgeberbewertungen) – Daten, die sich gut monetarisieren lassen könnten.
So könnten mit den Daten Wettbewerbsanalysen für Arbeitgeber angeboten werden oder eine Übersicht an Gehaltsstrukturen von Konkurrenzunternehmen. Beides Analysen, die HR gut für’s Employer Branding verwenden könnte.
Dieser Artikel wurde am 16. Oktober 2025 veröffentlicht und zuletzt am 13. Februar 2026 aufgrund neuer Erkenntnisse aktualisiert.
