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Leadership prägt

Am Tag
der Verleihung des Deutschen Personalwirtschaftspreises stellten sich die
nominierten Unternehmen aus der Kategorie Leadership vor. Ob Stadtreinigung,
technisches Institut oder Agentur: Im Fokus stand hier ganz klar die
Belegschaft, die den Takt angeben darf und sollte – wenn sie das Vertrauen der
Führungsebene genießt.

Übersicht Slot Leadership.
Auch der Personalwirtschafts-Slot “Leadership” war mit 100 Teilnehmenden maximal gefüllt. Im Foto zu sehen sind Moderator Cliff Lehnen und Vertreterinnen und Vertreter der für den #DPP2020 nominierten Projekte. Foto: Screenshot der Veranstaltung

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In einem mit 100 Teilnehmenden voll belegten virtuellen
Workshop-Raum stellten Peggy Hertner, Leiterin der Geschäftseinheit Reinigung und
Jens Großmann, Leiter Geschäftseinheitenentwicklung der Berliner Stadtreinigung,
ihr neues mitarbeiterorientiertes Arbeitszeitsystem vor. Moderator Cliff
Lehnen, Chefredakteur der Personalwirtschaft, hob die doch eher ungewöhnliche
Nominierung eines Unternehmens hervor, dessen Mitarbeitende nicht vornehmlich
am Schreibtisch sitzen. Aber: “Wir sind
nicht blue collar, sondern orange collar”, sagt Großmann. Mit dem Projekt soll der Fokus auf die
Belegschaft gesetzt werden, so Großmann, der das Reinigungsgewerbe als stark
hierarchisch getrieben beschreibt. “Das drehen wir gerade um”, sagt er. Führungskräfte
sollen mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden setzen und
ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Projekt Berliner Stadtreinigung.
Sie setzen auf Vertrauen, Flexibilität und Kommunikation: Peggy Hertner und Jens Großmann stellen das Projekt der Berliner Stadtreinigung vor. Foto: Screenshot der Veranstaltung

Zunächst wurden die Bedürfnisse der Belegschaft
analysiert, anschließend darauf reagiert. Ein früherer Schichtbeginn um 5:30
Uhr wurde beispielsweise festgelegt. Dies wurde ergänzt mit einem späteren Arbeitsangebot
für die Beschäftigten, welche unter anderem wegen familiären Verpflichtungen ihre
Arbeit noch nicht um diese Uhrzeit aufnehmen können. Das benötigte Meinungsbild
und Feedback wurde flächendeckend von allen Mitarbeitenden der Stadtreinigung
eingeholt. “Wir sind über jede der 15 Berliner Liegenschaften getingelt”,
erinnert sich Hoffmann. Das Modell wird 
derzeit noch “hemdsärmelig” organisiert, so Großmann, doch eine digitale
Lösung wird bereits geplant.

HR als Panther im Käfig

Als nächstes präsentierte Luise Schneider, zuständig für
Personalentwicklung beim Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und
Informationssysteme, kurz IAIS, das Projekt “Vom harten Performance Management
und dem Vertrauen zu einem Panther”. Die Kampagne nutzt als Symbol den hin- und
herlaufenden Panther aus dem berühmten Gedicht von Rainer Maria Rilke. Die
Stäbe stehen im Vorstellungsvideo des IAIS für all die Regelungen des
öffentlichen Dienstes, an die sich das Institut halten muss. HR sieht Luise
Schneider hierbei nicht in der häufig genannten stereotypen Rolle “harter Hund”
sondern als eben jenen Panther, dem Vertrauen entgegengebracht werden muss. “HR
muss agieren können und das Vertrauen der Führungskraft haben”, sagt sie.

Projekt IAIS.
45 Prozent der neu eingestellten Fachkräfte waren in den letzten anderthalb Jahren Frauen: Luise Schneider stellt das Projekt “Vom harten Performance Management und dem Vertrauen zu einem Panther” vor. Foto: Screenshot der Veranstaltung

Eines der neuen Recruiting-Ziele war, mehr Frauen für
das Institut zu gewinnen, entgegen des derzeit starken Männerüberschusses in
MINT-Berufen. Die beste Voraussetzung dafür, so Schneider, ist, das Versprechen
einer von Vielfalt und Gleichberechtigung geprägten Arbeitsatmosphäre auch
wirklich einzuhalten und Chancengleichheit im Unternehmen zu verankern, denn:
“Frauen ziehen weitere Frauen an”. Dies wurde erreicht durch ein
verpflichtendes Diversity-Training und 44 maßgeschneiderte Programme, die
Förderung für alle Mitarbeitenden möglich machen. Der Erfolg gab dem Projekt
recht: In den letzten anderthalb Jahren waren beim IAIS 45 Prozent der neu eingestellten
Fachkräfte weiblich.

5-Stunden-Tag als Langzeitexperiment

Gerade klassische Agenturarbeit assoziiert man eher mit
Überarbeitung als mit kurzen Arbeitszeiten. Dagegen stellte sich die Agentur Rheingans
Digital Enabler aus Bielefeld, die Unternehmen aus dem Mittelstand berät. Bereits
im Oktober 2017 führte ihr Gründer Lasse Rheingans für alle Mitarbeitenden den
5-Stunden-Arbeitstag ein. Janine Kunz, Account- und Projektmanagerin bei
Rheingans Digital Enabler, erklärte, wie sie dieses ambitionierte Vorhaben in
die Tat umsetzte und warum. “Fünf Stunden bilden einen Präsenzrahmen von acht
bis 13 Uhr. Auf diese Weise vermeiden wir das klassische Mittagstief nach der
Pause.”

Projekt Rheingans.
Arbeitstage sind hier “nur” fünf Stunden lang: Lasse Rheingans stellt das Konzept seiner Agentur vor. Foto: Screenshot der Veranstaltung

Auch an Mitarbeitende mit Kindern in Schule und Betreuung
wurde gedacht. Janine Kunz, die selbst morgens ihr Kind in die Kita bringen
muss, kann sich ihre fünf Arbeitsstunden individuell einteilen: “Wir legen
Ziele für jede Woche fest, doch wann ich daran arbeite, ist mir überlassen.”
Zeitfresser wie Meetings baute die Agentur ab, indem sie diese auf 15 Minuten
herunterbrach. Zudem wurden Räume geschaffen, in denen ohne Unterbrechungen und
Ablenkungen hochkonzentriert gearbeitet werden kann. Und was sagt die
Kundschaft? “Natürlich mussten wir die Kunden informieren und waren hier ganz
transparent. Wir haben ihnen klargemacht, dass durch die verkürzte Arbeitszeit
nicht die Qualität unserer Dienstleistung leidet”, so Kunz. Für sie war es
sinnvoll, das Arbeitsumfeld auf die Mitarbeiter auszurichten und sie ihre
Potenziale entfalten zu lassen, denn: “Am Ende sind es sie, die den Umsatz des
Unternehmens erarbeiten.”

Cliff Lehnen zog am Ende des Panels, bei dem im Chat
reges Interesse an allen drei Projekten herrschte, das Fazit, dass gerade diese
Kategorie eins beweise: “Man muss kein Großunternehmen im Rücken haben, um mit
Leadership-Projekten zu prägen.”

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Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und als Projektmanagerin verantwortlich für die Heftplanung. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte – Agilität, Technologie und New Work – bringt sie auch im redaktionellen Alltag ein.

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