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Ratepay-CHRO: „Das Wasser war kalt”

Sie haben sich bereits im Studium auf HR spezialisiert, Ihr erster Job war ebenfalls im Personalwesen. Wie kam es zu so einer frühen, klaren Entscheidung für den Beruf?
Friderike Schröder: Meine Erfahrung mit HR beginnt sogar noch früher: Mein Schülerpraktikum in der 11. Klasse habe ich beim Juwelier Wempe in Hamburg gemacht, und dazu gehörten auch zwei Stationen in der Personalabteilung. Da wurde ich schnell miteinbezogen und konnte viel lernen. Das hat mich positiv überrascht und auch beeindruckt sowie meine Freude für die Personalarbeit entfacht.

Nach dem Studium haben Sie als Head of HR bei Rocket Internet direkt eine Führungsposition angenommen. Das ist kein klassischer Berufseinstieg. Wie kam es dazu?
Bei Rocket Internet als Inkubator wurden damals schon ganz frisch gegründete Unternehmen wie Zalando aufgebaut. Deshalb wollte das Unternehmen auch möglichst viele Talente akquirieren. Sowohl für Rocket Internet als auch für die gegründeten Unternehmen sollte ich die HR-Funktion aufbauen. In den Gesprächen habe ich gemerkt, dass mir gleich viel zugetraut wurde und ich dadurch etwas gestalten konnte. Diese Chance habe ich genutzt, und ich bin heute noch dankbar dafür, sie bekommen zu haben. Doch ich muss auch sagen: Das Wasser war kalt. Durch die gute Geschäftsführung habe ich allerdings schnell gelernt zu schwimmen. Learning on the Job eben.

Haben Ihnen die Inhalte des Studiums denn bei diesem Sprung ins kalte Wasser weitergeholfen?
Was mir wirklich geholfen hat und mich auch heute noch prägt, ist die menschliche Komponente, die mir von unserem Professor in der Psychologie nähergebracht wurde. In der Psychologie geht es um Menschen. Wir haben früh gelernt, dass wir nur mit der Theorie nicht wirklich weiter kommen, sondern den Transfer in die Praxis leisten müssen. Dieser Perspektivwechsel hat mir bis heute geholfen.

Das Start-up TopTarif, das von Rocket Internet und Ihnen als HR-Funktion aufgebaut wurde, wurde von Verivox aufgekauft. Auf was kommt es in der Personalarbeit bei Übernahmen an?
Die Kunst bei einer Übernahme ist es, stark genug auf die Menschen zu achten. Dem Käufer geht es ja nicht nur um das Produkt, sondern auch um das Team, und das gilt es bestmöglich zu halten. Wenn Menschen sich nicht abgeholt fühlen, werden sie über kurz oder lang das Unternehmen verlassen. Fluktuationskosten werden in M&A-Prozessen oft unterschätzt. Durch eine Integration in ein anderes Unternehmen verändert sich die Unternehmenskultur, aber Teile der bisherigen Kultur sollten als Ankerpunkte auch bestehen bleiben.

Vor fünf Jahren sind Sie zu Ratepay gewechselt. Das Start-up wurde von der inzwischen sehr bekannten Miriam Wohlfarth gegründet, und vier von sieben Personen im Management-Board sind weiblich. Für ein Fintech durchaus ungewöhnlich, oder?
Absolut! Vor allem, weil sich das natürlich ergeben hat und nicht nur Geschlechtervorgaben erfüllt werden mussten. Diese hohe Frauenquote war so explizit zwar keine Voraussetzung für mich, wenn es darum ging, einen neuen Job anzufangen. Allerdings machte das weibliche Bild nach außen Ratepay für mich durchaus interessant. Wir möchten für andere Unternehmen, aber auch für unsere Mitarbeitenden intern ein gutes Vorbild sein.

In jedem Unternehmen hatten Sie früher oder später die höchste HR-Position inne und übernahmen viel Verantwortung. Damit kann eine hohe Arbeitsmenge einhergehen. Was machen Sie, um abzuschalten?
Ich habe glücklicherweise zwei Wohnsitze: einen in Berlin und den anderen an der Ostsee. Das ist auf jeden Fall ein Joker. Man kann viel in der Natur sein und Sport machen. Und ich habe einen riesigen Freundeskreis, der mir viel Energie gibt.

Was möchten Sie in zehn Jahren gemacht haben?
Ich möchte, dass wir als Gesellschaft die Arbeitswelt neu gedacht haben. Es darf nicht nur darum gehen, einen Job zu machen, sondern eine Leidenschaft in dem zu finden, was wir tun. Auf jeder Position kann man etwas verändern.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven beschreiben?
Passioniert, neugierig und ergebnisorientiert.

Das Interview erschien zuerst in unserem aktuellen Januarheft.

Gesine Wagner ist hauptverantwortlich für die Themen Arbeitsrecht, Politik und Regulatorik und ist Ansprechpartnerin für alles, was mit HR-Start-ups zu tun hat. Zudem schreibt Sie über Recruiting und Employer Branding.