Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Krisenfolge: 2,3 Arbeitslose pro offene Stelle

Jobsuche in Krisenzeiten
In der Corona-Krise übersteigt besonders das Angebot für Helfertätigkeiten die Nachfrage der Unternehmen. Foto: © Andrey Popov-stock.adobe.com

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008/2009 ist das Verhältnis von Arbeitslosen zu offenen Stellen wieder deutlich gestiegen. Während sich die Aussichten für Jobsuchende im letzten Jahr verschlechtert haben, hat sich der Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen etwas entspannt. Das zeigt die aktuelle Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In die Analyse einbezogen wurde das gesamte Angebot an Stellen, auch jener Jobs, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden.

Helfertätigkeiten: 6,5 Arbeitslose kommen auf eine freie Stelle

Ende 2019, vor der Corona-Krise, kamen hierzulande 1,6 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Im vierten Quartal 2020 waren es 2,3 Arbeitslose – das entspricht einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent. Am größten fällt die Differenz bei Helfertätigkeiten aus: Auf eine offene Stelle entfielen Ende des letzten Jahres 6,5 Arbeitslose. Zum Vergleich: Im letzten Quartal 2019 betrug die Relation noch eins zu 3,9, das macht einen Zuwachs von 67 Prozent aus. Weniger dramatisch hat sich die Situation für Fachkräfte mit einem beruflichen oder akademischem Abschluss entwickelt: Hier standen Ende des vergangenen Jahres 1,3 Arbeitskose einer freien Stelle gegenüber. Im letzten Quartal 2019 kam noch ein Arbeitsloser auf eine Vakanz. Die leichte Zunahme ist laut IAB auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und zugleich auf einen Rückgang der offenen Stellen zurückzuführen.

Entwicklung kommt Unternehmen zugute

Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt zu Ungunsten der Jobsuchenden und zugunsten der Unternehmen entwickelt. Während 2019 zum Beispiel noch 43 Prozent der Betriebe bei Neueinstellungen über Besetzungsschwierigkeiten klagten, gab dies im letzten Jahr nur noch rund jedes dritte Unternehmen an. Auch berichten die befragten Arbeitgeber von kürzeren Vakanzzeiten; auch das gilt insbesondere für Helfertätigkeiten. Außerdem brauchen die Unternehmen laut Befragung weniger Kompromisse bei der Entlohnung einzugehen. Vor der Krise mussten die Arbeitgeber bei der Kandidatensuche noch um bereits beschäftigte Mitarbeiter anderer Unternehmen konkurrieren; dieser Trend hat sich im letzten Jahr nicht fortgesetzt.

Nicht alle Unternehmen berichten von günstigeren Bedingungen

Nichtsdestotrotz haben die befragten Unternehmen immer noch Rekrutierungsprobleme bei einem beträchtlichen Teil der geplanten Neueinstellungen und müssen infolgedessen Zugeständnisse machen. Dazu kommt, dass sich die günstigeren Bedingungen nicht auf alle Betriebe gleichermaßen auswirken: Vor allem Unternehmen aus Branchen mit einem hohen Anteil an Kurzarbeit verzeichneten einen Rückgang der Stellenbesetzungen, so das IAB.

Nach Einschätzung des Instituts hängt es entscheidend von der Erholung des Arbeitsmarkts ab, ob und wie lange die dennoch insgesamt entspannte Rekrutierungssituation für Unternehmen anhalten wird. Was Helfertätigkeiten betrifft, werde die Lage mit zunehmender Langzeitarbeitslosigkeit vermutlich länger bestehen bleiben als für Fachkräfte, vermutet das IAB.

Welche Folgen es für die Bundesbürger, die deutsche Gesellschaft und die Gesamtwirtschaft haben wird, wenn die Arbeitslosigkeit bei Menschen ohne beruflichen Abschluss weiter ansteigt, ist eine andere Frage, zumal ein Ende der Krise noch nicht absehbar ist und viele kleine und mittelständische Unternehmen, die das Herz der Wirtschaft ausmachen, in die Insolvenz rutschen könnten.

Ein Kurzbericht zu den Studienergebnissen steht > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.