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Future Talents Report 2021: Qualität der Praktika leidet nicht

Praktikantin im Homeoffice
Praktikanten müssen sich in der Corona-Krise oft im Homeoffice Berufserfahrung aneignen. Foto: © nenetus-stock.adobe.com

Bereits zum elften Mal veröffentlicht Clevis seinen “Future Talents Report”, Deutschlands größte Praktikanten-Studie. Sie zeigt, dass die Krise für Praktikanten große Herausforderungen mit sich brachte, vor allem durch die Arbeit im Homeoffice. Trotzdem kam die Mehrheit der jungen Menschen gut klar und war mit den Arbeitsbedingungen zufrieden. Ein Grund dafür könnte laut Studie sein, dass die Praktikanten froh waren, in schwierigen Zeiten überhaupt eine Stelle bekommen zu haben. Und es ist davon auszugehen, dass sie sich dessen bewusst waren, dass die Situation auch für die Unternehmen selbst neu und schwierig war.

Die junge Generation hat ihre Erwartungen an die Umstände angepasst

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass sich die Erwartungen der jungen Menschen an ihr Praktikum weniger erfüllt haben als 2019. Das wirkte sich aber nicht auf die Zufriedenheit aus – im Gegenteil: Im letzten Jahr waren die Future Talents mit ihrem Praktikum sogar zufriedener und würden es auch eher weiterempfehlen. Laut Studie erklärt sich dies damit, dass die Praktikanten ihre Erwartungen korrigiert haben oder wegen Corona korrigieren mussten. Gleichzeitig hatten die Teilnehmer das Gefühl, während ihres Praktikums mehr zu lernen als sie zu Nicht-Corona-Zeiten gelernt hätten.

Weniger Angebote für freiwillige Praktika in der Krise

Für den Report hat Clevis von Juli bis Dezember des vergangenen Jahres 3.199 Teilnehmer zu ihren Praktikumserfahrungen befragt. 41 Prozent hatten Abitur, 38 Prozent einen Bachelor- und sechs Prozent einen Master-Abschluss. Fast jeder Dritte studierte BWL. Die Teilnehmerzahl war um 30 Prozent geringer als im Vorjahr, aber auch die Zahl der angebotenen Praktika auf Online-Jobbörsen nahm zwischen März und Dezember 2020 um 13 Prozent ab. 58 Prozent der künftigen Fachkräfte machten Pflichtpraktika. In der Krise scheinen Unternehmen aufgrund der unsicheren Perspektiven weniger häufig freiwillige Praktika anzubieten.

Zwei von drei Praktikanten waren im Homeoffice

Der wohl größte Unterschied zu normalen Bedingungen war, dass fast zwei Drittel der Praktikanten im Homeoffice arbeiteten. Zwölf Monate zuvor war erst gut ein Viertel (27 Prozent) von zu Hause aus tätig. Mit mehr als 80 Prozent war der Anteil der Remote Worker in den Branchen Chemie, E-Technik und IT am  höchsten. Am zweitniedrigsten fiel er naturgemäß im Baugewerbe aus. Erstaunlich ist jedoch, dass der Anteil der Heimarbeiter in der Öffentlichen Verwaltung mit nur 18 Prozent noch geringer war. Über die Gründe können die Studienersteller nur spekulieren, vielleicht ist die Digitalisierung dort noch nicht so weit fortgeschritten, dass ortsunabhängiges Arbeiten problemlos möglich ist.

Onboarding auch in Corona-Zeiten

Immerhin führten 95 Prozent der Arbeitgeber – und damit fast so viele wie 2019 – ein Onboarding für ihre Praktikanten durch, ob in der Firma oder im Homeoffice. Der Anteil derer, die eine klassische Einarbeitung erhielten, ging von drei Viertel (75 Prozent) auf rund zwei Drittel (68 Prozent) zurück. Vorstellungsrunden gab es noch für 61 Prozent gegenüber 70 Prozent im Jahr davor. Aufgrund der Beschränkungen wurden Maßnahmen, bei denen es um direkte persönliche Interaktion geht, seltener durchgeführt. Laut Studie kam die soziale Interaktion generell zu kurz. Die Autoren sind jedoch der Ansicht, dass sie genauso durch digitale Formate – etwa Team- oder Projekt-Talks – ermöglicht werden kann.

