Mehr Arbeitszeit = mehr Produktivität?

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Je nach Bundesland und Region gibt es in Deutschland zwischen 10 und 14 gesetzliche Feiertage. Wirtschaftsexperten empfehlen, einen davon zu streichen, um Deutschland produktiver zu machen und das Bruttoinlandsprodukt zu steigern. Aber generiert mehr Zeit am Arbeitsplatz automatisch mehr Output?

Arbeitszeitdebatte: Ein Tag mehr im Jahr oder ein Tag weniger pro Woche?

Wie lang Arbeitnehmende arbeiten sollten, wird schon länger kontrovers diskutiert. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) würde die Wirtschaftsleistung mit nur einem Feiertag weniger um 8,6 Milliarden Euro steigen. Kritiker mahnen an, dass Auftragsbücher nicht konstant gefüllt sind und Bundesländer wie Bayern viele Feiertage haben und dennoch besonders produktiv sind.

Der Gegenentwurf zum gestrichenen Feiertag ist die Vier-Tage-Woche. Ein Arbeitstag weniger pro Woche und die dementsprechend reduzierte Arbeitszeit sollen Angestellte entlasten und Stress abbauen – immerhin steigt der Krankenstand in Deutschland auch dank Belastungen im Beruf seit 2019 kontinuierlich.1 Befürworter legen den Fokus auf das Wohlergehen der Mitarbeitenden – wer zufrieden und gesund ist, könne besser arbeiten, so das Argument. Aber kann das Modell überhaupt funktionieren, wenn die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig bleiben möchte?

Studie zur Vier-Tage-Woche: Weniger Stress, gleichbleibende Produktivität

Es kommt ganz darauf an. Beispielsweise kam eine bundesweite Studie der Universität Münster zu folgendem Ergebnis2: 45 Unternehmen testeten das Konzept 2024 sechs Monate lang. Weder Umsatz noch Profit brachen ein, sondern blieben auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr – bei weniger Arbeitszeit. Zudem verzeichneten die teilnehmenden Unternehmen eine bessere Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung sowie bessere Ergebnisse im Recruiting.

Um die reduzierte Arbeitszeit auszugleichen, strukturierten sie ihre Prozesse anders: 65 Prozent reduzierten Möglichkeiten zur Ablenkung, 52 Prozent setzten auf seltenere und kürzere Meetings und 25 Prozent führten neue digitale Tools ein, um Prozesse schlanker zu gestalten. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Zeit am Arbeitsplatz nicht der einzige Faktor ist, der für die Produktivität entscheidend ist. Offenbar spielen die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber, das eigene Stresslevel und schlanke Workflows auch eine wichtige Rolle.

Reduzierte Arbeitszeiten funktionieren allerdings nicht in jeder Branche oder jeder Position. In der Industrie, dem Gesundheitswesen oder der Logistik steht Produktivität im direkten Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Personal – und Prozesse sind fest definiert, sodass sie sich nicht so einfach verschlanken lassen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit könnte hier also zu Versorgungslücken oder Kapazitätsengpässen führen.

HR-Software erfrischend einfach

Sollten Unternehmen also die Arbeitszeit steigern oder reduzieren? Wofür sie sich auch entscheiden: In der Organisation der Belegschaft sollten sie auch auf schlanke Prozesse, Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung sowie digitale Tools setzen. HR ist als Knotenpunkt für die Organisation der Belegschaft und die Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Angestellten der ideale Ansatzpunkt. Denn die Studie zur Vier-Tage-Woche zeigt: Produktivität entsteht dort, wo Prozesse schlank, Tools intuitiv und Mitarbeitende motiviert sind und ihre Arbeitszeit effektiv nutzen können.

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