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Bereinigter Gender Pay Gap geht leicht zurück

Zwei Ärzte, weiblich und männlich, sie halten Geldscheine in der Hand, der Mann schaut etwas bedauernd auf die unzufrieden blickende Frau
In besser bezahlten Jobs im Gesundheitswesen verdienen Männer 10,4 Prozent mehr als ihre Kolleginnen.
Foto: © Светлана Наклейщиков/Fotolia.de

Hierzulande verdienen Männer im Durchschnitt 47 928 Euro brutto pro Jahr, während Frauen nur auf 35 235 Euro kommen, das sind 26,5 Prozent weniger. Bei Mitarbeitern ohne Personalverantwortung beträgt die Differenz 22,7 Prozent, bei Berufstätigen mit Personalverantwortung 20,9 Prozent. Dabei handelt es sich jedoch um die unbereinigte Lohnlücke, die Ausbildung, Beruf, Qualifikation, Berufserfahrung und andere Faktoren nicht berücksichtigt. Beim bereinigten Gender Pay Gap werden diese Aspekte mit einbezogen und identische oder sehr ähnliche Stellenprofile miteinander verglichen.

Geschlechtsspezifische Differenz derzeit bei 4,5 Prozent

Der bereinigte Gehaltsunterschied liegt derzeit bei 4,5 Prozent. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die geschlechtsspezifische Lohndifferenz um 0,7 Prozent zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt der “Entgeltmonitor 2018” von Compensation Partner. Für die Studie wurden 219 734 Vergütungsdaten von Fachkräften ausgewertet. Bei der Berechnung der bereinigten Lohnlücke wurden ausschließlich Berufe betrachtet, in denen ausreichend Männer- und Frauengehälter vorlagen und die sich in Bezug auf Angebot und Nachfrage ähnlich verhalten. Die hier berechnete unbereinigte Entgeltlücke fällt höher aus als die, die das Statistische Bundesamt ermittel hat (21 Prozent), denn letztere erfasst nur die Gehälter bis zur Sozialversicherungsgrenze.

Je höher das Gehalt, umso signifikanter der Unterschied

Im Rahmen der Auswertung wurden auch die Anforderungsniveaus der Jobs in zwei unterschiedlichen Gehaltsniveaus berücksichtigt: In der ersten Gruppe von Berufstätigen mit Gehältern zwischen 30 000 und 35 000 Euro ergibt sich ein bereinigter Gender Pay Gap von 1,4 Prozent. Bei der zweiten Gruppe mit Gehältern von 55 000 bis 66 000 Euro beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 7,6 Prozent. Bei Arbeitnehmern mit dem höheren Verdienst ist die Entgeltlücke im Alter zwischen 50 und 59 Jahren mit 7,8 Prozent am größten. In der niedrigeren Verdienstklasse macht der Unterschied für diese Altersgruppe nur 0,5 Prozent aus. Das Gehalt von Frauen über 60 Jahren fällt sogar um 2,8 Prozent höher aus als das von Männern.

Größte Lohndifferenz im Gesundheitswesen

Der Branchenvergleich nach Gehaltsgruppen zeigt, dass der geschlechtsspezifische Lohnunterschied bei den weniger Verdienenden am höchsten in der Softwareentwicklung ist; dort verdienen Männer 7,5 Prozent mehr als ihre weiblichen Kollegen. Es folgen das Versicherungswesen mit 7,3 Prozent und die Metallindustrie mit 5,4 Prozent. Bei den besser Verdienenden sind die Unterschiede signifikanter. Am größten ist die Entgeltlücke im Gesundheitswesen mit 10,4 Prozent. Aber auch in der Logistik (9,9 Prozent) sowie in Werbung und Public Relations (9,8 Prozent) fällt sie recht hoch aus.

In einigen Branchen mit niedrigen Gehältern verdienen Frauen etwas besser

Die Studie zeigt, dass es auch Branchen gibt, in denen Frauen mehr verdienen als Männer. Dies gilt jedoch vor allem für Mitarbeiter in Berufen der niedrigen Gehaltsklasse. So liegt der Lohn von Frauen in der Touristik- und Freizeitindustrie um 5,5 Prozent höher als der der Männer. In der Lebensmittelbranche erhalten Frauen 3,2 Prozent und in der Unternehmensberatung 2,9 Prozent mehr Geld als männliche Beschäftigte. Leicht höhere Gehälter gibt es außerdem in Behörden/öffentlicher Verwaltung (2,2 Prozent), im Energiesektor (1,5 Prozent) sowie im Großhandel (1,3 Prozent).

Die vollständigen Ergebnisse des Entgeltmonitors gibt es > hier als Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.