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DPP-Nachbericht: Vom Sinn und Unsinn des Sinns

Auf dem Podium, moderiert von Personalwirtschaft-Chefredakteur Cliff Lehnen, diskutierten – bisweilen leidenschaftlich – Sirka Laudon, Konzernvorständin People Experience bei der AXA, Cawa Younosi, Head of People Germany sowie Global Head of People Experience bei SAP, der Purpose-Experte Dr. Nico Rose sowie WHU-Leadership-Professorin Dr. Fabiola Gerpott.

Dr. Nico Rose, führender Experte für sinnstiftende Arbeit und Positive Psychologie

Nico Rose stellte zunächst einmal klar: „Purpose ist nicht gleich Sinn“, so der ehemalige langjährige Bertelsmann-Personaler, Heavy-Metal-Fan und ausgewiesener Fachmann in Sachen Sinn-Suche. Ein Satz, den sich viele Unternehmen, die sich einen Purpose verordnet haben, ins Stammbuch schreiben sollten: Zu unscharf und beliebig sind viele Ziele, die von der obersten Führungsebene ausgegeben werden, als dass sie im Alltag wirklich umsetzbar wären.

Sirka Laudon, Konzernvorständin People Experience der AXA

Sirka Laudon brachte noch einen anderen Aspekt in die Diskussion ein: „Sinn ist nichts, was von außen ins Unternehmen getragen werden kann. Er muss von innen kommen und gelebt werden“, unterstrich die oberste Axa-Personalerin. Dem stimmte auch Nico Rose zu: „Ich bin ein großer Verfechter von ,bring-your-own-purpose´.“ Dieses „Mitbringen“ unterstützt man etwa auch bei SAP: Mitarbeitende, die sich für die Ukraine engagieren wollen, werden drei Tage lang bei vollem Gehalt von der Arbeit freigestellt.

Fabiola Gerpott gab zu bedenken, dass die Purpose-Diskussion eher ein Thema in reicheren Ländern sei – „in ärmeren Ländern steht das nicht so hoch auf der Agenda“. Die unternehmerische Sinn-Suche wäre mithin also auch ein Wohlstandsthema, das man sich erst einmal leisten können muss.

Profit trotz Purpose

Cawa Younosi, Head of People Germany sowie Global Head of People Experience bei SAP

Für Cawa Younosi war jedenfalls klar: „Man muss die Balance halten zwischen Unternehmenserfolg und Mitarbeiterzufriedenheit.“ Moderator Cliff Lehnen fragte in diesem Zusammenhang leicht provokant in die Runde: „Wird die Jobsicherheit in diesen unsicheren Zeiten nicht zum eigentlichen Purpose?“ Cawa Younosi räumte ein: „Klar, einen Unternehmens-Purpose muss man sich auch leisten können.“ Ein Argument dagegen sei das allerdings nicht.

Bei der Frage, ob die Sinn-Suche eher ein Thema für Millenials beziehungsweise jüngere Mitarbeitende sei, waren sich die Diskutanten jedenfalls einig: „Unterschiede bei den Generationen kann ich da nicht erkennen. Purpose ist allen Altersklassen gleichermaßen wichtig – oder eben auch nicht“, so Fabiola Gerpott.

Purpose-Bremse Remote

WHU-Leadership-Professorin Dr. Fabiola Gerpott

Wie in vielen anderen Bereichen hat auch beim Thema Purpose die Corona-Pandemie die Karten neu gemischt. Insbesondere der Wechsel ins Homeoffice hat nicht unbedingt dazu beigetragen, für mehr Sinn zu sorgen. „Ein Purpose entsteht auch zwischen Menschen, und da ist remote nicht eben hilfreich“, erklärte Fabiola Gerpott. So seien so manche Absolventinnen und Absolventen enttäuscht, wenn sie im Homeoffice vergebens auf Sinn-Suche gingen.

Doch welche Tipps geben die Panel-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer den HRlern, die dabei helfen wollen, ihrem Arbeitgeber bei der Sinn-Suche zu unterstützen? „Die Mitarbeitenden müssen in der Lage sein, ihre Selbstwirksamkeit zu erleben“, betonte Sirka Laudon. Dem stimmte auch Fabiola Gerpott zu: „Unternehmen müssen Freiräume schaffen.“ Nico Rose ergänzte: „Wer seinem Unternehmen einen Purpose verordnen will, braucht klare Ziele.“

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.