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bAV – aber richtig!

Eine ältere Frau und ein jüngere Mann stehen nebeneinander in einem Büro.
Mit den richtigen bAV-Angeboten binden Unternehmen ihre Mitarbeiter an das Unternehmen. Foto: © Westend61

Die Bedeutung von Benefits und Nebenleistungen nimmt für Arbeitnehmer immer stärker zu. War die Altersvorsorge vor vier Jahren noch 50 Prozent der Mitarbeiter wichtiger geworden, so stieg dieser Wert mittlerweile auf 72 Prozent. Dies zeigt der regelmäßig von Willis Towers Watson durchgeführte ›Global Benefits Attitudes Survey (GBAS), eine weltweite repräsentative Befragung zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) aus Mitarbeitersicht. Für die aktuelle Auflage der Studie wurden weltweit rund 30.000 Mitarbeiter befragt, davon rund 2.000 in Deutschland.

Klar wird: die bAV ist längst keine Nebensache mehr. Mitarbeiter vertrauen immer weniger auf die gesetzliche Rente. Folgerichtig wünschen sich rund drei Viertel, dass ihr Arbeitgeber eine aktive Rolle in der Bereitstellung einer bAV-Lösung einnimmt. Das hat Folgen für die Haltung der Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber.

Engagement, Bindung, Weiterempfehlung

In Zeiten der herausfordernden Fachkräfteakquise und einer angespannten Arbeitsmarktsituation bietet die bAV für die Mitarbeitergewinnung große Chancen. Rund 43 Prozent der Mitarbeiter, die ihre bAV-Lösung als bedarfsgerecht wahrnehmen, geben diese als einen zentralen Grund dafür an, bei ihrem Unternehmen zu arbeiten. Ca. 58 Prozent sehen eine bedarfsgerechte bAV auch als zentralen Grund dafür an, im Unternehmen zu bleiben. Dabei zeigt der von Willis Towers Watson unter 200 Unternehmen ab 500 Mitarbeitern repräsentativ durchgeführte Deutsche bAV-Index (2018), dass auch die Unternehmen diese Chancen stärker nutzen wollen und offen sind, ihre bAV-Angebote zu verbessern.

Bei der Bindung und Motivation von Arbeitnehmern kommt es allerdings nicht nur auf das prinzipielle Vorhandensein von bAV-Angeboten an. Diese müssen vielmehr möglichst passgenau auf die Arbeitnehmerbedürfnisse ausgerichtet werden. So wollen 72 Prozent der Arbeitnehmer mit einer bedarfsgerechten bAV bei ihrem Arbeitgeber bis zur Pension bleiben. Bei nicht-bedarfsgerechter Lösung liegt dieser Wert erheblich niedriger (48 Prozent). Die GBAS zeigt auch, dass etwa 77 Prozent der Arbeitnehmer mit bedarfsgerechter bAV ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden – bei nicht-bedarfsgerechter Lösung lediglich 51 Prozent. Bei einer bedarfsgerechten bAV-Lösung liegt auch die Bereitschaft der Arbeitnehmer, mehr zu leisten, als von ihnen verlangt wurde, deutlich höher. So sind drei Viertel der Mitarbeiter in diesem Falle dazu bereit, ansonsten nur 59 Prozent.

Kommunikation, Eigenbeteiligung, Flexibilität

Doch was zeichnet bedarfsgerechte bAV-Lösungen aus? Neben strategischen und unternehmensindividuellen Faktoren sollten Unternehmen vor allem drei Punkte berücksichtigen: Kommunikation, Eigenbeteiligung und Flexibilität.

Mitarbeiter müssen die Leistung ihres Arbeitgebers verstehen, damit sie diese auch wertschätzen können. Viele Unternehmen verschenken hier Potential. So zeigt der GBAS, dass rund 67 Prozent der befragten Arbeitnehmer Informationen zu ihrer bAV-Lösung als sinnvoll erachten. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 53 Prozent. Gleichzeitig empfinden fast die Hälfte der Arbeitnehmer die Informationen als zu komplex. Arbeitgeber sollten deshalb schnell an der Bereitstellung gut zugänglicher und verständlicher Informationsangebote arbeiten.

Rund die Hälfte der Arbeitnehmer sind laut der Befragung bereit, auf einen Teil ihres monatlichen Einkommens zugunsten einer höheren Betriebsrente im Alter zu verzichten. Mit einer bAV erreichen deutlich mehr Mitarbeiter (45 Prozent) ihre persönlichen Sparziele als ohne bAV (29 Prozent). Dies können Arbeitgeber zugunsten aller Beteiligten stärker nutzen. Ein gelungenes Entgeltumwandlungsmodell trägt auch deshalb zu einer als bedarfsgerecht empfundenen bAV bei, weil sich Arbeitnehmer mit finanzieller Eigenbeteiligung in der Regel genauer informieren und daher die Leistung des Arbeitgebers besser zu schätzen wissen. Eine stärkere Eigenbeteiligung können Unternehmen beispielsweise über eine Bezuschussung (“Matching”) der vom Arbeitnehmer erbrachten Beiträge fördern. Viele Unternehmen haben diese Chance mittlerweile ergriffen. So bieten laut dem deutschen bAV-Index (2018) rund 84 Prozent der Unternehmen ein solches Matching mittlerweile an.

Zuletzt entscheidet maßgeblich die Flexibilität darüber, ob ein Mitarbeiter seine bAV als bedarfsgerecht empfindet. Hierfür sollten Unternehmen dort, wo es administrierbar ist, flexiblere und möglichst portable Lösungen entwickeln. So wollen Mitarbeiter selbst darüber entscheiden, ob sie ihre bAV als Einmalzahlung, in Raten, oder als lebenslange Rente beziehen wollen. Wie der ›Deutsche bAV-Index (2018) zeigt, bieten mittlerweile zwei Drittel der Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern genau diese Entscheidungsfreiheit für bestehende Verträge auch an. Bei neueren, ab 2016 abgeschlossenen bAV-Lösungen ist die Wahlfreiheit mit fast 95 Prozent dabei sogar zum Standard geworden.

Bedarfsgerechte bAV bringt mehr

Kurz: Für Unternehmen lohnt es sich, nicht nur “irgendeine” bAV anzubieten. Denn eine flexible, gut kommunizierte bAV mit Spielraum für Eigenbeteiligung kommt nicht nur den Interessen der Arbeitnehmer entgegen. Sie zeigt auch wesentlich stärkere personalpolitische Effekte: Für Arbeitgeber bietet sie große Chancen, zufriedene und engagierte Mitarbeiter zu akquirieren und lange im Unternehmen zu halten. 

Der Deutsche bAV-Index 2018 steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Autor: Wilhelm-Friedrich Puschinski engagiert sich seit rund 15 Jahren im Bereich der betrieblichen Altersversorgung. Der Diplom-Mathematiker leitet das General Consulting bAV bei Willis Towers Watson.

Dies ist ein Beitrag aus unserem aktuellen Special von Willis Towers Watson ›hier.

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