Laut Statista sind aktuell etwa neun Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren. Nach Angaben der Deutschen Menopause Gesellschaft haben Frauen während der Wechseljahre, die im Schnitt gut sieben Jahre dauern, vor allem Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Etwa ein Drittel leidet unter schweren Symptomen. Wechseljahresbeschwerden können nicht nur die allgemeine Lebensqualität, sondern auch die Leistungsfähigkeit im Job einschränken. Der „Tag der Menopause“, der am 18. Oktober stattfand, verfolgt daher das Ziel, das Thema Klimakterium stärker in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik zu rücken.
Das Forschungsprojekt MenoSupport hat nun erstmals in Deutschland die Auswirkungen von Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz untersucht. Aufgrund der Erkenntnisse sollen Maßnahmen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in Unternehmen und Organisationen entwickelt werden. Für die Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin wurden von März bis Juni 2023 mehr als 2.000 voll- und teilzeitbeschäftigte Frauen zwischen 28 und 67 Jahren befragt, der Mittelwert lag bei 51 Jahren.
Beschwerden von Erschöpfung über Hitzewallungen bis Reizbarkeit
Von den Befragten, die bereits Wechseljahresbeschwerden erlebt haben, berichten 95 über körperliche und geistige Erschöpfung, 94 Prozent über Schlafstörungen. Dazu kommen Reizbarkeit (92 Prozent), depressive Verstimmungen (88 Prozent), Hitzewallungen und Schwitzen (82 Prozent), aber auch weitere Symptome von Ängstlichkeit über Herzbeschwerden bis zu Augentrockenheit und Migräne oder Kopfschmerzen.
Am Arbeitsplatz werden die Frauen vor allem durch diese Beschwerden beeinträchtigt: körperliche und geistige Erschöpfung (78 Prozent), Schlafstörungen (66 Prozent), Reizbarkeit (54 Prozent), depressive Verstimmung (46 Prozent), Hitzewallungen und Schwitzen (45 Prozent). Aufgrund der Symptome gaben jeweils drei Viertel (74 Prozent) der Betroffenen an, dass sie sich weniger konzentrieren können und sich gestresster fühlen. Jede zweite Frau war anderen gegenüber ungeduldiger oder gereizter. 38 Prozent berichteten, dass sie weniger Selbstbewusstsein hinsichtlich ihrer Fähigkeiten hatten. Mehr als ein Viertel (29 Prozent) der Frauen hat sich aufgrund von Wechseljahresbeschwerden schon einmal krankschreiben lassen.
Vorzeitige Rente wegen Wechseljahresbeschwerden
Bei nicht wenigen Frauen im Klimakterium hatten die Beschwerden sogar Einfluss auf Entscheidungen bezüglich ihres beruflichen Werdegangs. So hat ein Viertel (24 Prozent) deswegen Stunden reduziert, 18 Prozent haben die Stelle gewechselt, jede sechste Befragte (16 Prozent) hat eine Auszeit von der Arbeit genommen, und jede zehnte gab an, früher in Rente gegangen zu sein oder dies zu planen. Von den Frauen über 55 Jahre sagte dies sogar jede fünfte (19 Prozent).
Viele Arbeitnehmerinnen fühlen sich mit dem Thema im Job alleingelassen
Trotz der zum Teil massiven und vielfältigen Beschwerden ist das Thema Wechseljahre nach Angabe der Hälfte der Befragten (52 Prozent) an ihrem Arbeitsplatz ein Tabuthema. 46 Prozent der Frauen sagen, im Job werde nie darüber gesprochen. Die Mehrheit kann nicht oder nur teilweise bestätigen, dass ihr Arbeitgeber ein Umfeld bietet, das Frauen im Prozess der Wechseljahre unterstützt. Jede Zweite (52 Prozent) fühlt sich mit dem Thema im Job alleingelassen. Für 46 Prozent der Befragten hat das Klimakterium das Selbstwertgefühl negativ beeinflusst.
Zwar geht immerhin ein Drittel der Frauen (33 Prozent) offen mit sichtbaren Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz um, aber 29 Prozent befürchten, benachteiligt zu werden, wenn andere im Unternehmen wissen, dass sie Beschwerden haben. Jeweils ein Viertel (25 Prozent) fühlt sich am Arbeitsplatz sogar weniger wertgeschätzt als männliche Kollegen im gleichen Alter und als jüngere Kolleginnen.
Ein wechseljahresfreundliches Arbeitsumfeld schaffen
Gut zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten stimmen der Aussage eher oder voll und ganz zu, dass sie sich eine offene Kommunikation zum Thema am Arbeitsplatz wünschen. Fast sechs von zehn Frauen (57 Prozent) wünschen sich Unterstützungsangebote von ihrem Arbeitgeber zum Thema Wechseljahre.
Doch obwohl in vielen Unternehmen Frauen in den Wechseljahren einen bedeutenden Teil der Belegschaft ausmachen, gebe es für sie hierzulande kaum Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Andrea Rumler, Professorin für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Dabei sei das Thema auch volkswirtschaftlich brisant, zumal zwei Drittel der hiesigen Unternehmen über Fachkräftemangel klagten. Passgenaue Angebote könnten die berufserfahrenen und oft gut ausgebildeten Frauen dabei unterstützen, länger im Unternehmen zu bleiben und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen.
In Großbritannien sorgen immer mehr Unternehmen für ein wechseljahresfreundliches Arbeitsumfeld. Rumler hofft, dass diese Entwicklung auch nach Deutschland überschwappt. Doch ein Anfang scheint gemacht, denn auch hierzulande brechen inzwischen erste Arbeitgeber wie SAP mit dem Tabu und greifen das Thema Klimakterium auf.
Info
Jedes Jahr am 18. Oktober findet der internationale Menopause-Tag statt. Er soll das Bewusstsein für die Gesundheit von Frauen in der Lebensmitte schärfen.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