Die meisten Befragten sind mit ihrem Praktikum und der Kommunikation zufrieden

Auch wenn sich die Praktikanten überwiegend per räumlicher Distanz zum Unternehmen ihr Job-Erfahrungen aneigneten, ist mit 84 Prozent die Mehrheit mit dem Praktikum zufrieden. 82 Prozent gaben an, es weiterempfehlen zu können. Die Qualität ihres Arbeitgebers bewerteten die Befragten auf einer Skala von eins (schwach) bis fünf (sehr gut) mit durchschnittlich 4,1. Die Beurteilung der Kommunikation mit dem Arbeitgeber verbesserte sich sogar von 3,7 auf 3,9. Die Kommunikation im Team schnitt mit 4,3 noch besser ab und erhielt ebenfalls mehr Zustimmung gegenüber dem Vorjahr (4,1). Im Schnitt gaben die Befragten ihren Führungskräften die Schulnote “gut”. Die Feedback-Kultur kam auf einen Wert von 4,1.

In Sachen Digitalisierung konnten Unternehmen beim Nachwuchs punkten

Viele Unternehmen waren durch die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice gezwungen, die Digitalisierung voranzutreiben. Nun zeige sich, so die Studie, wie gut sie die digitale Zusammenarbeit beherrschen. Für die Praktikantengeneration ist digitale Kommunikation selbstverständlich, daher ist zu vermuten, dass sie diesbezüglich höhere Ansprüche an Arbeitgeber hat. Diese Erwartungen wurden aber offenbar erfüllt: Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Unternehmen hier einen guten Job gemacht haben und bei den Future Talents punkten konnten, was die Kommunikation betrifft. Es zeige sich, dass digitale Kommunikation kein Hindernis ist, wenn sie richtig angegangen wird, sondern Fortschritt und Chance. Zumindest bei der jungen, ohnehin digital-affinen Generation dürfte diese Botschaft ankommen.

Zufriedener mit der Work Life Balance, unzufriedener mit der Bezahlung

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Zufriedenheit der Praktikanten mit der Work Life-Balance im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Die Vermutung liegt nahe, dass die Arbeit im Homeoffice und damit wegfallende Arbeitswege und eine höhere Flexibilität dazu beitragen. In einem Punkt ist die Zufriedenheit jedoch gesunken: Obwohl das durchschnittliche Praktikantengehalt wie in den Vorjahren leicht gestiegen ist, 1.028 auf 1.053 Euro, nahm der Zufriedenheitsindex von 4,5 auf 3,9 ab. Zu den Gründen sagt die Studie nichts, aber vielleicht könnten Preiserhöhungen und/oder die ungewisse Wirtschaftsituation als Erklärungen infrage kommen.

Die besten Arbeitgeber und Branchen für Nachwuchskräfte

Im Zuge der Befragung ermittelte Clevis auch die besten Arbeitgeber für den Nachwuchs. Die Top-Ten sind die Kindernothilfe, Dr. Oetker, Texas Instruments, die Deutsche Telekom, Würth Industrie Service, Adidas, Bayer, ZEB, Dräger und Knorr-Bremse. Zusätzlich wurden die Branchen mit der besten Arbeitsqualität gekürt. Auf Platz eins kam die Elektrotechnik, gefolgt von Feinmechanik & Optik, Immobilien, Vereinen, NGOs & sozialen Diensten, Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfung & Recht, Chemie, Baugewerbe/-industrie, Konsum- & Gebrauchsgüter, IT, Internet & Telekommunikation, Maschinen- & Anlagenbau sowie Transport & Logistik.

Detaillierte Studienergebnisse gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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