Es scheint ein Paradox zu sein: Zum einen arbeiten immer mehr Menschen im öffentlichen Dienst, zum anderen beklagen sich die Behörden über Personalmangel. In einem aktuellen Bericht stellt das IW die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen im öffentlichen Dienst vor. So sei die Anzahl der Beschäftigten – sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmende sowie Beamte und Beamtinnen – innerhalb von zehn Jahren um insgesamt 14 Prozent gestiegen. Am stärksten fiel der Zuwachs bei den Kommunen aus. Von dem Zuwachs entfallen lediglich zwei Prozent (12.000 Beschäftigte) auf den Bund, während 44 Prozent (257.000 Beschäftigte) auf die Länder und 54 Prozent (315.000 Beschäftigte) auf die Kommunen entfällt, zitiert das Forschungsinstitut das statistische Bundesamt.
Dennoch bestehe insbesondere in der Kommunalverwaltung sowie in Schulen und Kindertagesstätten ein großer Personalmangel. Auch Polizei und Steuerverwaltung leiden offenbar. Und das, obwohl für die Öffentliche Sicherheit und Ordnung auf allen Ebenen im Jahr 2022 deutlich mehr Beschäftigte verantwortlich waren als zehn Jahre zuvor. Der Stellenzuwachs bei Bund (plus 19.000 oder 39 Prozent) und Ländern (plus 28.000 oder zehn Prozent) geht laut statistischem Bundesamt größtenteils auf die Polizei zurück. Gleichzeitig häufen sich offenbar sogenannte Überlastungsanzeigen, vor allem im Bildungsbereich, meldet auch der Verband Bildung und Erziehung.
Auch Reformen spielen eine Rolle
Wie passen diese Zahlen zusammen? „Ein Grund für den Mangel könnte der Bevölkerungszuwachs sein, der im Untersuchungszeitraum gut fünf Prozent betrug“, heißt es in dem IW-Bericht. Auch Reformen etwa in der Sozial- und Steuerpolitik, die mit erhöhtem Verwaltungsaufwand einhergingen, könnten eine Rolle spielen. Eine zentrale Frage sei vor diesem Hintergrund die Entwicklung in den einzelnen Aufgabenbereichen des öffentlichen Dienstes. Dabei zeige sich, dass trotz einer steigenden Anzahl an Abgängen in den Ruhestand zwar in den meisten, aber nicht in allen Bereichen mehr Personen als vor zehn Jahren arbeiten.
Heterogenes Bild und unterschiedliche Trends
Die Personalstatistik im öffentlichen Dienst zeige ein sehr heterogenes Bild mit unterschiedlichen Trends. Der allgemeine Anstieg der Mitarbeiterzahl sei laut IW vor allem auf veränderte Bedarfe bei der Kinderbetreuung, im Bildungswesen, bei Gesundheit und Öffentlicher Sicherheit zurückzuführen.
„Eine Bewertung der Personalentwicklung im öffentlichen Dienst erfordert folglich mindestens eine Differenzierung nach Aufgabenbereichen. Während die Bedarfe in vielen Aufgabenfeldern weiterhin groß sind, sollte die Politik gleichzeitig auf Effizienzgewinne im Zuge der Digitalisierung hinarbeiten“, fordert das IW. Der dadurch gewonnene Handlungsspielraum könne genutzt werden, um offene Bedarfe zu reduzieren und übermäßigen Personalabbau beispielsweise in für die Infrastruktur wichtigen Ämtern zu korrigieren.
Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

