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DPP-Gewinner: Zwei Vorbilder, die gemeinsam vorangehen

„Mit ihren Projekten für Menschen aus und in der Ukraine haben Tatjana Kiel und Marcus Diekmann Hilfe geleistet und Hoffnung gestiftet – zügig, empathisch, und über die eigene Belastungsgrenze hinaus“, betont Cliff Lehnen, Chefredakteur der „Personalwirtschaft“. Das HR-Fachmagazin vergibt den „Deutschen Personalwirtschaftspreis” in diesem Jahr erstmals in der Kategorie „Gamechanger“ und hat in der Unternehmerin und dem Unternehmer seine Preisträger gefunden. „Gerade in Zeiten von Unsicherheit und Spannung braucht es Menschen, die etwas wagen, die vorangehen. Das haben die Beiden vorbildlich getan.“ 

Wenn ein Krieg alles radikal ändert 

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine änderte sich der Arbeitsalltag der beiden Unternehmer radikal. Tatjana Kiel, die als CEO von Klitschko Ventures seit vielen Jahren eng mit Wladimir Klitschko zusammenarbeitet, organisierte von Hamburg aus – in ständiger Abstimmung mit Kiew – die Initiative #WeAreAllUkrainians. Unter diesem Hashtag gelang es ihr, mit einem Team aus Freiwilligen, in kürzester Zeit Lebensmittel- und Medizintransporte, Sachspenden und Geldmittel dorthin zu bringen, wo sie tatsächlich benötigt werden. Kiel und Klitschko machten gemeinsam die Öffentlichkeit auf das Leid der Menschen in der Ukraine aufmerksam und bedeuteten der Wirtschaft die Notwendigkeit unmittelbarer Hilfe. Ob die Deutsche Bahn oder der dm-Drogeriemarkt, ob die DFB-Stiftung oder die Stadt Hamburg – die Netzwerker der Initiative banden in nur wenigen Tagen und Wochen verschiedenste Unternehmen und Organisationen ein, um gemeinsam an einer guten Sache zu arbeiten: Menschen zu helfen.

Mit demselben Ziel trat auch Marcus Diekmann an, als er die Jobplattform jobaidukraine.com auf die Beine stellte. Initialzündung war ein Telefonat mit der ehemaligen Au-pair-Kraft Polina. Erst im Januar hatte sie die Familie verlassen, war zurück in die Ukraine gegangen. Wenige Wochen später brach in ihrer Heimat der Krieg aus. Diekmann redete am Telefon auf sie ein: „Komm zurück nach Deutschland, bring deine Freunde, deine Familie mit. Wohnt bei uns, wir rücken zusammen, wir bekommen das hin!“ Polinas Antwort: „Aber wir haben doch keine Zukunft in Deutschland, keine Arbeit – wovon sollen wir leben?“  

Diese Frage ließ Diekmann, dem erfahrenen Start-up-Unternehmer und -Investor, keine Ruhe. Er legte auf, nur um gleich mit den nächsten Anrufen drei Kompagnons aus der Digitalszene zu mobilisieren. Wenige Tage und einige durchgemachte Nächte später ging das neue Jobportal live. Durch große öffentliche Aufmerksamkeit waren bald zahlreiche Stellen online und wenig später vergeben. Bis heute sorgt das Portal für eine rasche Vermittlung zahlreicher geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt. Und Ex-Au-pair Polina ist längst wieder in Deutschland und voll in das Projekt eingestiegen.  

Seit Sommerbeginn auf gemeinsamen Wegen 

Ende Juni überraschten Tatjana Kiel und Marcus Diekmann die Öffentlichkeit mit den nächsten – in diesem Fall mit gemeinsamen – Schritten. Zunächst lebte die Initiative #WeAreAllUkrainians in einer gGmbH auf, der Tatjana Kiel als Geschäftsführerin vorsteht. Pünktlich zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni ging die Jobblattform JobAidUkraine.com in die #WeAreAllUkrainians gemeinnützige GmbH über. Die beiden ehrenamtlichen Initiativen bündeln seither ihre Kräfte. Die gGmbH hilft ukrainischen Menschen inzwischen mit fünf Task Forces, die Jobbörse läuft parallel.  

Für die beiden Protagonisten ist die Zusammenarbeit eine quasi natürliche. „Wir richten unsere Prozesse nach Bedarfen aus – von den ersten, akuten Hilfstransporten bis zu nachhaltigen Hilfsprojekten heute“, sagt Tatjana Kiel. „Und wir sehen deutlich den Bedarf, die Menschen bei uns in den beruflichen Alltag zu integrieren. Die Gründer von JobAidUkraine.com haben gezeigt, wie es gehen kann und wie wir es schaffen, gleichzeitig dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wenn wir Wissen und Erfahrungen austauschen, bringt uns das gemeinsam weiter. Der Award ‚Gamechanger des Jahres‘ der Personalwirtschaft ist eine tolle Anerkennung. Denn genau das möchten wir: die Spielregeln zum Guten verändern.“ 

Auch für den Multi-Unternehmer Diekmann ist die Kooperation besonders: „Gemeinsam nach vorne: Das war schon immer mein Credo. JobAidUkraine.com ist zu meinem wichtigsten Projekt geworden. Natürlich geht es konkret um eine Blaupause dafür, wie man qualifizierte Zuwanderung möglich machen kann, aber es geht eben nicht nur um Business. Es geht um Menschen, denen wir in einer Notsituation helfen können. Um das weiter auszubauen, haben wir unsere Kräfte gebündelt. Danke für diesen Award, mit dem die Personalwirtschaft das Engagement honoriert.“ 

Zwei Umsetzer mit Vision und Ziel 

„Dass sich Tatjana Kiel und Marcus Diekmann vor dem russischen Überfall der Ukraine kaum kannten, scheint heute fast unwirklich – so viel haben sie seither, auch gemeinsam, bewegt“, fasst Personalwirtschaft-Chefredakteur Cliff Lehnen zusammen. „Das zeigt die Tatkraft, die Umsetzungsmentalität und den Netzwerkgeist dieser beiden Menschen, die sich im Wortsinne als Unternehmer bewiesen haben: als Macherinnen und Umsetzer mit Vision und Ziel. Wir gratulieren Tatjana Kiel und Marcus Diekmann sehr herzlich zur Auszeichnung als ‚Gamechanger des Jahres 2022‘!“ 

Ihre Auszeichnung werden Kiel und Diekmann am 12. September bei der Preisverleihung in den Kölner Balloni-Hallen entgegennehmen. Das hochwertige Programm mit renommierten Speakern aus HR-Praxis, Wissenschaft und Beratung startet mittags. Anmeldungen sind für HR-Professionals kostenfrei möglich.  

Auch die Finalisten für die restlichen Rubriken des „Deutschen Personalwirtschaftspreises 2022″ stehen fest. Wer von ihnen den Preis erhält, wird allerdings noch von Personalerinnen und Personalern entschieden.