Personalwirtschaft: Einige deutsche Unternehmen haben sich dem Diversity-Backlash in den USA angepasst und ihre DEI-Programme zurückgefahren. Wie haben Sie bei Canon auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert?
Saba Kascha: Ungeachtet von externen Dynamiken war und ist für uns DEI ein Thema der Haltung, welches sich vor allem in unserem Verhalten zeigt und weniger stark durch Kommunikation nach außen. Als japanisches Unternehmen sind wir weniger „laut“ in der Kommunikation, sondern mehr darauf fokussiert, unsere Werte und unsere Philosophie Kyosei zu leben.
Was bedeutet Kyosei?
Leben und Arbeiten für das Gemeinwohl. Diese darin verankerte Haltung prägt, wie wir miteinander umgehen und als Arbeitgeber Verantwortung übernehmen.
Sie halten also unverändert an DEI fest?
Ja, wir setzen konsequent darauf, unterschiedliche Perspektiven zu fördern. Denn sie machen uns als Organisation resilienter, innovativer und erfolgreicher – und das schon seit 1937.
In Krisenzeiten gibt es eine Tendenz dazu, wieder in alte Verhaltensweisen zurückzufallen, hierarchischer zu führen und nicht mehr viele Ressourcen in eine moderne Unternehmenskultur zu stecken. Haben Sie sich bei Canon auch entsprechend angepasst?
Nein. Resilienz entsteht nicht im Alleingang, sondern aus dem Miteinander – durch Kollegialität, Zusammenhalt und eine Unternehmenskultur, die neben Anpassungsfähigkeit, Sicherheit und Orientierung gibt. Wir orientieren uns in jeder Krise an unserer wertebasierten Haltung und unseren nachhaltigen Führungsprinzipien. Gleichzeitig sehen wir jede herausfordernde Zeit als Lernmöglichkeit an. An diesem Vorgehen möchten wir festhalten, denn gefühlt scheinen dynamische Zeiten seit einigen Jahren eher die Regel zu sein als die Ausnahme.
Welche Unternehmenskultur braucht es Ihrer Meinung nach, um in den aktuellen unruhigen, krisenbehafteten und polarisierenden Zeiten als Organisation erfolgreich zu sein?
Eine erfolgreiche Unternehmenskultur in unruhigen Zeiten braucht für mich drei Dinge: Zusammenhalt, Elastizität und Beidhändigkeit. Beidhändigkeit bedeutet für mich Stabilität und Verlässlichkeit dort, wo es notwendig ist – und gleichzeitig Flexibilität und Agilität, wo Veränderung gefordert ist. Zusammenhalt sollte über Abteilungs- und Meinungsgrenzen hinweg gelten. So bleibt ein Unternehmen nicht nur stabil, sondern auch lernfähig und innovativ.
Worauf freuen Sie sich beim HR-Summit am meisten?
Ich freue mich schon sehr darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen und ebenso neue, inspirierende Köpfe kennenzulernen. Dieser persönliche Austausch macht für mich den großen Wert des HR-Summits aus. Es geht nicht nur um spannende Impulse, sondern auch um die Leidenschaft für unsere gemeinsame Aufgabe: Die Arbeitswelt von morgen zu gestalten. Und natürlich bin ich schon sehr gespannt, welche innovativen Projekte in diesem Jahr den Deutschen Personalwirtschaftspreis gewinnen werden!
Info
Der Deutsche Human Resources Summit 2025
„Menschen verbinden, Zukunft gestalten“ – unter dem Motto findet in diesem Jahr der HR-Summit statt. Am 12. und 13. November kommen HR-Führungskräfte im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden zusammen, um sich über Best Practices und die Zukunft der Personalarbeit zu unterhalten.
Neben Saba Kascha sind als Top-Speakerinnen und -Speaker mit dabei: Sophie von Saldern (Global Head of Human Resources bei Covestro), Konstanze Marinoff (CPO Sana Kliniken), Dirk Schulte (Personalvorstand Thyssenkrupp Steel), Frank Kohls (Personalvorstand IBM), Markus Fink (CHRO Infineon), Cawa Younosi (Geschäftsführer Charta der Vielfalt e.V.) sowie Inken Gallner (Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts) und Star-Investor Carsten Maschmeyer.
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Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.

