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Reallöhne steigen 2019 zum dritten Mal in Folge nicht über ein Prozent

Bei einer Erhöhung des Nominallohns von 2,9 Prozent wird der Reallohnanstieg 2019 nur ein Prozent betragen.
Aufgrund der Inflation verdienen Mitarbeiter im Transportsektor dieses Jahr trotz Gehaltserhöhung weniger als 2017. Auch 2019 werden die Reallöhne für alle Deutschen wieder niedrig ausfallen.
Foto: © M. Schuppich /Fotolia.de

Dieses Jahr fallen die Gehälter in Deutschland nominal um durch- schnittlich 2,6 Prozent höher aus als 2017. Im kommenden Jahr steigen sie laut einer aktuellen Prognose um 2,9 Prozent. Aufgrund der erwarteten Inflationsrate sehen die Reallohn- steigerungen allerdings anders aus.

2017 stiegen die Löhne hierzulande nominal um 2,4 Prozent. Wegen der Inflation von 1,8 Prozent lag die reale Gehaltssteigerung jedoch nur bei 0,6 Prozent. Auch 2018 müssen sich die Arbeitnehmer mit einer realen Lohnerhöhung von lediglich 0,9 Prozent – ausgegangen von 1,7 Prozent Inflation – zufriedengeben.

Mitarbeiter der Transportbranche haben dieses Jahr faktisch weniger in der Tasche als 2017

Beschäftigte im Transportsektor, die nicht tariflich gebunden sind, haben derzeit bei einem Lohnanstieg von durchschnittlich nur 1,5 Prozent real weniger Geld zur Verfügung, denn bei einer Inflation von 1,7 Prozent ergibt sich ein Minus von 0,2 Prozent. Mitarbeiter von Energieversorgern sowie in der Öl- und Gasindustrie kommen zwar nicht in den Minusbereich, doch stieg der Nominallohn dieses Jahr lediglich um 1,9 Prozent. Dienstleistungen erzielen mit einer nominalen Steigerung von 2,1 Prozent ein Plus von 0,4 Prozent realem Lohnzuwachs. Das zeigt die jährliche Untersuchung der deutschen Gehaltszahlen von > Korn Ferry. Basis der Analyse ist die Gehaltsdatenbank PayNet, die Gehaltsdaten von mehr als 20 Millionen Arbeitnehmern in 25 000 Unternehmen weltweit enthält. Die geringe Lohnentwicklung in der Öl- und Gasindustrie erkläre sich damit, dass das Gehaltsniveau dort bereits verhältnismäßig hoch war, sagt Annette Goldhausen, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry.

2019: Nominallohn steigt um 2,9 Prozent

Für 2019 sagen die Wirtschaftsforschungsinstitute eine Inflation von 1,9 Prozent voraus; bei dem laut Studie prognostizierten Nominallohn von 2,9 Prozent würde ein realer Lohnzuwachs von genau einem Prozent übrigbleiben. Zwischen den Hierarchieebenen im Unternehmen gibt es keine großen Unterschiede: Für tarifliche und außertarifliche Mitarbeiter gehen die Unternehmen von durchschnittlich 2,9 Prozent Nominalerhöhung aus, für leitende Angestellte und obere Führungskräfte erwarten sie 2,8 Prozent.

Chemie- und Pharmaindustrie planen stärkste Erhöhungen

Die Untersuchung der Nominallohnentwicklung nach Branchen zeigt, dass die Chemieindustrie für das kommende Jahr mit durchschnittlich 3,3 Prozent Steigerung (0,4 Prozent mehr als 2018) die stärksten Gehaltserhöhungen plant. An zweiter Stelle mit 3,1 Prozent (plus 0,2 Prozent gegenüber diesem Jahr) steht der Bereich Health & Life Sciences, gefolgt vom Sektor Industrielle Güter mit 2,9 Prozent (0,3 mehr als 2018). Auch die Automobilindustrie will die Löhne im nächsten Jahr um 0,3 Prozent stärker erhöhen als dieses Jahr; der Gehaltszuwachs soll 2,8 Prozent betragen. Ähnliche Budgets wie 2018 planen die High-Tech-Unternehmen. Die geringsten Lohnsteigerungen, die bereits für 2019 prognostiziert werden konnten, verzeichnet die Öl- und Gasindustrie mit durchschnittlich 2,2 Prozent. An vorletzter Stelle befindet sich der Bereich Konsumgüter mit einer erwarteten Lohnanhebung von 2,4 Prozent.

Fachkräftemangel in bestimmten Berufen führt zu höheren Gehaltskosten

Unabhängig von den prognostizierten Lohnerhöhungen können bei bestimmten Berufsgruppen, etwa in der IT oder bei Ingenieuren, bereits seit einiger Zeit deutliche höhere Gehaltssteigerungen beobachtet werden. Das gelte, so Goldhausen, auch für Mitarbeiter, die ihre hierarchische Stellung verbessern oder extern rekrutiert werden. Diese Erhöhungen seien aber auf individuelle Verhandlungen zurückzuführen und wirkten sich zwar auf die Gesamtkosten für Löhne und Gehälter aus, jedoch nicht auf die prognostizierten Gehaltsanstiege für das gesamte Unternehmen. Das Korn Ferry Institute geht davon aus, dass die Gesamtkosten bis zum Jahr 2030 um176 Milliarden US-Dollar steigen können, da der deutschen Wirtschaft laut anderen Studien bis dahin 4,9 Millionen Arbeitskräfte fehlten. Das, so Goldhausen, merkten Arbeitgeber bereits heute bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter in den Gehaltsverhandlungen und zwar sowohl bei Berufseinsteigern als auch bei erfahrener Fach- und Führungskräften.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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