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Gehalt in Stellenanzeigen: Kreiskliniken Reutlingen geben Spanne an

Kathrin Bahnmüller, Leiterin Personal und Recht bei den Kreiskliniken Reutlingen
Kathrin Bahnmüller ist Leiterin Personal und Recht bei den Kreiskliniken Reutlingen. (Foto: Gaby Höss)

“Wir wollen den Bewerberinnen und Bewerbern helfen, eine realistische Einschätzung zu bekommen”, sagt Kathrin Bahnmüller, Leiterin Personal und Recht bei den Kreiskliniken Reutlingen. Deshalb veröffentlichen die Kliniken, die rund 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, seit Mitte März in ihren Stellenanzeigen auch eine Gehaltsspanne.

Nun sind gerade in Krankenhäusern viele Stellen tarifgebunden, dazu zählen auch die medizinischen Fachangestellten, die in der ersten neuen Anzeige gesucht wurden. Theoretisch könnten sich die Bewerberinnen und Bewerber also auch ohne die Angabe dort ein eigenes Bild machen. “In der Praxis haben wir allerdings festgestellt, dass viele im Vorfeld nicht den richtigen Tarifvertrag mit der richtigen Entgelttabelle finden”, sagt Bahnmüller. Es sei gar nicht so leicht, herauszufinden, welcher Tarifvertrag eigentlich einschlägig ist. “Viele landen dann irgendwann in der Pflegetariftabelle, die nur für unsere Mitarbeitenden in der Pflege, nicht jedoch für unsere übrigen Mitarbeitenden gilt.”

Einfachere Verhandlungen

Zu Beginn sind es daher vor allem genau diese tarifgebundenen Stellen, bei denen eine Gehaltsspanne angegeben wird. “Für außertarifliche Führungspositionen ist das in Zukunft aber auch geplant”, sagt Bahnmüller. Hier müsse man noch die genaue Formulierung für die Anzeige entwerfen, insbesondere mit Blick auf die im außertariflichen Bereich relevante Thematik des Gender Pay Gap.

Die Kreiskliniken Reutlingen folgen dabei einem Trend, der unter anderem durch die Ankündigung von Stepstone verstärkt wurde, bei allen Stellenanzeigen eine (im Zweifelsfall von der Jobplattform generierte) Gehaltsspanne anzugeben. Dass das von den Bewerbern – und den Jobsuchmaschinen – goutiert wird, überzeugte auch Bahnmüller. Und auch für Unternehmen habe das Ganze Vorteile: “Wenn man als Arbeitgeber von Anfang an klarmacht, welches Gehalt bezahlt wird, dann gibt es auch keine bösen Überraschungen”, sagt die Personalerin. “Zudem ist der Einstieg in Gehaltsverhandlungen – schließlich gibt es auch in tarifgebundenen Bereichen Spielräume – einfacher, wenn die Gehaltsspanne klar ist. Das gilt für beide Seiten.”

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.