Hiring Freeze bei Unilever: 7 Punkte, die HR jetzt beachten muss

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Der Konsumgüterkonzern Unilever verhängt einen globalen Einstellungsstopp. Der Grund: die wirtschaftliche Lage infolge des Iran-Kriegs. Dies zeigt, wie geopolitische Schocks unmittelbar auf Personalstrategien globaler Konzerne durchschlagen. Matthias Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager*innen weiß, worauf HR im Fall von Hiring Freeze konkret achten muss.

Der weltweite Einstellungsstopp gilt auf allen Hierarchieebenen. Laut internem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, soll der Stopp mindestens drei Monate andauern. Als Grund nennt Fabian Garcia, Chef der Körperpflegesparte, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs und die damit verbundenen Störungen im Welthandel. Bekannte Marken des Konzerns sind Knorr, Pfanni, Axe, Rexona und Ben & Jerry’s.

Hiring Freeze bei Unilever: Sparprogramm läuft bereits

Der Schritt ergänzt ein bereits laufendes Sparprogramm: Seit 2024 plant der britische Konsumgüterkonzern, binnen drei Jahren rund 800 Millionen Euro einzusparen und dabei etwa 7.500 Stellen zu streichen, berichtete der Spiegel. Die Belegschaft ist bereits von rund 149.000 Beschäftigten im Jahr 2020 auf derzeit 96.000 gesunken. Parallel hat Unilever den Verkauf seiner Lebensmittelsparte an den Konkurrenten McCormick verhandelt. Der Deal mit dem US-Gewürzhersteller wurde kürzlich in einer Pressemitteilung bestätigt.

Das muss HR im Fall von Hiring Freeze beachten

Aus Sicht von Matthias Kempf, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager*innen (BPM), kommt es bei einem umfassenden Einstellungsstopp vor allem darauf an, die Maßnahme intern wie extern professionell zu steuern. Dabei solle trotz kurzfristiger Maßnahmen die langfristige Personalplanung nicht aus dem Blick verloren werden. Diese Punkte sollten HR-Abteilungen konkret beachten:

  • Klare, frühzeitige und ehrliche Kommunikation nach innen: um Unsicherheit zu reduzieren und Orientierung zu geben. Entscheidend ist, transparent zu machen, was der Einstellungsstopp konkret bedeutet, welche Bereiche betroffen und welche nächsten Schritte geplant sind, damit Vertrauen erhalten bleibt. Dazu gehöre auch, regelmäßige Updates zur weiteren Entwicklung und möglichen nächsten Schritten zuzusagen.
  • Begründung transparent machen und Perspektive geben: Laut Kempf sollte HR transparent erklären, warum der Stopp notwendig ist. Wenn es wie im Fall von Unilever ein zeitweiser Einstellungsstopp ist, ist gleichzeitig ein positiver Ausblick sinnvoll: „Es handelt sich um eine befristete Maßnahme, die nach Beendigung des Konflikts erneut überprüft wird“, schlägt Kempf vor.
  • Wertschätzender und transparenter Umgang mit Kandidatinnen und Kandidaten: In bereits gestarteten Bewerbungsprozessen müsse klar kommuniziert werden, ob Verfahren fortgeführt, pausiert oder beendet werden. Gleichzeitig gelte es, die Talentpipeline aktiv zu pflegen, um Beziehungen zu qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten nicht nachhaltig zu beschädigen.
  • Kritische Funktionen differenziert betrachten: Gemeinsam mit dem Business müsse auch bei einem umfassenden Einstellungsstopp geprüft werden, welche Rollen für den laufenden Betrieb oder strategisch wichtige Bereiche unverzichtbar sind und daher priorisiert oder ausgenommen werden sollten.
  • Die interne Organisation proaktiv steuern: Kempf empfiehlt, stärker auf interne Mobilität zu setzen, Aufgaben klar zu priorisieren und Ressourcen gezielt umzuverteilen. „Ziel ist es, zusätzliche Belastungen abzufedern und negative Effekte auf Motivation und Produktivität möglichst gering zu halten“, sagt Kempf.
  • Die langfristige Personalplanung im Blick behalten: Ein vollständiger Einstellungsstopp könne strukturelle Lücken verursachen – insbesondere bei Nachwuchstalenten. Daher sei es wichtig, frühzeitig Perspektiven für die Zeit nach der Krise zu entwickeln und relevante Talentgruppen weiterhin anzusprechen
  • Betriebsrat einbinden: Zudem solle HR die Einbindung des Betriebsrats hervorheben und die Situation als gemeinsame Anstrengung darstellen. Auch das Ziel, bestehende Arbeitsverhältnisse bestmöglich zu sichern, solle klar kommuniziert werden.

Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.