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Wie wurde Carolin Schwarz zur CHRO bei Peek & Cloppenburg?

Personalwirtschaft: Sie waren über 16 Jahre lang beim Autohersteller Daimler. Wie hat Ihre Karriere dort begonnen?
Carolin Schwarz: Ich wollte eine beratende Tätigkeit ausüben. Ein Beratungshaus kam für mich aber nicht infrage. Daimler bot eine gute Alternative an: ein Führungskräfte-Nachwuchsprogramm mit Fokus auf Projektarbeit. Das war der Einstieg; danach war ich dort Managerin in der strategischen Planung.

Ihre Zeit bei Daimler ist durch eine Station bei T-Mobile unterbrochen. Wie kam es dazu?
Das hat sich aus privaten Umständen ergeben – mein Mann bekam dort eine Stelle angeboten. Zugleich hatte ich als junge Berufstätige auch Lust auf eine Veränderung im Job. Bei T-Mobile habe ich eine interne Change-Management-Rolle übernommen. Zu Daimler bin ich dann zurückgegangen, weil sich die Gelegenheit bot, als Assistentin des damaligen CEO Dieter Zetsche zu arbeiten – das Angebot konnte ich nicht ablehnen.

Was hat Sie daran gereizt?
Veränderung und Organisationsentwicklung – Themen, die mich sehr interessieren – finden genau dort statt, auf der obersten Unternehmensebene. Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit von zweieinhalb Jahren war das mit die prägendste und intensivste Phase für meine persönliche und berufliche Entwicklung.

Wie war es, an der Spitze des Konzerns zu arbeiten?
Ich habe dabei viel gelernt – zum Beispiel, wie sehr der Vorstand mit seiner Planung vorausdenkt. Die Strategien, in die die Belegschaft eingebunden wird, existieren meistens bereits seit längerem auf den obersten Ebenen. Zum Zeitpunkt der Strategie-Verkündung beschäftigen sich die Chefs und Chefinnen oft schon wieder mit neuen Themen. Das ist eine Herausforderung für Veränderungsarbeit auf allen Ebenen.

Auf Ihrem Linkedin-Profil kommt man an dem Begriff „Integrität“ nicht vorbei. Wie wurde er für Sie so zentral?
Die Daimler-Spitze hatte sich im Jahr 2011 umstrukturiert. Ein Neuzugang und auch die erste Frau im Vorstand war die ehemalige Richterin des Bundesverfassungsgerichts, Christine Hohmann-Dennhardt. Sie baute den Vorstandsbereich Integrität und Recht auf. Das Thema hat mich von Anfang an fasziniert, auch weil es eng verknüpft ist mit der Organisationsentwicklung. Die neu geschaffene Position des Director Integrity Management, die ich dann einnahm, war darauf ausgerichtet, Integrität und Werte in der Unternehmenskultur zu verankern. Integrität bedeutet für mich, sich seiner Haltung bewusst zu sein, um damit an Aufgaben heranzugehen und sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Sie sind im April dieses Jahres bei Peek & Cloppenburg Düsseldorf und Wien als CHRO eingestiegen. Kam das durch Firmenchef Edgar Hert, der zuvor zeitgleich mit Ihnen bei Daimler gearbeitet hatte?
Nicht direkt, denn ich kannte ihn damals noch nicht. Aber ein ehemaliger Kollege von Edgar Hert hat mich angerufen. Die Transformationsaufgabe bei Peek & Cloppenburg ist sehr spannend, da sich das Unternehmen bis 2026 zu Europas führendem Multibrand-Omnichannel-Modeunternehmen entwickeln möchte. Das bringt auch Herausforderungen für HR mit sich. Dass sie mich für diese Aufgabe gewinnen wollten, obwohl ich nicht schon zehn verschiedene HR-Funktionen innehatte, hat mir gefallen. Sie haben die Position im Sinne der Change-Strategie besetzt.

Der tabellarische Lebenslauf von Carolin Schwarz.

Welche Gedanken haben Sie sich bei der Entscheidung, HR-Chefin zu werden, gemacht?
Ich habe mich gefragt, was diese Position braucht und was ich mitbringe. Durch meine beruflichen Stationen hatte ich zwar einen tiefen Einblick und intensive Zusammenarbeit mit HR, aber ich kenne nicht die Details jedes Fachbereichs. Ich denke, es ist entscheidend, wie ich die Themen angehe. Ich kann eine HR-Abteilung zukunftsorientiert aufstellen und die wichtigen People- & Culture-Themen verankern.

Welche Ziele haben Sie in Ihrer neuen Rolle?
Peek & Cloppenburg befindet sich in einer ambitionierten digitalen Transformation – und das über alle Unternehmensbereiche hinweg. In dem Zuge sind eine transparente unternehmensweite Kommunikation, der Aufbau einer agilen Organisationsentwicklung, Personalbindung und Ressourcenaufbau wichtige Säulen – Bereiche, die nun in meiner Verantwortung liegen. Darunter fällt auch, eine Arbeits- und die Leadership-Kultur weiterzuentwickeln, die gerade in dem aktuellen Veränderungsprozess Vertrauen, Verantwortung und Gemeinschaft mit allen Mitarbeitenden pflegt.

Was haben beide Unternehmen, Daimler und Peek & Cloppenburg, aus Ihrer Sicht gemeinsam?
Sie sind qualitätsorientiert, haben eine hohe Mitarbeiterloyalität und eine lange Historie mit spürbaren Wurzeln.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Menschenfokussiert, mutig, werteorientiert.

Info

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.