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Social Media: digitaler Fußabdruck kann Berufstätigen schaden

Unzählige Menschen sind in sozialen Medien unterwegs und hinterlassen dort ihren digitalen Fußabdruck. Dabei ist einigen Nutzern durchaus bewusst, dass sich bestimmte Posts negativ auf ihr Berufsleben auswirken können, sollte ihr – vor allem auch potenzieller – Arbeitgeber oder auch Teammitglieder davon erfahren.

Vorsicht bei Posts zu bestimmten sensiblen Themen im Internet

Eine aktuelle Umfrage von Kaspersky zeigt, dass Äußerungen in sozialen Medien ungünstige Folgen für die Karriere haben können. An der Studie „The right to be forgotten“ des Unternehmens für Cybersicherheit nahmen mehr als 8.500 Menschen ab 16 Jahren aus elf europäischen Ländern teil, darunter Deutschland. Einige Themen gelten als besonders kritisch.

So denken zum Beispiel länderübergreifend fast vier von zehn Befragten (38 Prozent), dass sich Posts, die als abwertend gegenüber Menschen mit Behinderung angesehen werden können, potenziell am negativsten auf die Berufsaussichten auswirken. Rund ein Drittel (34 Prozent) ist der Meinung, dass das Teilen von Beiträgen, die sich kritisch zur Covid-Impfung äußern, ihre Karrierechancen beeinträchtigen könnte. Fast genauso viele (32 Prozent) gehen davon aus, dass negative Posts über Trans-Themen solche Folgen mit sich ziehen können. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) wäre es unangenehm, dem Unternehmen den eigenen digitalen Fußabdruck komplett offenlegen zu müssen. Auch denken 39 Prozent, dass sich eine vollständige Offenlegung der eigenen Internet-Historie bei zukünftigen Bewerbungen ungünstig auswirken könnte.

Für fast jeden Dritten hatten Posts in sozialen Medien negative berufliche Folgen

Die Studie zeigt, dass die Sorge vor beruflichen Nachteilen nicht nur rein theoretisch besteht: Knapp drei von zehn Befragten in Deutschland (29 Prozent) geben an, dass sie aufgrund einer Äußerung in sozialen Medien schon einmal nachteilige Folgen im Job zu spüren bekommen haben. Dabei haben die Menschen je nach Geschlecht und Alter unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Von den Männern berichten 36 und von den Frauen nur 23 Prozent über negative Auswirkungen auf ihr eigenes Berufsleben. Weitere 38 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen hierzulande kennen jemanden, dem das passiert ist. Von den jüngeren Befragten zwischen 16 und 21 Jahren sagt knapp ein Drittel (32 Prozent), wegen eines Posts Probleme im Job bekommen zu haben, während bei der Altersgruppe ab 35 trotz längerer Berufstätigkeit lediglich ein Viertel betroffen war. Des Weiteren ist von den 16- bis 34-Jährigen 38 Prozent jemand bekannt, der im Unternehmen Probleme bekam; von den Älteren geben dies nur 30 Prozent an.

Eine mögliche Erklärung für die Altersunterschiede könnte sein, dass die Jüngeren aktiver in sozialen Medien sind, dass sich aber auch Unternehmen häufiger als früher dort über die Aktivitäten ihrer Belegschaft umsehen, nicht nur bei Neueinstellungen. Und dass Frauen weniger betroffen sind, liegt vielleicht daran, dass sie sich in sozialen Medien etwas zurückhaltender verhalten als männliche Nutzer.

Auch Kollegen und Kolleginnen sind an Online-Profilen von Neuzugängen interessiert

Was die Rekrutierung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betrifft, so interessieren sich nicht nur die Unternehmen für deren Aktivitäten im Netz, sondern auch Kollegen und Kolleginnen sind neugierig und suchen nach Online-Profilen der Neuzugänge. Dabei haben 37 Prozent der deutschen Befragten Inhalte gefunden, die beeinflussen, wie sie die frisch Eingestellten beurteilen. Auch hier stimmten die Männer mit 42 Prozent und die 16- bis 21-Jährigen mit 41 Prozent häufiger zu als Frauen und Ältere. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ist froh, Social Media in jüngeren Jahren nicht noch stärker genutzt zu haben.

Insgesamt sind sich 37 Prozent der deutschen Befragten unsicher, was das Internet überhaupt alles über sie preisgibt. Auch befürchten 36 Prozent, dass noch alte, vergessene Elemente des eigenen digitalen Fußabdrucks von anderen gefunden werden und sich negativ auf Bewerbungen auswirken könnten. Überdies haben 39 Prozent Angst, dass sogar bereits gelöschte Inhalte, etwa als Screenshot, noch irgendwo offline gespeichert sein und im Job Nachteile mit sich bringen könnten.

„Wir können unserem digitalen Fußabdruck nicht entkommen. Unsere Daten sind ein Teil von uns und bleiben es oft ein Leben lang“,

sagt Christian Milde, Geschäftsführer Central Europe bei Kaspersky.

Bestimmte Informationen sollten nur mit bestimmten Personen geteilt werden – deshalb gelte es, einige Schutzmaßnahmen zu beachten, ergänzt Dr. Michael Littger, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Deutschland sicher im Netz (DsiN). Der Verein empfiehlt, die Voreinstellungen nachzujustieren, um dort Privatschutz und IT-Sicherheit zu erhöhen.

Weitere Ergebnisse der Studie gibt es hier.


Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.