Unternehmen machen Mitarbeitenden in erster Linie Angebote für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um diese zu binden. Das geht aus dem Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2023 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hervor, der vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erstellt wurde. Demnach geben 88 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie Angebote machen, um qualifizierte Beschäftigte in ihrem Unternehmen zu halten.
Zu diesen Angeboten zählen beispielsweise Arbeitsfreistellung wegen Krankheit der Kinder, eine betriebliche Kinderbetreuung, Ermunterung von Vätern, in Teilzeit zu arbeiten, das Angebot von finanziellen Leistungen über gesetzlichem Niveau, flexible Tages- oder Wochenarbeitszeit oder mobiles Arbeiten.
Fachkräftesicherung als Motiv für mehr Vereinbarkeit
Andere wichtige Gründe, um entsprechende Angebote zu machen, sind das Signalisieren von Interesse an den Bedürfnissen der Belegschaft (87,5 Prozent), das Sicherstellen, dass Mitarbeitende mit familiären Verpflichtungen ihre Arbeitszeit aufrechterhalten oder aufstocken können (84 Prozent), Attraktivität für neue Beschäftigte (83,3 Prozent), das Unterstützen von Vätern und Müttern (76,5 Prozent), das Erleichtern der Rückkehr nach Eltern- oder Pflegezeiten (73 Prozent), das Sicherstellen der Chancengleichheit von Frauen und Männern bei der Karriereplanung (65,5 Prozent) sowie das Unterstützen von Beschäftigten, die Angehörige pflegen (64,8 Prozent).
Mehrheit ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber wichtig
Laut der Autorinnen und Autoren der Untersuchung liegen die Personalverantwortlichen mit der Entscheidung, Angebote für mehr Vereinbarkeit zu machen, richtig. Denn familienfreundliche Maßnahmen sind dem Großteil der Beschäftigten wichtig. 94,3 Prozent der Beschäftigten mit Kindern im Grund- und Vorschulalter sind familienfreundliche Maßnahmen grundsätzlich wichtig. Unter den Beschäftigten, die pflegen, liegt der Anteil immerhin noch bei 89,7 Prozent. Aber auch nicht pflegende Beschäftigte ohne Kinder im Grund- und Vorschulalter ist es wichtig, dass ihr Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen anbietet.
Väterförderung nimmt zu
In Zukunft möchten sich die Personalverantwortlichen auf die Unterstützung von Vätern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie konzentrieren. Rund die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass diese in den nächsten Jahren noch bedeutsamer wird. Personalverantwortliche stimmen dieser Einschätzung häufiger zu, wenn sie Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden (55,9 Prozent). Der Grund für den Bedeutungszuwachs ist also auch hier die Fachkräftesicherung.
Laut einer Befragung zur Väterfreundlichkeit in der deutschen Wirtschaft im Jahr 2022 – die von den Autorinnen und Autoren zitiert wird – haben hierzulande bereits rund 450.000 Väter ihren Arbeitgeber zugunsten einer besseren Vereinbarkeit gewechselt. Weitere 1,7 Millionen Väter dachten zumindest über einen Wechsel zugunsten der besseren Vereinbarkeit nach.
Die Untersuchung zeigt, dass eine gute Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben für die Mitarbeiterbindung und -gewinnung aus Sicht der befragten Unternehmen bedeutsamer wird. Angebote für mehr Vereinbarkeit werden damit relevanter, um begehrte Fachkräfte zu finden und sie zu halten.
Info
Die Onlinebefragung zum Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit wurde im Rahmen der 32. Welle des IW-Personalpanels von März bis Mai 2023 durchgeführt. Insgesamt liegen 1.029 Antworten von Unternehmen vor, die für die Auswertung genutzt werden konnten. Die präsentierten Befunde sind repräsentativ.
Tim Stakenborg war bis Sommer 2024 Redakteur bei der Personalwirtschaft.

