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Das waren die innovativsten bAV-Projekte 2024

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Für zukunftsweisende Projekte zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) haben sieben Unternehmen den Deutschen bAV-Preis erhalten. In der Kategorie Großunternehmen prämierte eine unabhängige Jury die Deutsche Bank, Evonik Industries, BASF und Lindt & Sprüngli. Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen belegten die Lauterbach Gruppe, die Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke sowie die Avery Dennison Europe Holding die ersten drei Plätze. Die Preisverleihung im Jahr 2025 war bereits die zwölfte in Folge.

„Es ist beeindruckend, wie Großunternehmen die volle Bandbreite der gegebenen Rahmenbedingungen nutzen, um innovative sowie zielgerichtete bAV-Lösungen zu entwickeln“, würdigte die Jury. Doch nicht nur deutsche Großunternehmen konnten mit neuen Innovationen in der bAV überzeugen. „Auch kleine und kleinste Betriebe können ihren Mitarbeitenden eine langfristig tragfähige und substanzielle Altersvorsorge bieten“, betonte Prof. Dr. Martin Werding, Ruhr-Universität Bochum und Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung.

bAV hilft, Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten

Viele Unternehmen hätten erkannt, so schreiben die Initiatoren des Preises in einer Mitteilung, dass die bAV eine immer wichtigere Rolle spiele – sowohl bei der Mitarbeiterbindung als auch im Recruiting. Das liege auch daran, dass mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation der Druck auf das gesetzliche Rentensystem zunehme und somit die bAV gerade für jüngere Talente an Bedeutung gewinne. Viele Unternehmen nutzten daher individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, um attraktive Vorsorgelösungen anzubieten.

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Dr. Thomas Jasper, Westeuropa-Chef des Beratungshauses WTW erklärt: „Flexible Modelle, intelligente Gestaltung, Zuschüsse zur Eigenvorsorge und intelligente Wertentwicklungskonzepte machen die bAV zu einem entscheidenden Vorteil für Unternehmen und Beschäftigte.“ WTW initiierte gemeinsam mit dem Management Center of Competence (MCC), einem Unternehmen für Veranstaltungsmanagement, im Jahr 2013 die Verleihung des bAV-Preises. „Unternehmen, die in eine gut strukturierte bAV investieren, übernehmen nicht nur soziale Verantwortung, sondern stärken auch ihre Wettbewerbsfähigkeit im Kampf um Talente“, sagt Jasper.

Beispiele für eine gut strukturierte baV bieten die Gewinnerprojekte. Um die unterschiedlichen Ausgangssituationen in Großunternehmen und in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) berücksichtigen zu können, wird der deutsche bAV-Preis jährlich in zwei Kategorien verliehen.

Kategorie Großunternehmen

1. Platz: Deutsche Bank: Sozialpartnermodell für Unversorgte

Die Deutsche Bank hat das erste Sozialpartnermodell in der Bankenbranche umgesetzt. Damit richtet sie sich an die Mitarbeitenden in fünf Postbank-Tochtergesellschaften, die bisher über keine bAV verfügten. Um eine breite Teilnahmequote zu erreichen, gilt für das Modell ein Opting-out-Verfahren, das heißt, alle nehmen teil, sofern sie sich nicht aktiv dagegen entscheiden und das Modell abwählen. Das Risiko für den Arbeitgeber wird durch den Pay-and-forget-Ansatz und eine reine Beitragszusage minimiert. Das Resümee der Jury: „In sehr kurzer Zeit wurde eine neuartige, vorbildhafte Zusage effizient und innovativ umgesetzt.“

2. Platz: Evonik Industries: Entgeltumwandlung über ein Stay-in-Modell

Die Einführung des neuen Versorgungsplans für neu eintretende Mitarbeitende zeichnet sich durch eine kapitalmarktorientierte Direktzusage mit Lifecycle-Ansatz aus. Die Entgeltumwandlung erfolgt über ein Matching-System als Stay-in-Modell, also eine vertraglich festgelegte Entgeltumwandlung bei Neueintritt. Die Beiträge können flexibel gestaltet werden, der Arbeitgeber leistet einen Zuschuss. Zudem gibt es eine zusätzliche Risikoabsicherung. Durch die Kapitaldeckung in Verbindung mit einem CTA (Contractual Trust Arrangement), also der Auslagerung der Pensionsverpflichtungen aus der Unternehmensbilanz, wird eine weitgehende Bilanzneutralität gewährleistet. Dadurch entstehe laut Jury „ein absolut durchdachtes ‚State of the Art‘-bAV-Projekt“.

