Die Herausforderungen für Personalerinnen und Personaler sind im Jahr 1988 nicht eben klein. Eines der Themen, die als Dauerbrenner seit Jahrzehnten die Diskussionen rund um HR dominieren, ist die Frage, wie relevant die Personalerfunktion im Unternehmen eigentlich ist und was HR zum wirtschaftlichen Erfolg beizutragen hat.
So sinniert Autor Werner Fröhlich im Januar 1988 in einem Leitartikel darüber, wie es Personalerinnen und Personalern denn gelingen könne, eine dominantere Rolle in der Unternehmenshierarchie zu übernehmen. Dabei mangelt es nach Fröhlichs Einschätzung leider oft an dem nötigen Fachwissen: „Es ist heute immer noch nichts Außergewöhnliches, wenn ein neuer Arbeitsdirektor bisher mit Personalarbeit wenig am Hut hatte.“ Zudem sei es mehr als außergewöhnlich, wenn es ein „Personalmann“ (sic!) schaffe, an die Spitze eines Unternehmens zu rücken. Seine Forderung: Personalarbeit müsse „mehr Berufung als Beruf“ sein, denn „ohne die entsprechende innere Einstellung und damit die Freude am Umgang mit Menschen ist eine kontinuierliche und berechenbare am Mitarbeiter orientierte Personalarbeit kaum denkbar“. Ein Satz fürs HR-Poesiealbum, der auch 2024 nichts an Relevanz verloren hat.
Aber auch sonst war 1988 ein Jahr der Themen, die noch heute auf der Agenda stehen – auch wenn sich die Zeiten doch ziemlich gewandelt haben. So vermeldete die Personalwirtschaft im März 1988, dass von 100 Beschäftigten gerade mal zwölf in Teilzeit arbeiteten. Zum Vergleich: 2022 waren es laut Statistischem Bundesamt 29,5 Prozent. „Mütter und Ehefrauen müssen Beruf und Familie miteinander in Einklang bringen, während Männer sich traditionsgemäß meist voll ihrer Arbeit widmen können“ war die aus heutiger Sicht leicht reaktionäre Begründung, warum damals überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiteten.
Etwas antiquiert mutet in der Rückschau die Rubrik „Neue Techniken am Arbeitsplatz an“, in der im Frühjahr 1988 die Vorteile von „Bildschirmarbeitsplätzen“ analysiert wurden. Nach Realsatire klingt dabei die Definition derselben: „Der Bildschirmarbeitsplatz zeichnet sich dadurch aus, dass die Erfüllung der Arbeitsaufgabe und weitgehend auch die Arbeitszeit durch den Einsatz von Bildschirmgeräten bestimmt ist.“ Wer hätte das gedacht.
Zahl des Jahres: 111.000
111.000 Dias – so groß ist das Fassungsvermögen des 1988 leistungsfähigsten Bild- und Tonspeichers der Welt, die Laser-Bildplatte. „Flach aufeinandergestapelt entspräche das einer fast 300 m hohen Säule aus Kleinbild-Dias, also etwa Eiffelturmhöhe!“, staunt Autor Ulrich Staub, damals Prokurist und Vertriebsbereichsleiter der Telemedia GmbH. Als Einsatzgebiet macht Straub für das Datenmonster die Schulung von Mitarbeitenden aus: Die Nutzerinnen und Nutzer hätten so die Möglichkeit, individuell und unbeobachtet zu lernen.
Aus heutiger Sicht geradezu putzig mutet Staubs Lob des flackerfreien Standbildes an, was dem Lehrenden die Gelegenheit gebe, „ausreichend zu kommentieren und der Lernende genügend in sich aufnehmen“ könne. Zudem spare die Laser-Bildplatte Reise- Hotel- und Trainerkosten und wäre damit durchaus auch als „Technik-Trend des Jahres“ prädestiniert.
Dieser Titel gebührt 1988 aber einer anderen Lösung:
Technik-Trend des Jahres: Lohn- und Gehaltsabrechnung
Sicher, Softwarelösungen zur Erfassung und Verwaltung der Mitarbeitendengehälter gibt es schon einige Jahre länger. Was 1988 aber besonders macht, ist die schiere Masse an Programmen, zwischen denen die Unternehmen wählen können: Auf knapp zehn Seiten verzeichnet die Marktübersicht in der Märzausgabe der Personalwirtschaft knapp 100 Lösungen. „Zukünftig wird auch der Personalbereich durch das starke Vordringen der Personal-Computer – bei immer leistungsfähigeren Geräten auf der einen und sinkenden Preisen auf der anderen Seite – mehr und mehr profitieren“, orakelt Fritz Lechelt, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schwerpunkt Management der Universität Kassel.
An komfortable Nutzeroberflächen à la Windows ist damals allerdings noch nicht zu denken: Die meisten Programme verwendeten, die Älteren unter uns mögen sich erinnern, MS-DOS, „exotischere“ Betriebssysteme wie UNIX waren eher die Ausnahme. Und Apple war mit dem Macintosh im Gegensatz zu heute ein echtes Nischenprodukt.
Wort des Jahres: Flexibilisierung
1988 befindet sich HR im Umbruch: Technische Innovationen sind für Personalerinnen und Personaler ebenso eine große Herausforderung wie neue Arbeitsmodelle. Hans Sigl, im Jahr 1988 Personalleiter für den Geschäftsbereich Hausgeräte bei AEG, analysiert in der Juniausgabe treffend letzteren Punkt: Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und (auch) -ort werde insbesondere für Führungskräfte ein bestimmendes Thema.
„Man wird geradezu überschüttet mit Veröffentlichungen, in denen die verschiedenartigsten Arbeitszeitmodelle schematisch dargestellt werden“, schreibt Sigl. Viele Führungskräfte begegneten dieser Entwicklung angesichts der komplexeren Aufgaben „mit großem Unbehagen“. Sein Fazit: Flexibilisierung kann nur in dem Maß verwirklicht werden, „in dem die Führungskräfte darauf vorbereitet werden, diesen Anforderungen gerecht zu werden“.
Ungewöhnlichste Anzeige des Jahres: Detective Kocks

Zwischen Werbung für Führungskräfteseminare, Zeitarbeitsfirmen, HR-Software und Stellenanzeigen geht die Anzeige des Düsseldorfer Detektivbüros Kocks fast unter: Um Diebstahl, Veruntreuung und Geheimnisverrat am „Tatort Arbeitsplatz“ auf die Spur zu kommen, möge man sich vertrauensvoll an „Detective Kocks“ wenden. Nicht überliefert ist, ob das Zielscheibenlogo in der Anzeige, dass doch sehr an die erfolgreichste TV-Krimireihe Deutschlands erinnert, für eine Copyright-Klage sorgte. Die inzwischen eingedeutschten „Detektive Kocks“ bieten ihre Dienste übrigens auch heute noch an.
Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

