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Frauen kommen in Sachen Gehalt kaum voran

Treppe, Frau auf einer unteren Stufe, Mann auf der obersten, dahinter eine rote (niedrigere) und blaue (höhere) Kurve
Frauen machen immer noch seltener Karriere als Männer – einer der Gründe für ungleiche Bezahlung.
Foto: © Hyejin Kang/StockAdobe

Laut Statistischem Bundesamt beträgt die – unbereinigte – geschlechtsspezifische Lohnlücke hierzulande immer noch 21 Prozent. Das bedeute, dass Frauen im Jahr 77 Tage umsonst arbeiten – so der Büromittellieferant > Viking, der in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut OnePoll eine Studie mit dem Schwerpunkt auf selbst erlebte Geschlechterdiskriminierung durchgeführt hat. Dafür wurden im Oktober 2017 in Deutschland 1000 berufstätige Frauen befragt, die einer Bürotätigkeit nachgehen. Zusätzlich wurde anhand europäischer Statistiken untersucht, wie die Situation der deutschen Frauen im Vergleich zu anderen Ländern aussieht.

Ob sich das Entgelttransparenzgesetz auf die Bezahlung auswirkt, bleibt abzuwarten

Drei Viertel der Studienteilnehmerinnen (75 Prozent) gaben an, dass sie am Arbeitsplatz schon einmal das Gefühl hatten, unterbezahlt zu sein. 40 Prozent der Frauen gehen davon aus, dass sich der Gender Pay Gap innerhalb von elf bis 50 Jahren schließen wird. Jede fünfte Befragte glaubt, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle niemals verschwinden wird. Das World Economic Forum aus Genf habe sogar prognostiziert, dass es bis zum Jahr 2234 dauert, bis die Gehaltslücke verschwindet, so Viking. Inwieweit sich das Entgelttransparenzgesetz, das seit Januar 2018 in Kraft ist, auf die Gehälter von Frauen auswirkt, kann laut Studie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. In der Umfrage gaben 77 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass sie nach einer Gehaltserhöhung fragen würden, wenn sie erführen, dass ein männlicher Kollege mit ähnlichen Fähigkeiten und Erfahrungen in einer gleichwertigen Rolle mehr verdient.

Traditionelle Familienmuster bleiben hierzulande bestehen

Eine wichtige Ursache des Gehaltsgefälles seien die familienbedingten Erwerbsunterbrechungen, die fast nur Frauen betreffen, so Dr. Katharina Wrohlich, die zum Thema Gender Pay Gap am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung arbeitet. Dazu kämen lange Zeiten von Teilzeit-Erwerbstätigkeit. Beide Faktoren verringerten zudem die Karrierechancen von Frauen, was ebenso eine Ursache der Lohnlücke sei. Offenbar wird immer noch das Modell gelebt, dass der Mann der Ernährer der Familie ist und Frauen, vor allem, wenn sie Kinder haben, zuhause bleiben oder ihre Berufstätigkeit einschränken.

Kinder bremsen die Karrierechancen von Frauen aus

Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) finden, dass sich Kinder negativ auf die Karriere auswirken. Drei Viertel der befragten Mütter (74 Prozent), sagen, dass sie ihre Arbeitsumstände ändern mussten, seit sie Kinder bekommen haben. Gut zwei Drittel der Mütter (68 Prozent) wechselten nach dem Wiedereinstieg in den Job in die Teilzeit. 37 Prozent gaben an, die größte Hürde sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Mitarbeiterinnen fühlen sich gegenüber männlichen Kollegen benachteiligt

42 Prozent der befragten Frauen sagen, der geringere Verdienst gegenüber ihren männlichen Kollegen sei für sie die größte Herausforderung im Beruf. Rund jede vierte Studienteilnehmerin (24 Prozent) hat das Gefühl, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nur begrenzte Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung zu haben. Auch wurde jede dritte Frau zwischen 24 und 35 Jahren im Bewerbungsgespräch schon einmal nach ihrer Familienplanung gefragt.

Anderswo haben Frauen bessere Bedingungen bei Geld, Karriere und Homeoffice

Der europäische Vergleich zeigt, dass Deutschland nach Tschechien zu den Ländern gehört, in denen der Gender Pay Gap am größten ist. Was den Frauenanteil im Top-Management börsennotierter Unternehmen betrifft, so steht Deutschland mit 17,3 Prozent auf Platz 23 und damit im unteren Drittel. Vorne liegen Großbritannien (44 Prozent), die Türkei (43,7 Prozent) und Schweden (42,1 Prozent), Schlusslicht ist Österreich mit nur sieben Prozent. Lediglich 12,5 Prozent der Bundesbürgerinnen haben die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Das entspricht im europäischen Vergleich Platz 19 und ebenfalls dem letzten Drittel. In den Niederlanden können mit 36,1 Prozent die meisten Frauen von zuhause aus arbeiten, gefolgt von Dänemark (32,5 Prozent) und Schweden (29,8 Prozent). Von den deutschen Arbeitnehmerinnen wünscht sich jede zehnte, in ihrer aktuellen beruflichen Situation mehr zeitliche und örtliche Flexibilität zu haben.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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