Die Themen, welche HR am Ende der 1980er-Jahre umtreiben, lesen sich, einmal mehr, bekannt: Wie fördert man die Gesundheit der Belegschaft? Was ist die Rolle von Personalberatungen und wie erkennt man schwarze Schafe? Und was ist eigentlich die Corporate Identity? Auch Datenschutz war damals schon ein Thema – wenn hier auch eher die Sorge war, dass die Kaffeetasse auf die Diskette kippte und von der DSGVO noch niemand sprach.
„Wenn auf Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter nicht entsprechend geachtet wird, werden sich Leistungsfähigkeit und Produktivität in unserer Gesellschaft nicht mehr im gewünschten Umfang weiterentwickeln lassen“ schreibt Dr. Friedrich Hauß vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung in der Februar-Ausgabe der „Personalwirtschaft“. Die Gesundheit fördern könnte laut einer internationalen Studie, die in derselben Ausgabe zitiert wird, die Siesta am Arbeitsplatz. Allerdings konnte sich diese Erkenntnis bis heute nicht durchsetzen.
Bei Diskussionen darum, dass der heutige Nachwuchs immer weniger arbeiten möchte, kann gern auf die März-Ausgabe 1989 verwiesen werden. Denn schon dort wurden die 35-Stunden-Woche und „Flexibilität“ diskutiert, ein „Zauberwort, das die Gewerkschaften so gar nicht gern hören.“ Rechtlich relevant war in diesem Jahr das geänderte Betriebsverfassungsgesetz und insbesondere das Gesundheits-Reformgesetz. „Das Wort ‚Gesundheitsreform‘ wurde sogar als das am häufigsten gebrauchte Wort des Jahres 1988 bezeichnet“. Dies bezog sich auf die Wahl des „Wortes des Jahres” der Gesellschaft für deutsche Sprache. Eine Folge der Reform: Die Jahresarbeitsentgeltgrenze ersetzte ab jetzt die Jahresarbeitsverdienstgrenze und bei ihrer Überschreitung wurde zwischen Arbeitern und Angestellten kein Unterschied mehr gemacht.
Personal Computer noch Exot
Woran wird der Erfolg einer Führungskraft festgemacht? Instrumente, dies zu messen, gab es auch in den 80ern bereits zahlreiche, „vom Rorschach-Test bis zum Computereinsatz“ – oder die der „psychotopen Eignung“, die in der März-Ausgabe anhand einer Feldstudie vorgestellt wird. In einer Sache ist sich Diplompsychologe Peter Friedrichs jedenfalls sicher: „Die 90er Jahre werden an die Personalpolitik der Unternehmen Anforderungen stellen, wie wir sie bisher nicht erlebt haben“ – Personalgewinnung in umkämpften Märkten und langfristige Motivation und Förderung der Mitarbeitenden. Er sollte Recht behalten, und das weit über die 90er hinaus.
Etwas weniger zukunftssicher ist die Prognose des Interviewpartners Werner Klein von der Audi AG zum Thema EDV in der Personalarbeit ein paar Seiten weiter: „Den gläsernen Menschen wird es nicht geben“. Was es damals schon gab: schwache Passwörter und Hacker, die diese ausnutzen. „Ohne Sicherheitsvorkehrungen ist das reine Ausspähen von Daten relativ risikolos,“ heißt es in einem Artikel zur Datensicherung. PCs haben sich in der Personalarbeit noch nicht durchgesetzt. Laut einer Umfrage nutzen sie nur rund die Hälfte aller befragten Unternehmen.
Weiterbildung und Corporate Identity
20 Milliarden DM wurden in der Bundesrepublik in Deutschland im Jahr 1989 in Weiterbildung investiert. Dennoch ist sie oft „das vierte Rad am Wagen der Bildung“. Zu viele klassische Bildungsmittel und -stätten degradieren sie zur „verlängerten Schulbank“, kritisiert ein Artikel zur Bildungsmesse Didacta in der April-Ausgabe und fordert mehr Qualität statt Quantität.
Sind Kulturmanagement und Corporate Identity, nur Modewörter? Nein. „Alle Unternehmen brauchen ein strategisches Personalmanagement, das sich mit Unternehmenskultur befaßt!!“ Das sind Autorin Prof. Dr. Christina Scholz und Autor Wolfgang Hofbauer von der Universität des Saarlandes in der Juni-Ausgabe gleich zwei Ausrufezeichen wert. Ohne die Kultur sei „Unternehmensführung und speziell Personalführung unmöglich.“ Ihr Plädoyer: Mitarbeitende sollen nicht verwaltet werden, denn „sie sind das Unternehmen!“
Vielleicht lesen Sie diesen Artikel gerade beim vergeblichen Warten auf die Bahn. Auch in der September-Ausgabe wurden Warnstreiks thematisiert, denn das BAG beschloss, sie dem Prinzip „ultima ratio“ zu unterstellen. Angesichts der Entwicklung der Warnstreik-Praxis in den letzten Jahren sei es nicht mehr möglich, sie von der Geltung dieses Prinzips auszunehmen. Begründung: „Das äußere Erscheinungsbild von Warn- und Erzwingungsstreiks sei gleich.“
Die Wende kam zu spät im Jahr 1989, als dass sie in den letzten Ausgaben noch viel Einfluss auf die Themen der Personalarbeit hatte. Allerdings auf den Sprachgebrauch: „Mehr Glasnost in der Zeugnissprache“, forderte Dr. Arnulf Weuster in der Dezember-Ausgabe. Dabei sei aber klar, dass zwischen dem „Wahrheitsgrundsatz“ und dem „verständigen Wohlwollen“ des Arbeitgebers ein „Spannungsverhältnis“ bestehe – ein Satz, der wohl auch heute noch seine Gültigkeit bewahrt.
Prognose des Jahres
„Der Tischgast wird in einem Jahrzehnt in der Kantine restaurantähnliche Bedingungen erwarten, und zwar sowohl bezüglich der Auswahl, der Qualität und der Atmosphäre“. Das schreibt Volker Peinelt, Referatsleiter Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in der Januar-Ausgabe. Damals galten Kantinen übrigens noch als „innerbetriebliche Exoten.“
Anekdote des Jahres
Gesund bleiben als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin geht nur mit etwas Verzicht, das ist das Fazit von Personalwirtschaft-Reporter Fritz Gieffers nach einem Gesundheitscheck, den er aus Recherchegründen hat über sich ergehen lassen. Dem Rat des Arztes folgend verzichtet er im Speisewagen des Intercity zwar auf die „üblichen Spiegeleier mit Schinken und Bratkartoffeln“ und das kühle Pils zugunsten von Käsebrot und Rotwein. Doch zwischen Koblenz und Bonn ist „doch noch ein ‚Pikkolo‘ fällig“. Angesichts dieses Umgangs mit Alkohol im Alltag verwundert es nicht, dass die „Personalwirtschaft” 1989 im September eine ganze Schwerpunktausgabe dem Thema Alkoholmissbrauch widmet.
Interview des Jahres
Frage an die Personalberatung Aretz + Partner: Durch welche Vorgehensweise unterscheiden Sie sich von Ihrer Konkurrenz?
Aretz + Partner: Die Beantwortung einer solchen Frage betrachten wir als berufsstandeswidrig!
Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.

