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Thomas Hoffmann: Der Inspektor für den Guide Michelin

Er brennt für das Thema Mobilität. Thomas Hoffmann, HR Director Operations Europe bei SVOLT Energy Technology (Europe), möchte mit HR die Transformation des Automotivebereichs mit vorantreiben. Ziel ist die Klimaneutralität.

Personalwirtschaft: Herr Hoffmann, bei vielen Unternehmenswechseln, wechselten Sie gleichzeitig die Branche, in der das Unternehmen tätig war. War das immer Absicht?
Thomas Hoffmann: Die ehrliche Antwort? Nein, das war nicht geplant, sondern hat sich eher zufällig ergeben. Alle Stationen und Unternehmen haben mich in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung bereichert. Mit Ausnahme von den Bau- und Heimwerkermärkten sehe ich in meinem Lebenslauf jedoch einen roten Faden im Bereich Automotive. Dieser Industriebereich steht vor allem in den nächsten Jahren vor einer gigantischen Herausforderung auf dem Weg zur nachhaltigen, klimaneutralen Mobilität. Hier möchte ich weiterhin meine ganzen Erfahrungen einbringen und einen erfolgreichen Beitrag als Personaler leisten.

Der tabellarische Lebenslauf von Thomas Hoffmann. (Foto: Personalwirtschaft/ Februarausgabe)

Welchen Beitrag leisten Sie als Personaler dazu?
An erster Stelle steht hier für mich die Schaffung eines modernen, motivierenden und sicheren Arbeitsumfelds für unsere Beschäftigten sowie die Begleitung des Wachstums im Unternehmen in Richtung Personalaufbau, Organisation, Digitalisierung, Onboarding, Qualifizierung und Performance.

Was fasziniert Sie so am Automotivbereich?
Individuelle Mobilität ist den meisten Menschen auf unserer Erde ein grundlegendes Bedürfnis – so auch für mich. Für viele Menschen liegen die Bereiche Arbeit, Wohnen, Freizeit und Einkaufen sehr weit auseinander. Sie müssen mobil sein, um überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Bei fast allen Lebensentscheidungen spielt die Erreichbarkeit von Orten eine große Rolle. Mich reizt insbesondere die Mobilität der Zukunft in all ihren Facetten – nachhaltig, klimaneutral und sicher.

Unterstützt HR auch diese Transformation für mehr Nachhaltigkeit?
Ja, denn die Mission Zero-Emission ist bei uns Programm. In fünf bis acht Jahren werden wir mehrere Standorte aufgebaut haben. Dafür braucht es natürlich auch HR. SVOLT möchte im Wachstumsmarkt rund um die E-Mobilität zu den führenden Anbietern für nachhaltige Batteriesysteme und Energiespeicherlösungen gehören.

Würden Sie Personalerinnen und Personalern empfehlen, im Laufe Ihrer Karriere auch in andere Branchen zu schnuppern?
Eine Patentempfehlung wäre anmaßend. Doch ich persönlich finde, man wird nicht unbedingt besser, wenn man mehr als acht bis zehn  Jahre auf einer Position verweilt – egal in welchem Bereich. Eine berufliche Rotation kann sicher auch in einem Unternehmen stattfinden. Jedes Unternehmen sollte deshalb auch seinen Mitarbeitenden maximale Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung bieten. Der Wechsel in ein anderes Unternehmen oder in eine andere Branche ist immer eine besonders emotionale Entscheidung, die viel Mut zur Veränderung erfordert. Die Arbeit in einem neuen Umfeld – ohne Netz und doppelten Boden – fand ich dabei immer reizvoll. Ich bereue jedenfalls nichts.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Kontinuierlich, strategisch, herausfordernd.

Wo liegen Ihre Talente?
Das ist eine schwierige Frage. Ich nehme mich selbst nie zu ernst, handele bodenständig, bin ein guter Vermittler und Netzwerker.

Was war Ihre prägendste Station und warum?
Für mich war das ganz klar Michelin – „People, Planet & Profit“ sowie die einzigartige Unternehmenskultur mit einer Balance zwischen ambitionierten Performance-Zielen , einer visionären, nachhaltigen Unternehmensführung und der starken Berücksichtigung der Interessen ihrer Beschäftigten haben mich nachhaltig geprägt.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Als ich von einem DAX30-Unternehmen kurz vor der Wirtschaftskrise 2008 in ein anderes Unternehmen gewechselt bin, das dann vier Wochen nach meinem Start Insolvenz anmelden musste. So etwas erdet einen und hat mir damit eine persönliche Entwicklungsmaßnahme geboten, die man auf dem gesamten Weiterbildungsmarkt nicht käuflich erwerben kann.

Inwieweit hat Ihnen das bei Ihrer Entwicklung geholfen?
In so einer Krisensituation muss man sich als Individuum schnell auf komplett veränderte Bedingungen einstellen können. Die eigene positive Einstellung -insbesondere wenn man sich selbst noch in der Probezeit befindet – sowie die erfolgreiche Anwendung der erlernten Soft-Skills im täglichen Miteinander sind maßgeblich entscheidend: Wie verhalte ich mich selbst in dieser existentiell bedrohlichen Situation? Wie interagiere ich mit Menschen in diesem Umfeld? Wie reagiere ich auf Veränderungen? Wie bewahre ich mir ein funktionierendes HR-Management in dieser Krisensituation? Das sind alles Fragen, über die man dann nachdenkt?

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben? Wo wären Sie gern früher gegangen?
Meine erste Station bei John Deere war befristet. Dort wäre ich gerne noch länger geblieben. Ich hatte da auch mit dem Leiter der PE/OE einen herausragenden Chef.

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Der Mensch ist Mittelpunkt und nicht der Mensch ist Mittel, Punkt! Für mich sind die Mitarbeitenden im Unternehmen, neben innovativen zukunftsfähigen Produkten, der wichtigste Erfolgsfaktor im Unternehmen. Daran habe ich mich immer orientiert.

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?
Ich hatte vor meinem Studium eine Ausbildung zum Elektroanlageninstallateur angefangen und nach eineinhalb Jahren in meiner „Sturm & Drang-Zeit“ abgebrochen. Heute bedauere ich das.

Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
Eine große Leidenschaft von mir ist alles rund um das Thema Kulinarik. Als Quereinsteiger in der Rolle „Inspektor für den Guide Michelin“, das hätte mir gefallen. Ich konnte jedoch Ralf Flinkenflügel vom Guide Rouge leider nie so richtig von meinen Qualitäten überzeugen und jetzt ist der Zug abgefahren.

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Ich definiere mich nicht über Stationen, die Größe des Verantwortungsbereichs oder die
Anzahl der Mitarbeitenden. Ich habe aktuell den spannenden Auftrag gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen bei SVOLT, die europäische Organisation inklusive der dazugehörigen Strukturen und Prozesse von Anfang an mit aufzubauen. Eine solche Start-up-Atmosphäre mit großen Gestaltungsmöglichkeiten in einem internationalen finanzstarken Umfeld treibt mich an.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.