Das OpenAI-Führungschaos schadet der Arbeitgebermarke

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Eigentlich hätte es für OpenAI in diesem Jahr kaum besser laufen können. Ihre Produkte, darunter die generative Text-KI ChatGPT, sind Synonyme für technischen Fortschritt geworden und werden seit Monaten heiß diskutiert. Doch seit Ende vergangener Woche macht das Unternehmen aus völlig anderen Gründen Schlagzeilen. Die Krisenkommunikation rund um den zwischenzeitlichen Ex- und jetzt-doch-wieder-CEO Sam Altman genießt schon jetzt Legendenstatus – als Negativbeispiel.

Ein chaotisches Wochenende

Was passierte, lässt sich kaum in Kürze zusammenfassen. Am 17. November gab der Aufsichtsrat von OpenAI bekannt, dass CEO und Mitgründer Altman das Unternehmen verlässt. Überraschte und geschockte Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, wie Mitgründer Greg Brockman, der ebenfalls aus dem Aufsichtsrat entfernt wurde, zeigten: Hier handelte es sich um einen Alleingang der vier verbleibenden Board-Mitglieder, darunter Chefwissenschaftler Ilya Sutskever.

Es folgte ein chaotisches Wochenende. Interims-CEO wurde zunächst Mira Murati – bis sie einen offenen Protestbrief der OpenAI-Belegschaft mitunterzeichnete, in dem die Mitarbeitenden den Rücktritt des Verwaltungsrats und eine Rückkehr von Altman forderten. Satya Nadella, CEO von Großinvestor Microsoft, hatte zwischenzeitlich bekanntgegeben, dass Altman und Brockman sein neues KI-Team leiten sollen. Was die OpenAI-Belegschaft dazu bewog, zu drohen, ihren ehemaligen Chefs dorthin zu folgen. Inzwischen saß bereits die dritte Person im OpenAI-Chefsessel: Emmett Shear, einst Chef der Streaming-Plattform Twitch.

Hintergründe unklar

Schlüssige Erklärungen seitens des OpenAI-Aufsichtsrats für ihre Entscheidungen gegen Altman und für Murati beziehungsweise Shear gab es nicht. Altman habe sich keinen Fehltritt geleistet, aber das Board am „Wahrnehmen seiner Aufgaben“ gehindert. Gerüchte wurden laut, dass Ilya Sutskever, geistiger Vater von DALL.E und ChatGPT, Altmans Kurs hin zur Kommerzialisierung der KI nicht passte.  Sutskever entschuldigte sich Sonntag öffentlich, dass er an den Aktionen des OpenAI-Vorstands beteiligt war und unterzeichnete den offenen Brief – wie inzwischen rund 700 von 770 OpenAI-Mitarbeitenden. Und nun? Stand Mittwochvormittag hat OpenAI einen neuen Verwaltungsrat und Sam Altman wird, mit Rückenwind von Microsoft, als CEO zu OpenAI zurückkehren.

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Plottwists wie bei Netflix

Wie auch immer die Geschichte weitergeht: Der öffentlich ausgetragene Machtkampf um eines der bedeutendsten Tech-Unternehmen der Gegenwart gleicht einer Farce aus der Feder eines überambitionierten Drehbuchschreibers. Viele vergleichen sie mit einer Netflix-Serie, die man mit Popcorn auf der Couch verfolgt.

Nun ist Uneinigkeit zwischen Verwaltungs- oder Aufsichtsrat und der Unternehmensführung kein Einzelfall und manchmal kaum zu verhindern. Insbesondere, wenn es um neue Technologien geht, deren volles Potenzial und deren zukünftige Auswirkungen noch gar nicht abzusehen sind.

Doch diesen Konflikt so in der Öffentlichkeit auszutragen, schadet allen Beteiligten. Der Großteil der Mitarbeitenden erfuhr von den Entscheidungen des Verwaltungsrats aus den Medien, gemeinsam mit der Weltöffentlichkeit. Katastrophaler kann Firmenkommunikation kaum ablaufen. Auf potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkt so ein Führungschaos abschreckend. Und gerade im Bereich Künstliche Intelligenz sind hochqualifizierte Spezialistinnen und Spezialisten derzeit sehr gefragt. Nicht nur Investoren und Kunden werden möglicherweise in Zukunft zuerst schauen, was die Konkurrenz ihnen bieten kann.

Der Fall zeigt: Ohne geschlossenen Rückhalt der Belegschaft ist die fortschrittlichste Technologie nichts wert. Diese bittere Lektion wird OpenAI jetzt lernen – und Investor Microsoft möglicherweise auch. Sam Altman jedenfalls muss als neuer alter Chef erst einmal daran arbeiten, um das Vertrauen der Investoren und vor allem das seiner Belegschaft wieder herzustellen. Denn er führt jetzt ein Unternehmen, dessen Mitarbeitende wissen, was sie gemeinsam erreichen können.

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Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.