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IT-Freelancer: Stundensätze bei Allzeithoch

Lässig gekleideter jüngerer bärtiger Mann vor Computern schaut zufrieden, IT-Freelancer
Die meisten IT-Freelancer sind zufrieden und wollen nicht in die Festanstellung zurück. Foto: © deagreez/StockAdobe

Freiberufliche Fachkräfte der IT- und Engineering-Branche sind auch weiterhin sehr gefragt, wie eine aktuelle Studie zeigt. Der Stundensatz der Freelancer hat einen Höchststand erreicht. Die Mehrheit der Experten ist mit ihrem Status zufrieden, kritisiert aber die politischen Rahmen- bedingungen.

Der typische Freelancer aus dem IT- und Engineering-Bereich ist männlich, hat einen akademischen Abschluss (75 Prozent), ist 47 Jahre alt, kommt aus Nordrhein-Westfalen, arbeitet knapp 45 Stunden pro Woche (26 Prozent als Entwickler), hat eine Auftrags- auslastung von 80 Prozent, macht im Jahr 26 Tage Urlaub und will mit 65 Jahren in Rente gehen. Zumeist arbeiten die IT-Experten in Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern und werden dort für mindestens ein halbes Jahr für ein Projekt engagiert. Das geht aus dem Freelancer-Kompass 2019 von Freelancermap hervor. Für die jährlich durchgeführte Marktstudie wurden 1347 Freiberufler im DACH-Raum befragt.

100 Euro Stundenhonorar für IT-Freelancer in fünf Jahren denkbar

Der derzeitige durchschnittliche Stundensatz der Befragten liegt bei 93,89 Euro – der bisherige Rekord. Das monatliche Nettoeinkommen beträgt im Schnitt 6922 Euro. Unternehmen seien bereit, qualitativ hochwertige Auftragsarbeiten entsprechend zu vergüten, so Freelancermap. Für nächstes Jahr prognostiziert die Studie bereits 96,38 Euro und bei anhaltendem Trend seien in fünf Jahren Stundensätze über 100 Euro die Regel. In der Schweiz verdienen die Freelancer mit durchschnittlich 121,46 Euro pro Stunde derzeit am meisten. In Deutschland liegt Schleswig-Holstein mit 98,64 Euro an der Spitze, Schlusslicht ist Thüringen mit 72,06 Euro. Die Gehaltslücke von Frauen und Männern hat sich um acht Prozent verringert: Der mittlere Stundensatz beträgt nun bei Männern 94,66 Euro und bei Frauen 87,63 Euro. Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sind mit ihrem Verdienst zufrieden. Zwei Drittel geben an, als Freelancer mehr zu verdienen als in einer Festanstellung und rund drei Viertel (77 Prozent) wollen nicht in ein eine neue Festanstellung zurück. Als größte Vorteile des Freiberuflerdaseins sehen die Studienteilnehmer ihre Unabhängigkeit (54 Prozent) sowie die freie Zeiteinteilung (55 Prozent).

Größtes No-Go bei Projektanfragen: zu niedriges Honorar

Fast alle Freelancer (91 Prozent) arbeiten mit Recruitern zusammen, legen aber dennoch großen Wert auf Selbstmarketing. Mehr als jeder Zweite ist hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Personalvermittlern zufrieden bis sehr zufrieden. Als größten No-Gos bei Ausschreibungen und Anfragen nennen die freiberuflichen IT-Experten zu niedrige Stundensätze, schlechte Erfahrungen mit dem Vermittler, wenig Projektinformationen und die Entfernung zum Arbeitsort.

Mehr als jeder zweite Freelancer fordert Abschaffung der Scheinselbstständigkeit

Die politischen Rahmenbedingungen für Freiberufler sehen Befragten kritisch: Mehr als die Hälfte moniert, dass Freelancing in der Politik wenig bis sehr wenig respektiert wird. 57 Prozent fordern die Abschaffung der Scheinselbstständigkeit, 54 Prozent diee Reduzierung bürokratischer Hürden und jeweils 35 Prozent sind dafür, dass die gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge gesenkt werden und dass das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geändert wird.

Die Studie kann > hier zum Download abgerufen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.