3. Platz: Den dritten Platz teilen sich BASF und die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli

BASF: zielgruppengerechte Kommunikation der bAV

Das Projekt „Extra Money im Alter“ soll dazu beitragen, die bAV trotz ihrer Komplexität den Mitarbeitenden verständlich zu machen. Das Projekt umfasst einen Ansatz, wie zur betrieblichen Altersversorgung bei BASF kommuniziert werden soll. Im Fokus stehen dabei Erläuterungen zu den Fördermöglichkeiten des Tarifvertrags. Um das Interesse der jungen Talente zu wecken, gibt es ein Bewegtbildformat in Jugendsprache . Die Auszubildenden wurden bei der Gestaltung dieses Formats aktiv einbezogen. „Das Projekt bei BASF ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man die Kommunikation der bAV zielgruppengerecht umsetzen kann“, betont die Jury.

Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli: Nutzung des Kapitalmarkts für Mitarbeitende

„Lindt My Pension“ ist ein bAV-Modell, das auf einer beitragsorientierten, wertpapiergebundenen Leistungszusage basiert. Das Unternehmen hat die Kapitalanlage nach einem Lebenszyklusmodell mit einer Beitragsgarantie kombiniert. Dieses neue MOdell ist in der Zusage werthaltiger und bei den Auszahlungsoptionen flexibler als das bisherige. Mit hilfe einer umfassenden Kommunikationsstrategie bringt das Unternehmen die neue Art der bAV seinen Mitarbeitenden näher. „Eine werthaltige bAV, die alle wichtigen Facetten in der Gestaltung berücksichtigt“, zieht die Jury Bilanz.

Kategorie KMU

1. Platz: Lauterbach Gruppe: Wertkonten für Altersvorsorgekapital

Lauterbach hat für seine Mitarbeitenden ein Gesamtpaket zur bAV geschnürt: Das Unternehmen hat die Versorgung für vergangene Dienstjahre als Altersvorsorgekapital mit einer erdienbaren Rentenanwartschaft aus der Versorgung für zukünftige Dienstjahre und der Möglichkeit kombiniert, Teile des Altersvorsorgekapitals in Wertkonten einzubringen. Zudem hat das Unternehmen entschieden, die Betriebszugehörigkeit auch rückwirkend zu berücksichtigen und den Beitrag zur bAV an den durchschnittlichen Jahresbruttogehältern zu orientieren. „Der Lauterbach Gruppe ist mit der Einführung eine großzügige Lösung für ihre Mitarbeitenden gelungen“, so die Jury.

2. Platz: Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke: Arbeitgeber gleicht Nettodefizit bei Entgeltumwandlung weitgehend aus

Die Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke hat ein Projekt zur Entgeltumwandlung umgesetzt. Damit ist es gelungen, die Entgeltumwandlungsquote auf über 80 Prozent zu erhöhen. Bei diesem bAV-Modell erhält jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter neben vermögenswirksamen Leistungen als Grundzuschuss zur betrieblichen Altersversorgung auch einen Zuschuss zur Entgeltumwandlung. Zusätzlich wird das Gehalt steuer- und sozialversicherungsfrei so erhöht, dass das entstehende Nettodefizit bei der Entgeltumwandlung ausgeglichen wird. Die Jury lobt: „Die Anerkennung, die den Mitarbeitenden in diesem sehr herausfordernden Arbeitsumfeld entgegengebracht wird, ist vorbildlich.“

3. Platz: Avery Dennison Europe Holding: Zukunftsfähige Umgestaltung der bAV

Avery Dennison, ein Hersteller von Selbstklebematerialien, hat auf eine bilanzneutrale bAV mit externer Finanzierung und Verwaltung umgestellt. Das Projekt umfasst drei Säulen: eine beitragsorientierte arbeitgeberfinanzierte Unterstützungskassenzusage mit kongruenter Rückdeckung, eine beitragsorientierte kollektive Risikozusage als Direktzusage ohne Bilanzausweis sowie eine Direktversicherung zur Entgeltumwandlung mit Matching. Laut Jury bietet das Unternehmen damit eine „innovative und flexible Lösung für die Altersvorsorge”.

Kirstin Gründel beschäftigt sich mit den Themen Compensation & Benefits, Vergütung und betriebliche Altersvorsorge. Zudem kümmert sie sich als Redakteurin um das Magazin "Comp & Ben". Sie ist redaktionelle Ansprechpartnerin für das Praxisforum Total Rewards.

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