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Arbeitsrecht in der Corona-Krise: Die Herausforderungen gemeistert

Diskutierten über das Arbeitsrecht im Zeichen von Corona (v.l.): Heinke Hahn, Director Global HR bei Sennheiser electronic, Hans-Peter Kleitsch, Leiter Personal & Senior Vice President Human Resources, MTU Aero Engines, sowie Dr. Thomas Drosdeck und Mark
Diskutierten über das Arbeitsrecht im Zeichen von Corona (v.l.): Heinke Hahn, Director Global HR bei Sennheiser electronic, Hans-Peter Kleitsch, Leiter Personal & Senior Vice President Human Resources, MTU Aero Engines, sowie Dr. Thomas Drosdeck und Markus Künzel von Advant Beiten. (Foto: Dirk-Beichert-Business-Photo)

Über herausfordernde und neue rechtliche Fragestellungen konnten sich auch die Arbeitsrechtler von Advant Beiten in der Corona-Krise nicht beschweren. Das wurde klar beim Themenforum “Die Krise als Katalysator für Veränderungen!?”, das Rechtsanwalt Markus Künzel auf dem 12. Deutschen Human Resources Summit moderierte. Auf der Bühne des HR-Summits sprach Künzel mit Heinke Hahn, Director Global HR bei Sennheiser electronic, Hans-Peter Kleitsch, Leiter Personal & Senior Vice President Human Resources, MTU Aero Engines, und seinem Partner Dr. Thomas Drosdeck.

Hahn, die seit insgesamt 23 Jahren bei Sennheiser arbeitet, sprach dabei über die Auswirkungen der Corona-Krise auf ihr Unternehmen. Weil Sennheiser stark in der Veranstaltungsbranche verankert ist, traf das Unternehmen die Absage fast aller Veranstaltungen und Events aufgrund der Pandemie besonders hart. “Wir konnten unsere Umsätze nicht erzielen und waren gezwungen, auf die Kostenstruktur zu schauen”, berichtete die Personalverantwortliche. Kurzarbeit half ebenso wie die gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.

“Wir müssen Personal abbauen”

Auch am Triebwerkhersteller MTU ging die Krise nicht spurlos vorbei. “Schon am Anfang der Pandemie meinte unser Vorstand: ,Wir müssen Personal abbauen‘”, erinnerte sich Hans-Peter Kleitsch auf der Bühne. Weil die Anlernzeit neuer Mitarbeiter allerdings mehrere Jahre dauert – “erst nach fünf oder sechs Jahren bei uns dürfen unsere Mitarbeiter ans Triebwerk” – schlug Kleitsch einen etwas anderen Weg vor und überzeugte davon auch die Unternehmensleitung. Durch Gleitzeit- und Kurzarbeitsregelungen hielt das Unternehmen Menschen, auch wenn sie zeitweilig weniger zu tun hatten.  Wichtig sei in dieser Zeit gewesen, die Kommunikation zu den Führungskräften und Mitarbeitern nicht abbrechen zu lassen. Daher seien unter anderem Führungskräfteschulungen mit Online-Workshops in regelmäßigen Abständen implementiert worden, ebenso wie es Formate gab, die Stimmung der Mitarbeiter aufzunehmen und deren Fragen und Belange aufzunehmen.

Weitere Berichte, eine Bilderstrecke und ein Video vom 12. Deutschen HR-Summit finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Während auch Advant Beiten – zu jener Zeit noch Beiten Burkhardt – zu Beginn der Pandemie wie andere Arbeitgeber Homeoffice-Regelungen für die eigene Belegschaft einführte, mussten sich deren Arbeitsrechtler mit zahlreichen aktuellen und mithin noch ungeklärten Fragen in diesem Zusammenhang beschäftigen. Thomas Drosdeck nannte in der Diskussion ein Beispiel: “Wenn Mitarbeiter auf Homeoffice geklagt haben, ging es meist um die Frage, ob das technische Equipment und der Job das überhaupt hergibt.” Das seien regelmäßig Einzelfragen gewesen, über die sich langsam ein vorsichtiges Bild abzeichnete. “Es gibt aber noch keine eindeutige Corona-pro-Arbeitgeber oder -pro-Arbeitnehmer-Rechtsprechung”, sagte der Arbeitsrechtler. Lediglich bei den Themen Maskenpflicht und Hygienekonzepte hätten die Gerichte fast immer im Sinne strenger Regeln durch den Arbeitgeber entschieden.

Katalysator für ohnehin nötige Regelungen

Insgesamt war die Einschätzung auf der Bühne, dass die Krise auch positive Folgen haben wird und als Chance begriffen werden kann, unter anderem weil diese Zeit die intensive Erprobung neuer Arbeitsformen ermöglichte und die Digitalisierung beschleunigt wurde, andererseits die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen zum Wohle aller Beschäftigten sehr konstruktiv verlief. Vor allem aber wirkte Corona auch im Arbeitsrecht als Katalysator für ohnehin nötige Regelungen etwa beim mobilen Arbeiten. Vieles müsse aber noch an die neuen Realitäten angepasst werden, zum Beispiel sei der Betriebsbegriff gerade durch Homeoffice- und Mobile-Work-Regelungen deutlich aus der Zeit gefallen.

“Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Krise außergewöhnliche Herausforderungen gebracht hat, diese aber bisher gut gemeistert wurden”, fasste Markus Künzel die Diskussion zusammen. “Es werden erhebliche pandemiebedingte Herausforderungen für viele Unternehmen verbleiben, aber auch neue hinzukommen, unter anderem durch die umfassenden Vorhaben der neuen Bundesregierung, deren Umsetzung nicht lange auf sich wird warten lassen und von HR wiederum Flexibilität und Kreativität in einem hohen Maße abverlangen.”

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.