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Gehaltshöhe – das macht den Unterschied

Ost-West-Gehaltsunterschiede
Die Gehaltsunterschiede in West- und Ostdeutschland sind immer noch erheblich. Foto: © Fokussiert-stock.adobe.com

Wie viel ein Arbeitnehmer verdient, hängt zunächst vom Berufsfeld und der Erfahrung im Job ab sowie davon, ob er eine Führungsposition innehat oder nicht. Aber auch unabhängig davon gibt es Einflussfaktoren, die die Entgelthöhe bestimmen.

Innerhalb der gleichen Berufsgruppe und bei gleicher Berufserfahrung können Gehälter in Deutschland recht unterschiedlich ausfallen. Fünf wesentliche Faktoren sind dafür ausschlaggebend: das Anforderungsniveau der Tätigkeit, das Geschlecht der Mitarbeiter, die Unternehmensgröße, das Bundesland, in dem der Job ausgeübt wird und ob der Arbeitgeber nach Tarifvertrag zahlt. Das zeigt eine Auswertung des Portals > Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Für die Erhebung wurden von Anfang 2020 bis Ende Januar dieses Jahres 62.758 Datensätze von Erwerbstätigen berücksichtigt.

Gehälter von Akademikern 41 Prozent höher als von Arbeitnehmern mit Berufsausbildung

Das Anforderungsprofil ist der Faktor, der sich am stärksten auf die Gehaltshöhe auswirkt. Im Vergleich zu einer fachlichen Tätigkeit, die eine dreijährige Berufsausbildung voraussetzt – zum Beispiel zum
Industriemechaniker, Altenpfleger oder zum Beamten im mittleren Dienst -, verdienen Arbeitnehmer, die keine oder nur eine einjährige Ausbildung haben und in Helfer- oder Anlernjobs arbeiten, im Schnitt sieben Prozent weniger. Mit einem Plus von 14 Prozent können jene Mitarbeiter rechnen, die nach einer zwei- bis dreijährigen Lehre noch eine Meister- oder Technikerausbildung absolviert haben und eine komplexe Spezialistentätigkeit ausüben. Hoch komplexe Tätigkeiten innerhalb des gleichen Berufsfelds, die ein Studium voraussetzen, bringen einen durchschnittlichen Gehaltszuwachs von stattlichen 41 Prozent.

Höchste Verdienstchancen für Männer in großen tarifgebundenen Unternehmen

Ein nicht unerheblicher Faktor ist der weiterhin bestehende Gender Pay Gap: Hierzulande fallen die Gehälter von Frauen bei gleicher Berufserfahrung im selben oder einem engverwandten Job mit gleichen Anforderungsniveau laut WSI-Analyse um rund acht Prozent niedriger aus als die der Männer. Die Größe des Unternehmens, in dem Berufstätige arbeiten, spielt ebenfalls eine Rolle. Mitarbeiter von kleinen Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten verdienen circa sechs Prozent weniger als ihre Kollegen in mittelständischen Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. Wer in einem Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten tätig ist, kann hingegen ein um neun Prozent höheres Gehalt erwarten. Unabhängig von der Unternehmensgröße zahlen tarifgebundene Betriebe im Mittel elf Prozent mehr als jene ohne Tarifvertrag.

In Baden-Württemberg zahlen Betriebe am besten, in Thüringen am schlechtesten

Unterschiede in der Bezahlung bis zu 21 Prozent ergeben sich, je nachdem in welchem Bundesland jemand arbeitet. Gemessen an Nordrhein-Westfalen und Berlin, die als Vergleichsmaßstab dienen, verdienen Arbeitnehmer in Baden-Württemberg im Schnitt sechs Prozent mehr. Am zweitbesten mit einem Plus von fünf Prozent verdient es sich in Hamburg, gefolgt von Bayern (plus drei Prozent) und Hessen (plus zwei Prozent). Am niedrigsten fallen die Gehälter in Thüringen aus, dort verdienen Berufstätige mit gleichen Berufsbildern 15 Prozent weniger als Arbeitnehmer in NRW. Aber auch andere ostdeutsche Länder stehen am Ende der Verdienstskala: In Sachsen und Sachsen-Anhalt fällt die Vergütung um je 14 Prozent geringer aus, in Mecklenburg-Vorpommern um zwölf und in Brandenburg um 11 Prozent. Durch die Nähe zu den Ballungsräumen Hamburg und Berlin hätten Berufstätige in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bessere Ausweichmöglichkeiten, sagt Dr. Malte Lübker, Lohnexperte am WSI. Das führe in beiden Ländern zu einem verschärften Fachkräftemangel, der jedoch bisher nur zu moderaten Lohnanpassungen geführt habe.

Eine Niedriglohnpolitik kann keine sinnvolle Antwort auf fehlende Fachkräfte sein, wenn 60 Autominuten entfernt im gleichen Beruf deutlich mehr gezahlt wird,

gibt Lübker zu bedenken.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.