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„Mitarbeiterpartnerschaft ist Bestandteil des Erfolgs“

Die Hering Unternehmensgruppe beteiligt ihre Mitarbeiter seit 1971 mit
dem “Partnerschaftsmodell”. Hintergrund ist, die Mitarbeiter durch die
Beteiligung am Unternehmensgewinn auch emotional zu Partnern zu machen.
Personalleiterin Nicole Trettner erklärt das
Modell.

Nicole Trettner, Leitung HR-Management, Hering Unternehmensgruppe (Foto: privat)
Nicole Trettner, Leitung HR-Management, Hering Unternehmensgruppe (Foto: privat)

Personalwirtschaft: Im Jahr 1971 wurde bei Hering die Mitarbeiterbeteiligung eingeführt – mit einem ganz speziellen Modell. Wie sieht es aus?
Nicole Trettner: Unser Beteiligungssystem bezeichnen wir als “Partnerschaftsmodell”, weil es über eine reine Gewinnbeteiligung hinausgeht. Auf der einen Seite erhalten Mitarbeiter eine Beteiligung am Gewinn. Auf der anderen Seite haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, die Gewinnausschüttungen auf Lebensarbeitszeitkonten anzusparen. Diese wurden 2009 als ein zusätzliches Angebot des Partnerschaftsmodells eingeführt. Damit hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, sich ein Stück Zeitsouveränität entlang der Lebensarbeitszeitphase zu schaffen. Zur Mitarbeiterpartnerschaft gehört auch der Sozialfonds “Restcent”. Maximal 49 Cent der monatlichen Gehaltsabrechnung spenden die Arbeitnehmer dort hinein. In der Vergangenheit konnte aus diesem Sozialfonds bereits einigen Mitarbeiten geholfen werden, die unverschuldet in finanzielle Nöte geraten sind.

Wie berechnet sich der Gewinn des Partnerschaftsmodells?
Die Hering Gruppe unterteilt sich in mehrere rechtlich selbst- und unselbstständige Unternehmensbereiche, deren Einzelergebnisse in die Gewinnbeteiligung einfließen. Daraus ergibt sich in der Gesamtbetrachtung ein Gewinn nach Steuern, der die Ausgangsbasis für die Ermittlung der betrieblichen Gewinnanteile darstellt. Von diesem Gewinn erhalten die Mitarbeiter einen Prozentsatz, der von der Unternehmensleitung vorgeschlagen und in einem Partnerschaftsausschuss – bestehend aus je einem gewählten Mitglied jedes Unternehmensbereichs, den Geschäftsführern, beziehungsweise Betriebsbereichsleitern sowie einem Betriebsratsmitglied – festgelegt wird. Der ermittelte betriebliche Gewinnanteil der operativen Unternehmen wird zu 100 Prozent an die Mitarbeiterpartner verteilt. Die verwaltenden Unternehmen stellen jeweils einen Gewinnanteil zur weiteren individuellen Verteilung an ihre Beschäftigten zur Verfügung. Dieser jeweils ermittelte Gewinn wird in jedem Unternehmen nach Köpfen auf der Grundlage der individuellen vertraglichen Arbeitszeit aufgeteilt. Alle volljährigen Mitarbeiter, die am Stichtag erster Januar mindestens neun Monate in einem ungekündigten Beschäftigungsverhältnis mit der Hering Gruppe stehen, können “Mitarbeiterpartner” werden und sind damit ab diesem Zeitpunkt gewinnberechtigt.

Welche Motive stehen hinter Ihrem Modell?
Unser Ziel war und ist es, die Beschäftigten über das individuelle Entgelt hinaus am Gewinn des Unternehmens zu beteiligen. Dafür erwarten wir, dass jeder Einzelne in besonderer Weise das partnerschaftliche Miteinander in der gesamten Unternehmensgruppe zum Maßstab seines Handelns macht.

Das heißt, materielle und immaterielle Beteiligung sind gleich wichtige Bestandteile einer gut funktionierenden Kooperation.

Über das eigene Wohl hinauszusehen, bringt einen Nutzen, der mit dieser Partnerschaft auch bewertbar geworden ist. Darüber hinaus unterstützen die Instrumente der Mitarbeiterpartnerschaft auch die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen. Unsere Erfahrung aus über 40 Jahren bestätigt, dass die Mitarbeiterpartnerschaft ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolgs ist.

Über die Hering Unternehmensgruppe
Vor
mehr als 125 Jahren wurde das Bauunternehmen Hering gegründet. Heute
ist die Hering Gruppe ein mittelständisches familiengeführtes
Unternehmen mit internationaler Ausrichtung. Seinen Hauptsitz hat es im
nordrheinwestfälischen Burbach. Hering ist in vielen Spezialgebieten
rund um das Bauwesen Marktführer und beschäftigt 530 Mitarbeiter.

Lesen Sie hierzu auch Folgendes:

Übersichtsartikel Mitarbeiterbeteiligung

Interview mit Nicole Trettner, Hering Unternehmensgruppe: „Mitarbeiterpartnerschaft ist Bestandteil des Erfolgs“

Interview mit David Voggeser, hkp group: „Deutschland liegt hinter vergleichbaren Industrienationen zurück“

Checkliste des BMAS zum Thema Mitarbeiterkapitalbeteiligung (PDF)

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.

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